Börsenüberflieger Luzi von Bidder Das Rezept gegen die Krise

  • Publiziert: 03.01.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Guido Schätti

Die kleine Pharma-Firma Acino hat an der Börse alle Grossen abgehängt. Verwaltungsratspräsident Luzi von Bidder über sein Erfolgsrezept.

Eine Börsenperformance von 44 Prozent in einem der schwärzesten Jahre der Finanzgeschichte, ein Rekordgewinn im Visier und eine volle Firmenkasse: Acino-Präsident Luzi Andreas von Bidder (55) hätte allen Grund, sich als Visionär feiern zu lassen. Es war allerdings weder eine grosse Vision noch eine von langer Hand geplante Strategie, die Acino zum Überflieger machte. Es war pure Verzweiflung.

«Wir hatten zwei Geschäftsteile und keiner war überlebensfähig», sagt von Bidder über die Lage der Firma vor fünf Jahren. Damals hiess Acino noch Schweizerhall, handelte mit Chemikalien und hielt Beteiligungen an US-Biotech-Firmen. Das Filetstück der Gruppe, die Juwelier-Luxusmarke Boucheron, war an den Gucci-Konzern weitergereicht worden. «Wir hatten die Zukunft verkauft und die Vergangenheit behalten», so von Bidder heute.

Der frühere Novartis-Manager hätte Schweizerhall damals am liebsten an den Meistbietenden verscherbelt und mit dem Erlös die Aktionäre ausbezahlt. «Doch mit den Schweizer Steuergesetzen war das nicht möglich.» Zu viel hätten die Investoren dem Staat abliefern müssen. Also blieb nur die Flucht nach vorn. Von Bidder verkaufte die verbliebenen Geschäfte und steckte das Geld in zwei Generika-Firmen: Cimex in Liesberg BL und Novosis im deutschen Miesbach.

Die Schweizerhall-Nachfolgerin Acino sollte die Nummer drei für Nachahmerpillen werden. Doch das ging daneben: Die Firma war zu klein, um Mepha und Sandoz Paroli zu bieten. Von Bidder: «Wir sind kläglich gescheitert.»

Statt auf Endkunden konzentrierte sich Acino fortan auf die Belieferung anderer Generika-Hersteller mit Pillen, Pflaster und Implantaten. Von da an ging es aufwärts. Der grosse Coup gelang im vergangenen Sommer. Acino kopierte mit dem Blutverdünner Plavix das Medikament mit dem zweitgrössten Umsatz weltweit. Der französische Pharma-Multi und Patentinhaber Sanofi-Aventis zog mit einem Heer von Anwälten gegen Acino, unterlag aber vor Gericht. «Nun haben wir ein Jahr Vorsprung, bis ein Konkurrent so weit ist», sagt von Bidder.

Bereits denkt er über den Zukauf weiterer Firmen nach. «Wir haben zu viel Bargeld in der Kasse.» Im Visier hat er Nischenanbieter, die Acino technologisch weiterbringen. Dem Generika-Geschäft bleibt er aber treu: «Dieser Markt hat eine wunderbare Zukunft.» 

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