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Gestern vor dem Fabrikgebäude im aargauischen Menziken. Mustafa Uysal (40), verheiratet und Vater von drei Kindern, sagt: «Jetzt wird das Leben noch schwieriger.» Am Montag hat er erfahren: Seine Firma, die Alu Menziken Extrusion, streicht 70 Stellen.
Doch damit nicht genug. Wer bleiben darf, dem wird der Lohn um 10 Prozent gestrichen. Diese Sparmassnahme soll Anfang 2010 in Kraft treten. Betroffen vom Lohnschnitt werden 360 Mitarbeiter sein. Wer gehen muss und wer mit 10 Prozent tieferem Lohn weiterarbeiten kann, das wird jetzt noch ausgeknobelt.
Darf eine Firma den Lohn einfach so senken
Für die Gewerkschaften ist der Rundumschlag bei den Löhnen schon wieder ein Tabu-Bruch! Sie wollen auf die Barrikaden gehen. «Dagegen werden wir uns mit Händen und Füssen wehren», kündigt Unia-Sekretär René Lappert an. Denn: «Die Lohnkürzung würde die Angestellten hart treffen. Ein Arbeiter an der Werkbank verdient 4000, vielleicht 5000 Franken. Wenn davon 10 Prozent wegfallen, wird es sehr eng.»
Den Lohn einfach so senken – darf das eine Firma überhaupt? Ganz klar nein! Der Lohn steht im Arbeitsvertrag, und der ist natürlich verbindlich. Änderungen sind nur möglich, wenn die Angestellten einverstanden sind. Doch die Verantwortlichen von Alu Menziken machen es auf die harte Tour. Firmenchef Roland Gloor bestätigt gegenüber BLICK: «Wir wer-den allen betroffenen Mitarbeitern im September Änderungskündigungen zustellen.»
Arbeitgeber-Direktor glaubt an «Einzelfälle»
Der traditionsreiche Industriebetrieb Alu Menziken ist schon 112 Jahre halt, wurde aber 2007 von der Gründerfamilie Gautschi an den österreichischen Konzern Montana Tech Components verkauft.
Erst vor zwei Wochen hat die Firma Rieter aus Winterthur mit einer Lohn-Senkung geschockt. Nun schon der zweite Fall. Trotzdem glaubt Arbeitgeber-Direktor Thomas Daum weiterhin an «Einzelfälle»: «Es wird in den Schweizer Firmen nicht flächendeckend zu Lohnreduktionen kommen.»
Wut und Ärger sind gross
Daum bestreitet, dass die Arbeitgeber die Krise rücksichtslos ausnützen. «Das stimmt nicht. Jede Firma muss daran denken, dass sie wieder Leute braucht, wenn der Aufschwung kommt. Deshalb werden sie auch jetzt fair bleiben.» Die Gewerkschaften sehen das ganz anders. Ihre Wut und ihr Ärger sind gross. Morgen Donnerstag trifft man sich auf dem Firmengelände zu einer Betriebsversammlung, berät über Gegenmassnahmen. Schon jetzt ist klar: Man ist kampfbereit.
Unia-Mann Lappert: «Ein genereller Lohnverzicht von 10 Prozent für alle Angestellten ist eine Katastrophe.» Für ihn geht es auch um die politische Verantwortung. «Wenn das einmal durchgeht, werden weitere Firmen es auf diese Art versuchen. Deshalb: Wehret den Anfängen.»
Lapperts Kritik ist deutlich: «Ein solcher Entscheid ist überhaupt nicht nachvollziehbar.» Vor allem weil die Arbeitnehmerseite keinen Einblick in die Geschäftszahlen habe. «Deshalb wissen wir nicht, ob es der Firma wirklich so schlecht geht.»