Finanzkrise: «Auch die Schweiz ist aufgewacht»

  • Publiziert: 17.10.2008, Aktualisiert: 02.01.2012

BRÜSSEL – Die UBS kriegt Staatshilfe. Das stösst auch auf Medieninteresse im Ausland. Vom Aufwachen der Schweiz oder einem erniedrigendem Abstieg ist die Rede.

«Ist die Schweiz das nächste Island?», titelt der britische «Independent». Das Blatt verweist dabei auf den Umfang der verwalteten Vermögen der beiden Grossbanken, welche rund 7-mal so hoch seien wie das Bruttoinlandprodukt. Dies sei etwas weniger als in Island – aber weitaus mehr als etwa in Grossbritannien.

«Ein Mythos wankt», schreibt die deutsche «WirtschaftsWoche» zur Hilfe an die UBS. «Die Bedeutung – und im Schadenfall die Bedrohung – der beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse für die Volkswirtschaft der Schweiz ist riesig», unterstreicht das Blatt weiter. Mit «mehr Staatshilfe als in den USA» stütze daher die Regierung die beiden.

Hilfe «nach langem Hinhalten»

«Nach langem Hinhalten», so der französische «Le Figaro», habe die Schweiz nun ihren Rettungsplan vorgelegt. Man habe es so lange erwartet, dass man es fast vergessen habe, schreibt das französische Wirtschaftsblatt «Les Echos».

«Lange wollte die Schweizer Finanzwirtschaft glauben machen, sie komme ohne staatliche Stützung aus», schreibt «Die Welt». «Der Fall UBS straft sie nun Lügen.»

«Auch die Schweiz ist aufgewacht», titelt das deutsche «Handelsblatt». Der «Rettungsplan mit Schweizer Präzision» sei «ein grosser Schritt in die richtige Richtung. Trotz gegenteiliger Beteuerungen kann es sich der Finanzplatz Schweiz nicht leisten, beim Kampf gegen die Finanzkrise im Abseits zu stehen», so das «Handelsblatt weiter.

Je länger die Regierungen brauchten, um ihren Banken zu Hilfe zu eilen «umso ausgefeilter werden ihre Pläne», urteilt die «Financial Times». In der Deutschland-Ausgabe wird jedoch betont, dass es sich um einen «Kraftakt aus purer Not» handle. Denn «die Schweiz konnte es sich nicht leisten, diese Schlüsselindustrie vor die Wand fahren zu lassen».

Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» sieht nach der «Notoperation» für die UBS die Probleme der Grossbank aber nicht gelöst. «Die echte Wende in der UBS muss von innen kommen. Davon sind bisher nur Ansätze zu sehen.»

«Erniedrigender Abstieg»

Der «International Herald Tribune» schreibt: «Für die Schweizer, für welche die mutmasslich vorsichtigen, diskreten Banken ein internationales Symbol sind wie die Neutralität, das Matterhorn oder das Schweizer Sackmesser, ist die Idee, dass die Regierung das Finanzsystem stützen muss, ein erniedrigender Abstieg.» Einen «Eid der Genossen auf die Schweizer Banken», sieht der österreichische «Der Standard» im Plan. (SDA)

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