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(Keystone, RDB)
Seit ziemlich genau einem Jahr wiederholen die UBS-Chefs bei jeder Gelegenheit: Wir haben jetzt das Schlimmste überstanden, jetzt geht es wieder aufwärts (siehe Box). Doch mit jedem neuen Quartalsbericht rutschte die grösste Vermögensverwalterin der Welt nur noch tiefer in die Krise.
Auch nach der 68-Milliarden-Franken-Rettungsaktion am Donnerstag tönte es wieder gleich. «Nächstes Jahr rechnen wir mit einem Gewinn», sagt UBS-Präsident Peter Kurer (59). Doch viele zweifeln an seinen Worten. «Die UBS ist nicht über die Runden», sagt Walter Wittmann (73). Für eine Entwarnung sei es zu früh. Nach den jüngsten Abstürzen an der Börse drohten der Bank weitere Verluste. «Die Nationalbank hat ihr Pulver nun aber bereits verschossen und kann bei der nächsten Krise nicht mehr helfen», befürchtet der emeritierte Wirtschaftsprofessor.
Viele Kunden denken ähnlich. Seit Mitte Jahr zogen sie Vermögenswerte von fast 84 Milliarden Franken bei der UBS ab. «Das ist schon sehr happig», meint Bankenprofessor Hans Geiger (65).
Was für die UBS aber weit schlimmer war: Auch die anderen Banken gingen zuletzt auf Distanz zum angeschlagenen Schweizer Flaggschiff. «Die UBS», so Geiger, «bekam von den anderen Banken kein längerfristiges Geld mehr.»
Eugen Haltiner (60), der zu den Architekten des Massnahmenpakets gehört, bestätigt: «Die UBS hatte wachsende Probleme, sich am Interbankenmarkt zu refinanzieren», sagte der Präsident der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK) gestern zu SonntagsBlick. Nur zu hohen Zinsen und auf immer kürzere Fristen liehen die anderen Banken der UBS noch Geld – ein Teufelskreis, der bis zum Kollaps führen kann. «Die Liquidität der UBS hat sich zunehmend verschlechtert», so der EBK-Präsident.
Unmittelbar am Abgrund stand die UBS diese Woche zwar nicht. Laut Haltiner hätte sie selbst unter widrigen Umständen noch lange durchgehalten. «Nach den dramatischen Kursverlusten in der Vor-woche mussten wir aber mit dem Schlimmsten rechnen», sagt der Ex-UBS-Banker. Also wurde am Donnerstag die Reissleine gezogen und das Hilfspaket ausgelöst.
Ist der Pleitegeier damit vertrieben? Di e UBS litt in den vergangenen Wochen darunter, dass USA und EU ihren Banken umfangreiche Garantien versprochen hatten. «Die UBS stand isoliert da», sagt Geiger. Mit dem Hilfspaket ist die Gefahr beseitigt, dass die UBS deswegen ins Hintertreffen gerät. «Die Schweiz ist nun mit dabei im internationalen Konzert», sagt Haltiner.
Auch wenn die Gefahr einer Liquiditätskrise nun abgewendet scheint: Das Vertrauen der Kunden hat die UBS noch lange nicht zurückgewonnen. Geiger befürchtet weitere Abflüsse von Vermögen: «Ihren Status als grösste Vermögensverwalterin könnte die UBS längerfristig verlieren.»