EZB senkt Leitzins auf rekordtiefe 0,0 Prozent Folgt jetzt der nächste Frankenschock?

Die Europäische Zentralbank hat an ihrer heutigen Zinssitzung entschieden, den Leitzins auf ein neues Rekordtief von 0,00 Prozent zu senken. Der Markt wird neu mit 80 statt 60 Milliarden Euro monatlich geflutet. Was heisst das für uns Schweizer?

EZB senkt Leitzins erneut

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Mario Draghi (68), Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), ist entschlossen. Die EZB senken den rekordtiefen Leitzins auf 0,00 Prozent. Zudem erhöht er das monatliche Kaufprogramm zur Flutung des Marktes mit Geld von 60 Milliarden auf 80 Milliarden Euro. Dies schon ab April.

Zudem erhöht die EZB den Strafzins für Banken, die ihr Geld bei ihr horten, von minus 0,3 auf neu minus 0,4 Prozent.

BLICK hat mit Thomas Stucki (52), Devisenexperte der St. Galler Kantonalbank, darüber gesprochen, was das für die Schweiz bedeutet.

Herr Stucki, haben wir mit dem heutigen Entscheid der EZB den nächsten Frankenschock?

Nein, das glaube ich nicht. Der Franken ist nach dem Entscheid leicht stärker geworden, aber das Ausmass wird bescheiden sein. Der Entscheid der EZB entsprach nämlich den Erwartungen.

Knapp zwei Stunden nach dem EZB-Entscheid ist der Franken wieder im grünen Bereich und lag bei 1.0984 (+0.13%). play

Knapp zwei Stunden nach dem EZB-Entscheid ist der Franken wieder im grünen Bereich und lag bei 1.0984(+0.13%).

www.cash.ch

Warum öffnet Mario Draghi weiter die Geldschleusen?

Zwei Gründe: Erstens ist man in Europa mit den Inflationserwartungen nach wie vor nicht zufrieden. Momentan ist die Teuerung sogar negativ, das heisst, Geld wird aufgewertet. Ziel der EZB ist es jedoch, eine Inflation von zwei Prozent zu erreichen, also das Geld wieder abzuschwächen. Zweitens stockt die wirtschaftliche Entwicklung in Europa. Die Geldschwemme und damit die Schwächung des Euro soll die Wirtschaft, vor allem den Konsum, wieder beleben.

Ein Ende der Geldschwemme ist nicht in Sicht – im Gegenteil. Wie weit kann Draghi dieses Spiel noch treiben?

Das kann er eigentlich bis ins Unendliche. Sowohl in der Menge des Geldes wie auch in der Dauer des Programms. Draghi könnte sogar zusätzlich Aktien aufkaufen, um den Markt zu stützen. Die EZB ist politisch unabhängig. Das heisst, Draghi kann so lange mit der Geldschwemme weiter machen, wie er die Entscheidungsträger innerhalb der EZB davon überzeugen kann.

Wer könnte denn etwas gegen dieses sogenannte Quantitative Easing (Flutung des Marktes mit Geld) einwenden?

Die Deutsche Bundesbank zum Beispiel. Sie ist grundsätzlich von der Massnahme des Quantitative Easing zur Stützung des Marktes nicht überzeugt. Faktisch finanziert die EZB damit ja europäische Staaten. Damit ist die Deutsche Bundesbank nicht ganz glücklich.

Dr. Thomas Stucki, Chief Investment Officer der St. Galler Kantonalbank play

Dr. Thomas Stucki, Chief Investment Officer der St. Galler Kantonalbank

St. Galler KB

Die bisher getroffenen Massnahmen in Sachen QE sind ja schon seit über einem Jahr in Kraft. Haben sie bisher ihre Wirkung verfehlt?

Verfehlt haben sie ihre Wirkung nicht, aber der Effekt war zu schwach. Das Wachstum in Europa ist ja beispielsweise grösser als jenes der Schweiz. Doch vor allem in Sachen Inflationsrate hat das QE seine Wirkung noch zu wenig gezeigt. Die Dosis war offensichtlich zu schwach.

Wie wird die SNB nächste Woche auf den Entscheid der EZB reagieren?

Solange der Franken nicht markant teurer gegenüber dem Euro wird, wohl gar nicht. Ich spreche hier von einer Toleranzgrenze von 1.08 Franken pro Euro. Solange dieser Wert nicht deutlich unterschritten wird, stützt die SNB den Franken wohl mit Devisenkäufen. Erst wenn dieses Mittel nicht mehr ausreicht, um diese Marke zu halten, kommen Zinsanpassungen in Frage.

Kann man davon ausgehen, dass die SNB im Vorfeld des Zinsentscheids schon kräftig mit Devisenkäufen den Franken geschwächt hat?

Die Nationalbank hat in den letzten Monaten wahrscheinlich immer wieder etwas nachgeholfen. Genau weiss man das aber nicht

Was bedeutet der heutige Entscheid für Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten?

Solange der Euro nicht unter 1.08 Franken fällt, spürt das der Konsument nicht gross. Sollte die SNB jedoch die Strafzinsen für Banken, die ihr Geld bei ihr horten, doch noch erhöhen, dann würden auch Zinsen von Obligationen einbrechen. Pensionskassen etwa hätten es dann noch schwieriger, anständige Renditen zu erzielen.

Drohen dann Bankkunden Negativzinsen auf ihren Sparkonten?

Selbst wenn die SNB die Strafzinsen erhöhen sollte, glaube ich nicht, dass die Banken ihre Kunden damit belasten würden.

Ist die heutige Schwächung des Euros ein Problem für Unternehmen?

Auch für Unternehmen spielt die magische Grenze von 1.08 Franken pro Euro. Wird die deutlich unterschritten, dann stünden wir wieder vor derselben Situation wie bei der Aufhebung des Mindestkurses vor einem Jahr. Das heisst, Aufträge wären gefährdet und die Margen würden leiden.

Es sieht so aus, dass sich die SNB auf einen inoffiziellen Mindestkurs von 1.10 Franken eingeschossen hat. Täuscht der Eindruck?

Die Nationalbank versucht, den Franken zum Euro stabil zu halten. Von einem inoffiziellen Mindestkurs würde ich aber nicht sprechen

Publiziert am 10.03.2016 | Aktualisiert am 11.03.2016
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31 Kommentare
  • Ralf  Möller , via Facebook 11.03.2016
    Vor einem Jahr hat der Blick Putin kritisiert,denn Russland kaufte Unmengen von Gold bei zerfallenden Preisen. Jetzt steigt der Goldpreis in neue Höhen. Wo bleibt das Lob für Putin?
  • Antoine   Grande aus Bambous
    10.03.2016
    Bitte erinern Sie sich daran, woher Herr Draghi kommt. Er war seinerzeit Vizepräsident von GOLDMAN-SACHS in New York. Dann wurde er in die EZB abdelegiert. Wer weiss, wie Goldman - Sachs funktioniert, bzw. welche Ziele diese geldgeilen Haie verfolgen, weiss wo das global abgezockte Geld landet. Richtig: Bei den greisen Geldsäcken und ihren Familien, vornehmlich in den USA! Und die EU? Die lassen sich von Draghi und Goldman-Sachs am Gängelband verar.....
  • Bea  Gräub aus Aargau
    10.03.2016
    Dragi gehört zur alten Garde von der Goldmann-Sachs gruppe wie auch La Garde und viele mehr wo für die EU am "Arbeiten "sind.
  • Harry  Leimer , via Facebook 10.03.2016
    Ist die EU nicht schon am Ende? Fünfstellige Milliardenschulden, Null Wirtschaftswachstum ( ausser Deutschland), aber hohes Wachstum der Verwaltungskosten, Jugendarbeitslosigkeit bis zu fünfzig Prozent, Aushöhlung der nationalen Parlamente und Regierungen, bevorstehender Beitritt der Türkei, die sogenannten Werte werden nur noch über Geldwerte definiert.
  • Stefan  Meili 10.03.2016
    Ex-Goldman Sachs Draghi führt getreu die Agenda zur Ausplünderung der Europäer und Verschiebung des Kapitals zur Hochfinanz aus. Nicht das EZB-Gremium wird Einhalt gebieten, sondern der Zorn der betrogenen Bürger. Denn der Bürger bürgt immer! Gottseidank schnallen es die Betrogenen mehr und mehr. Passend dazu meldet sich unser Exilschweizer Hildebrand und posaunt ins selbe Abflussrohr.
    • Kunz  Rene 10.03.2016
      @Stefan Meili: Alle inclusive der EU Kommission sind doch Diener und Händler für das ultimative Ziel der Bilderberger Clan mit ihrem Neuen Weltordnung Komplott. Was sonst könnte es sein?