Supermacht! Leitwährung! Bombensichere Anlagen! Es war einmal in Amerika

Börsen im Sturzflug. Franken härter denn je. Und da verlieren die USA auch noch ihre Bestnote als Schuldnerland. Guten Tag, Krise!

  • Publiziert: 06.08.2011, Aktualisiert: 13.01.2012
  • Von Daniel Meier
play Die Freiheitsstatue vor New York steht für das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Diesem Land sind jetzt seine Grenzen aufgezeigt worden. (rdb)

Als wäre die Woche nicht schon hart genug gewesen, folgte in der Nacht auf gestern der nächste Schocker: Die USA verlieren ihre Bestnote AAA. Neu wird die Kreditwürdigkeit der grössten und mächtigsten Volkswirtschaft lediglich mit AA+ bewertet. Das gabs in der Geschichte der Länder-Ratings noch nie: US-Staatsanleihen liegen überall auf der Welt in den Depots von Investoren und Pensionskassen – und plötzlich gelten sie nicht mehr als risikolose Anlage!

Dabei hatten US-Politiker am Dienstag endlich die drohende Staatspleite abgewendet und ein 2,5-Billionen-Sparprogramm beschlossen. Reicht nicht, urteilt Standard & Poor’s jetzt. «Die Herabstufung spiegelt unsere Meinung wider, dass der Plan zur Haushaltskonsolidierung nicht ausreicht», erklärt die wichtigste der drei grossen Rating-Agenturen.

In einer Berechnung vertan

Washington reagiert verärgert und attackiert S & P, weil die sich in einer Berechnung um unglaubliche 2000 Milliarden vertan hatte. Die Rating-Agentur korrigiert die Daten, bleibt aber bei AA+.

Ein schwerer Schlag für die Supermacht – und für Barack Obama. Er wird der erste Präsident sein, unter dem die USA eine Abstufung erleben. Das werden die Republikaner im Wahljahr 2012 ausschlachten.

Für einen gigantischen Schuldenberg von aktuell 14,3 Billionen Dollar zahlt Amerika rund 250 Milliarden Zinsen – pro Jahr! Nun werden es bis zu 70 Milliarden mehr, weil durch das schlechtere Rating die Zinsen für US-Anleihen steigen.

Folgen für die Weltkonjunktur

Die Auswirkungen gehen aber weit über die USA hinaus, denn die Vereinigten Staaten sind rund um die Welt verschuldet. Allein China hat als grösster Gläubiger über eine Billion ausstehend. Die Chinesen zeigten sich gestern empört und stellten erneut die Rolle des Dollars als globale Leitwährung in Frage.

Kommt hinzu: Wie bei Griechenland und Co. könnte die Herabstufung das Problem sogar noch verschärfen. Denn falls die US-Konjunktur gänzlich abgewürgt wird, hätte dies fatale Folgen für die Weltkonjunktur.

Rund um den Globus wartet man deshalb gespannt darauf, wie die Börsen auf den US-Schock reagieren. Am Wochenende wurde einzig in Riad gehandelt. An der wichtigsten arabischen Börse fielen die Kurse um 5,5 Prozent. Morgen Montag dürfte es im gleichen Stil weitergehen, erst in Asien, dann in Europa und später an der Wall Street. Befürchtet wird eine Kettenreaktion.

Dabei haben auch die Börsen bereits Tage des Schreckens hinter sich. Von Tokio über London bis New York brachen die Aktien-Indizes um 13 Prozent ein. Der Swiss Market Index verlor in nur drei Monaten 19 Prozent.

Weitere Aktionen der SNB


Auch die Währungen erreichten diese Woche historische Tiefstände. Der Dollar sank innerhalb eines Jahres um 30 Rappen, der Euro verlor sogar 32.

Die Intervention der Nationalbank vom Mittwoch blieb ohne grosse Wirkung. SNB-Präsident Philipp Hildebrand erklärte am Freitag, man werde weitere Massnahmen ergreifen, «falls es notwendig wird». Auch Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann sprach gestern auf Radio DRS von einem «ersten Schritt» – eine Andeutung, dass er ebenfalls mit weiteren Aktionen der SNB rechnet.  

Top 3

1 Wo ist unser Obama?bullet
2 Wellershoff warnt vor zweiter Bankenkrise «Man hat das Problem weiter-...bullet
3 Ein Ständchen für Marcel Ospel!bullet

Wirtschaft