UBS verliert wieder 56 Milliarden Kundengelder Fehlt Grübel jetzt das Schwarzgeld?

  • Publiziert: 09.02.2010, Aktualisiert: 14.01.2012
  • Von Daniel Meier

Endlich schwarze Zahlen. Aber kaum ist ein Problem weg, taucht ein neues auf. Oder ein altes.

Langsam hoffte man, die Wende sei geschafft. Die UBS endlich über dem Berg. Und jetzt das!

Der Abfluss von Kundengeld ist nicht gestoppt. Im Gegenteil, er hat sich wieder beschleunigt. Sogar fast verdoppelt! Allein von Oktober bis Dezember zogen Kunden im Vermögensverwaltungsgeschäft 33,2 Milliarden Franken ab (ohne USA). In den drei Monaten davor waren es 16,7 Milliarden. Insgesamt lösten sich im vierten Quartal 56,2 Milliarden in Luft auf.

Gigantisch. X-tausende Kunden haben der Bank den Rücken gekehrt. Ihr Erspartes abgehoben, das Konto aufgelöst. Geldabfluss 2008 und 2009: total 373,3 Milliarden Franken!

Kaum vorstellbar. Seit zwei Jahren jeden Tag eine halbe Milliarde. Auch am Wochenende. Will man eine halbe Milliarde aus der Schalterhalle tragen, braucht man dafür 45 Migros-Säcke. Jeder randvoll mit Bündeln von Tausendernoten. Und eben: tagein, tagaus seit Anfang 2008.

Zu Beginn der Krise waren es verärgerte Kunden. Sie kündigten ihr Konto aus Protest. Dann kam die Angst vor einem Bankrott: Man holte sein Geld, um es in Sicherheit zu bringen.

Doch wer ist es heute? Wer zieht jetzt noch Geld ab?

Die UBS selbst hat viele Erklärungen. Unter anderem haben erneut viele Banker die Firma verlassen – und gleich ihre Kunden samt deren Vermögen zur Konkurrenz gelockt.

Aber: Für mehr als die Hälfte der 2009 in der Vermögensverwaltung abgeflossenen 90 Milliarden hat die Bank keine klare Begründung parat. Sie nennt unter anderem den schlechten Ruf. Und: die «Sorgen wegen des Bankgeheimnisses».

Sind es also nervöse Steuersünder, die nun ihr Schwarzgeld bei der UBS holen – und ein besseres Versteck suchen?

Konzernchef Oswald Grübel spielt es herunter. Tut so, als ob ihn der Zerfall des Bankgeheimnisses nichts angehe. Gestern an der Medienkonferenz zum Jahresergebnis beteuerte er einmal mehr: «Wir sind davon weniger stark betroffen als andere Schweizer Banken

Dass zurzeit auch Schwarzgeld abfliesst, kann aber niemand bestreiten. Zum Teil gewollt: Viele reiche US-Steuersünder sind bereits aus der UBS-Kundenkartei verschwunden. Und mit ihnen über 6 Milliarden unversteuertes Geld.

Durch die Steueramnestie in Italien flossen 2009 weitere 22,8 Milliarden Franken ab. Schwarzgeld bis auf den letzten Rappen! Einen Grübel irritiert das nicht. Stattdessen freut er sich, dass über 60 Prozent der Summe danach wieder zur UBS zurückgebracht wurden – als reingewaschenes Weissgeld.

Fragt sich nur, wie viele schwarze Milliarden noch in den Tresoren liegen. Laut Analyst Peter Thorne von Helvea sind etwa 80 Prozent der sogenannten Offshore-Gelder aus Europa unversteuert. Bei der UBS wären das grob geschätzt etwa 225 Milliarden Franken!

Da ist also einiges zu holen. Doch Grübel bleibt dabei: Aus Deutschland, Italien, Frankreich und England stammten nur gut 100 Milliarden an Offshore-Geld. «Und davon verschwinden im schlimmsten Fall 50 Milliarden.»

Eigentlich will Grübel das Schwarzgeld loswerden. Aber wenn es in diesem Tempo weitergeht, fehlt es ihm dann doch!

Wegen des dramatischen Geldabflusses sackte die UBS-Aktie gestern über 5 Prozent ab. Da half es nichts, dass die Bank im vierten Quartal erstmals seit langem wieder einen Gewinn von 1,2 Milliarden gemacht hat.

play Oswald Grübel gestern in Zürich: «Wir sind weniger betroffen als andere Banken.» (Reuters)

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