Europa wird zum Schnäppchen

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Von Marcel Odermatt

Die Schweiz ist das Mekka der Low-Cost-Carrier: 45 Destinationen fliegen die Sparjets von hier aus an. SonntagsBlick zeigt, wie Sie das Land am günstigsten verlassen

Für 44 Franken von Zürich nach Berlin, für 23 Franken von Basel nach Amsterdam, für 11 Franken von Genf nach Paris? Billig-Airlines machen es möglich. Das Angebot wird ständig ausgebaut. Schon jetzt starten zwölf Low-Cost-Carrier aus der Schweiz – diesen Sommer nehmen sie Kurs auf 45 Destinationen (siehe Grafik). Vor fünf Jahren waren es nicht einmal ein Dutzend.

Das Geschäft floriert: 2006 beförderte Air Berlin 952 611 Passagiere ab und nach Zürich, fast 40 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. «Wir bewegen uns in der Schweiz in den ersten fünf Monaten bei einem Passagierplus von 30 Prozent», sagt auch Stefan
Gutknecht (44), Verkaufsleiter Schweiz des deutschen Marktführers Air Berlin.

Schon jeder zwölfte Fluggast, der heute in Zürich abreist, hat das Ticket einer Billig-Airline in der Tasche. In Genf fliegen 35 Prozent der Fluggäste low cost, in Basel-Mulhouse sogar mehr als die Hälfte: 53 Prozent.

Low-Cost-Carrier operieren zwar günstiger als Linienfluggesellschaften wie Swiss oder Lufthansa. So gibt es an Bord etwa weniger Personal, da praktisch kein Service angeboten wird. Die Bestuhlung ist enger, der Ticketverkauf läuft ausschliesslich über das Internet. Meist wird nur mit einem Flugzeugtyp geflogen, wodurch die Wartungs- und Sicherungscrew auch nur auf diesen Maschinen geschult werden muss.

Gratis fliegen aber auch die Billigflieger nicht. Experten rechnen mit 80 Euro (130 Franken) pro Stunde Flugzeit und Passagier. Mit Tickets zu 11 oder 44 Franken machen sie also keinen Gewinn. Entsprechend rar sind die Schnäppchenpreise. Wer wirklich billig abheben will, muss eine ganze Reihe von Punkten beachten (siehe Tipps).

Die grossen Airlines versuchen auf den Erfolg der Spargesellschaften zu reagieren. In Basel, wo Billig-Airlines am stärksten vertreten sind, bietet Swiss für zehn Destinationen Tickets zu 99 Franken an. Aber auch die Bahn macht Dampf. Seit dem 10. Juni verkehren ab Basel die neuen französischen Superschnellzüge TGV. Die Fahrzeit eines TGV nach Paris beträgt nur noch dreieinhalb Stunden. EasyJet bietet die Strecke deshalb seit gestern nicht mehr an. Auch da operieren die Billig-Airlines unkonventionell: Rentiert eine Strecke nicht oder bringt nicht die erwarteten Einnahmen, wird sie einfach gestrichen.

Wie komme ich zum günstigsten Ticket?

So früh wie möglich buchen Wer Reisezeiten flexibel planen kann, hat bessere Chancen auf ein Schnäppchen. Von Montag bis Donnerstag sind Tickets meist günstiger als
am Wochenende.

Wo muss ich aufpassen?

Wahl des Flughafens
Start- und Landeplätze von Billigfliegern liegen oft weit ausserhalb der Stadt – das kostet Zeit und Geld.

Nebenkosten
Steuern sowie Start- und Landegebühren sind in den Angeboten der Billig-Airlines oft nicht enthalten.

Was gilt es sonst noch zu beachten?

Nur das Nötigste mitnehmen
Billigflieger erlauben zum Teil weniger Freigepäck als herkömmliche Linienfluggesellschaften. Übergewicht kann teuer werden.

Früh am Flughafen sein
Wer nicht 30 Minuten vor Abflug eingecheckt hat, fliegt nicht mit – da kennen die Billig-Airlines kein Pardon!

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