Herr Professor, müssen die UBS-Bosse vor Gericht?

  • Publiziert: 17.10.2008, Aktualisiert: 13.01.2012

ZÜRICH – Eine Finanzspritze von 68 Milliarden für die grösste Schweizer Bank bringt unser Image als Welt-Tresor ins Wanken. Experte Thorsten Hens gibt Auskunft.

Blick.ch: Die Schweiz lebt – oder lebte – von ihrem Image als Finanzplatz. Die ganze Welt brachte ihr Geld auf unsere Banken. Sind wir nach der grossen Rettungsaktion des Bundes für die UBS kein Bankenland mehr?

Prof. Dr. Thorsten Hens: «Doch das sind wir immer noch – nur eben eines, das wie andere Bankenländer auch eine Bank hat, die dumme Fehler macht. Das Gros der Schweizer Banken ist zum Glück besser davongekommen als die meisten Banken in den USA und in Europa. Also stehen wir noch immer relativ gut da.»

Die Bundesräte Couchepin und Widmer-Schlumpf sprachen gestern im Zusammenhang mit den 68 Mrd. von einem «Geschäft, das sich selbst finanziert», das Budget oder der Steuerzahler werde nicht belastet. Wie können sie so sicher sein?

«Da kann man überhaupt nicht sicher sein. Aber vergleichbare Rettungsaktionen in Skandinavien sind letztlich für den Staat profitabel gewesen.»

UBS-Chef Peter Kurer sagt, er könne nicht garantieren, dass keine zweistelligen Boni mehr ausgezahlt würden. Doch der Bund knüpfte ein Mitspracherecht in diesen Fragen an seine Milliardenhilfe. Kann sich die Regierung in dieser Frage überhaupt durchsetzen?

«Im Moment ist die UBS auf den Staat als letzten Rettungsanker angewiesen. Jetzt ist der Moment, auf Mässigung in den Boni zu drängen. Wenn die UBS wieder vollständig auf eigenen Füssen steht, werden die Karten neu gemischt. Dann muss die UBS wieder das zahlen, was der Markt – und nicht der Staat verlangt.»

Im Fall der Swissair wurden die Verantwortlichen vor Gericht gestellt. Droht dies nun auch Marcel Ospel und anderen Ex-UBS-Managern?

«Ich bin kein Jurist – aber als Bürger dieses Landes fände ich das sinnvoll, zumindest einen Untersuchungsausschuss ins Leben zu rufen, um die ganze Sache aufzuarbeiten. Dies ist ein sehr wichtiges Thema, das, wenn es einfach unter den Teppich gekehrt wird, zu viel Verdruss führen kann.

Schliesslich könnte eine Offenlegung der Ereignisse ja auch das Management von ungerechtfertigten Vorwürfen entlasten.»

Interview: Christian Bischoff

Gier und Inkompetenz!

Leider bestätigt sich jetzt, was ein SF-Dok-Film schon vor einigen Monaten ans Tageslicht gebracht hatte. Die UBS hat nicht einfach Pech gehabt. Sie hat mit Gier und Inkompetenz zugleich Milliarden verlocht. Zu einer Zeit, als sich die Krise bei den US-Ramschhypotheken schon abzeichnete, kauften UBS-Händler noch in grossem Stil dazu. Dies ohne genau wissen, worauf sie sich einliessen! Das musste sogar der neue UBS-Präsident Peter Kurer zugeben. (snx)
play Prof. Dr. Thorsten Hens ist Direktor des Instituts für schweizerisches Bankenwesen an der Universität Zürich.

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