Kurer in seiner vertraulichen Rede vor Finanzpolitikern: Der UBS laufen noch immer die Kunden davon
Letzten Freitag musste UBS-Präsident Peter Kurer in Bern antraben. Was er den Finanzpolitikern berichtet hat, ist wenig erfreulich.
Von Christof Moser Und Marcel Odermatt | Aktualisiert um 12:05 | 04.11.2008
Die Resozialisierung der abgehobenen Bankenbosse, die den Staat in den letzten Jahren immer wieder schlechtgeredet haben, ist in vollem Gang. Am Freitag musste UBS-Präsident Peter Kurer (59) einen ungewöhnlichen Ausflug machen: nach Bern, genauer an die Amtshausgasse 22 – dort hat die Nationalbank im dritten Stock ein Sitzungszimmer. Und dort warteten am Freitag, um 8 Uhr, die Mitglieder der ständerätlichen Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK) auf Kurer. Die Kommission hatte ihn vorgeladen, um sich über den Zustand der UBS informieren zu lassen.
Bis vor kurzem hätte sich wohl kein Topbanker wissbegierigen Politikern ausgesetzt. Aber so ändern sich die Zeiten: Seit die UBS 68 Milliarden Franken Staatshilfe erhalten hat, ist das Interesse der Volksvertreter am Geschäftsgang der Grossbank legitim. Und Kurer hatte den Politikern nicht nur Erfreuliches zu berichten: Zwar stoppte die staatliche Milliarden-Hilfe den Geldabfluss der UBS im Ausland, in der Schweiz laufen der Grossbank die Kunden jedoch noch immer in Scharen davon. «Es ist uns in der Schweiz noch nicht gelungen, das Vertrauen in die UBS wieder zurückzugewinnen», bestätigt UBS-Sprecher Michael Willi gegenüber SonntagsBlick. Konkret beziffern, wie viele Schweizer Kunden in den letzten Wochen ihr UBS-Konto aufgehoben haben, will er allerdings nicht.
Um die anhaltende Vertrauenskrise auf dem Heimmarkt zu beenden, wollen Kurer und UBS-CEO Marcel Rohner (44) jetzt nicht nur das Bonus-System komplett überarbeiten, wie Kurer den WAK-Mitgliedern versprochen hat. Sie werden den Topmanagern der Bank für 2008 auch jegliche Boni-Zahlungen streichen – inklusive ihren eigenen.
Die UBS-Chefs reagieren damit auf den massiven Druck aus der Politik – und setzen ein symbolisches Zeichen, um ihre arroganten Auftritte zu korrigieren, die in der Woche nach der Verkündung des staatlichen UBS-Rettungspakets die Bevölkerung in Aufruhr versetzt haben. Noch am selben Tag, an dem die Staatshilfe für die UBS präsentiert worden ist, schloss Kurer in einem Interview nicht aus, dass die UBS auch künftig zweistellige Millionen-Boni auszahlen wird. Diese Aussage brachte selbst Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf (52) in Rage, die es verpasst hatte, die Staatshilfe für die Grossbank mit einem Boni-Verbot zu verknüpfen. Inzwischen hat sich Kurer für seine Aussage entschuldigt.
Wie lange der Weg war, den die UBS-Chefs zurücklegen mussten, bis sie zur Einsicht gelangten, dass sie nach dem Debakel nicht einfach weitermachen können, als wäre nichts geschehen, zeigt eine interne Mitteilung von CEO Marcel Rohner, die SonntagsBlick exklusiv vorliegt. Noch bevor der Bundesrat am Donnerstag, 16. Oktober, die Öffentlichkeit über das Rettungspaket für die UBS informierte, schrieb Rohner um 7.19 Uhr in einem Mail an die Mitarbeiter: «UBS war nie in einer Situation, in der eine ‹Rettung› durch die Schweizer Regierung notwendig gewesen wäre.»
Bis vor kurzem hätte sich wohl kein Topbanker wissbegierigen Politikern ausgesetzt. Aber so ändern sich die Zeiten: Seit die UBS 68 Milliarden Franken Staatshilfe erhalten hat, ist das Interesse der Volksvertreter am Geschäftsgang der Grossbank legitim. Und Kurer hatte den Politikern nicht nur Erfreuliches zu berichten: Zwar stoppte die staatliche Milliarden-Hilfe den Geldabfluss der UBS im Ausland, in der Schweiz laufen der Grossbank die Kunden jedoch noch immer in Scharen davon. «Es ist uns in der Schweiz noch nicht gelungen, das Vertrauen in die UBS wieder zurückzugewinnen», bestätigt UBS-Sprecher Michael Willi gegenüber SonntagsBlick. Konkret beziffern, wie viele Schweizer Kunden in den letzten Wochen ihr UBS-Konto aufgehoben haben, will er allerdings nicht.
Um die anhaltende Vertrauenskrise auf dem Heimmarkt zu beenden, wollen Kurer und UBS-CEO Marcel Rohner (44) jetzt nicht nur das Bonus-System komplett überarbeiten, wie Kurer den WAK-Mitgliedern versprochen hat. Sie werden den Topmanagern der Bank für 2008 auch jegliche Boni-Zahlungen streichen – inklusive ihren eigenen.
Die UBS-Chefs reagieren damit auf den massiven Druck aus der Politik – und setzen ein symbolisches Zeichen, um ihre arroganten Auftritte zu korrigieren, die in der Woche nach der Verkündung des staatlichen UBS-Rettungspakets die Bevölkerung in Aufruhr versetzt haben. Noch am selben Tag, an dem die Staatshilfe für die UBS präsentiert worden ist, schloss Kurer in einem Interview nicht aus, dass die UBS auch künftig zweistellige Millionen-Boni auszahlen wird. Diese Aussage brachte selbst Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf (52) in Rage, die es verpasst hatte, die Staatshilfe für die Grossbank mit einem Boni-Verbot zu verknüpfen. Inzwischen hat sich Kurer für seine Aussage entschuldigt.
Wie lange der Weg war, den die UBS-Chefs zurücklegen mussten, bis sie zur Einsicht gelangten, dass sie nach dem Debakel nicht einfach weitermachen können, als wäre nichts geschehen, zeigt eine interne Mitteilung von CEO Marcel Rohner, die SonntagsBlick exklusiv vorliegt. Noch bevor der Bundesrat am Donnerstag, 16. Oktober, die Öffentlichkeit über das Rettungspaket für die UBS informierte, schrieb Rohner um 7.19 Uhr in einem Mail an die Mitarbeiter: «UBS war nie in einer Situation, in der eine ‹Rettung› durch die Schweizer Regierung notwendig gewesen wäre.»
Marktplatz
Finanzkrise
Blick.ch










