Pensionskasse: Die Jungen sind die Dummen
Die Finanzkrise reisst ein Riesenloch in die Pensionskassen. Ausbaden müssen das die Erwerbstätigen. Nur die Rentner sehen nicht alt aus.
Von Silvio Bertolami | Aktualisiert um 10:28 | 24.10.2008
Der Absturz der Aktien schlägt auf die Pensionskassen durch: Der Mindestzins auf den Altersguthaben der Arbeitnehmer sinkt von 2,75 Prozent auf zwei Prozent. Wer einer Pensionskasse angeschlossen ist, die nun eine Unterdeckung aufweist, muss sich sogar auf null Prozent gefasst machen (gestern im BLICK).
Die Rentner hingegen sind fein raus. Was an den Finanzmärkten auch passiert – sie haben ihre einmal festgelegte Pensionskassen-Rente auf sicher.
Das ist nicht selbstverständlich. Denn das Geld für ihre Renten fällt nicht vom Himmel. In allen Renten ist eine Annahme versteckt: die Rendite, die eine PK mit ihrem Vermögen erwirtschaften kann. Fachleute nennen dies den technischen Zinssatz. Die meisten Pensionskassen wenden einen technischen Zinssatz zwischen 3,5 Prozent und 4,5 Prozent an. Klar, dass sie diesen Zins zurzeit überhaupt nicht erwirtschaften können.
«Die technischen Zinssätze sind tatsächlich bei vielen Pensionskassen zu hoch», sagt Manuel Ammann, Professor an der Universität St. Gallen, «man unterschätzt so die Verpflichtungen.»
Und darin liegt die Ungerechtigkeit: Der technische Zinssatz und somit die Renten der Pensionierten bleiben fix. Die Erwerbstätigen hingegen werden gleich doppelt gerupft: Sie erhalten weniger Zins, weil erstens ihr eigenes Alterskapital von der Börsenkrise in Mitleidenschaft gezogen wird. Und zweitens weil sie auch noch helfen müssen, das Loch bei den Pensionierten zu stopfen. Im Extremfall müssen sie sogar Sanierungsbeiträge bezahlen.
Die Jungen subventionieren die Alten. Der Berner PK-Experte Olivier Deprez spricht von einer «Asymmetrie». Für die Politiker sei das Problem aber tabu. Würde einer aufstehen und fordern, auch die Rentner an den Verlusten teilhaben zu lassen, wäre er «verschossen».
Seit 2003 liegt der Mindestzins für die Erwerbstätigen nun schon unter dem technischen Zinssatz für die Rentner. Manchmal 0,75 Prozent, manchmal 1,5 Prozent. «Was seit einiger Zeit passiert, gibt mir auch zu denken und ist stossend», sagt PK-Berater Werner C. Hug. «Aber wir haben es hier mit einem sehr langfristigen Geschäft zu tun. Ein Arbeitnehmer beginnt im Alter von 25 Jahren einzuzahlen, wird mit 65 pensioniert und lebt dann vielleicht noch 20 Jahre. In dieser langen Zeit ist er mal auf der Gewinner-, mal auf der Verliererseite. Das gleicht sich aus.»
Hug hofft auf die Gesundung der Finanzmärkte. Auf Zeiten, wo es möglich sein wird, den Mindestzins auf fünf, sechs Prozent anzuheben. Dann könnte der Nachholbedarf der Arbeitnehmer gedeckt werden.
Mehr als eine Hoffnung ist das aber vorläufig nicht.
Die Rentner hingegen sind fein raus. Was an den Finanzmärkten auch passiert – sie haben ihre einmal festgelegte Pensionskassen-Rente auf sicher.
Das ist nicht selbstverständlich. Denn das Geld für ihre Renten fällt nicht vom Himmel. In allen Renten ist eine Annahme versteckt: die Rendite, die eine PK mit ihrem Vermögen erwirtschaften kann. Fachleute nennen dies den technischen Zinssatz. Die meisten Pensionskassen wenden einen technischen Zinssatz zwischen 3,5 Prozent und 4,5 Prozent an. Klar, dass sie diesen Zins zurzeit überhaupt nicht erwirtschaften können.
«Die technischen Zinssätze sind tatsächlich bei vielen Pensionskassen zu hoch», sagt Manuel Ammann, Professor an der Universität St. Gallen, «man unterschätzt so die Verpflichtungen.»
Und darin liegt die Ungerechtigkeit: Der technische Zinssatz und somit die Renten der Pensionierten bleiben fix. Die Erwerbstätigen hingegen werden gleich doppelt gerupft: Sie erhalten weniger Zins, weil erstens ihr eigenes Alterskapital von der Börsenkrise in Mitleidenschaft gezogen wird. Und zweitens weil sie auch noch helfen müssen, das Loch bei den Pensionierten zu stopfen. Im Extremfall müssen sie sogar Sanierungsbeiträge bezahlen.
Die Jungen subventionieren die Alten. Der Berner PK-Experte Olivier Deprez spricht von einer «Asymmetrie». Für die Politiker sei das Problem aber tabu. Würde einer aufstehen und fordern, auch die Rentner an den Verlusten teilhaben zu lassen, wäre er «verschossen».
Seit 2003 liegt der Mindestzins für die Erwerbstätigen nun schon unter dem technischen Zinssatz für die Rentner. Manchmal 0,75 Prozent, manchmal 1,5 Prozent. «Was seit einiger Zeit passiert, gibt mir auch zu denken und ist stossend», sagt PK-Berater Werner C. Hug. «Aber wir haben es hier mit einem sehr langfristigen Geschäft zu tun. Ein Arbeitnehmer beginnt im Alter von 25 Jahren einzuzahlen, wird mit 65 pensioniert und lebt dann vielleicht noch 20 Jahre. In dieser langen Zeit ist er mal auf der Gewinner-, mal auf der Verliererseite. Das gleicht sich aus.»
Hug hofft auf die Gesundung der Finanzmärkte. Auf Zeiten, wo es möglich sein wird, den Mindestzins auf fünf, sechs Prozent anzuheben. Dann könnte der Nachholbedarf der Arbeitnehmer gedeckt werden.
Mehr als eine Hoffnung ist das aber vorläufig nicht.
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