Soll der Wechselkurs stabilisiert werden? Euro-Rekordtief gefährdet 10'000 Schweizer Jobs

  • Aktualisiert am 03.01.2012
  • Von Marcel Speiser, Werner Vontobel

Der Franken hart wie Granit. Jetzt müsse die Nationalbank die Notbremse ziehen, fordert der Gewerkschaftsbund.

Freitag, 11.15 Uhr: Ein Euro kostet 1.4312 Franken. Er ist damit quasi gleich billig wie im Oktober 2008. Damals war er auf dem Allzeit-Tief von 1.4296 Franken.

Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SBG), ist alarmiert: «Der immer stärkere Franken verteuert unsere Exporte und gefährdet 10000 Jobs.»

Lampart versteht nicht, warum die Nationalbank die Interventionen am Devisenmarkt eingestellt hat. «Lange hat man an einem Kurs von 1.50 Franken pro Euro festgehalten», sagt er. «Wir fordern die SNB auf, dieses Kursziel wieder anzustreben. Allein schon eine entsprechende Ankündigung würde den Franken deutlich schwächen.»

SNB-Sprecher Werner Abegg winkt ab: «Die Nationalbank gibt kein Wechselkursziel bekannt.» Er verweist bloss auf die offizielle Formulierung, wonach sich die SNB «gegen eine übermässige Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro zur Wehr setzt.»

Dem SGB genügt das nicht: «Wenn die Nationalbank nichts tut, müssen wir eine Änderung des Nationalbankgesetzes ins Auge fassen», droht Lampart. Möglicher Inhalt: «Die Nationalbank stabilisiert den Wechselkurs.»

Würde die Schweiz damit nicht internationale Regeln verletzen? «Im Gegenteil», meint Lampart. Er verweist auf Oliver Blanchard, den Chefökonomen des Weltwährungsfonds IWF, der kürzlich die Einführung von Wechselkurszielen als probates Mittel zur Entschärfung von Finanzkrisen angeregt habe.

Insbesondere die Industrie leidet: «Der aktuelle Euro-Kurs ist eine bittere Pille», sagt Swissmem-Direktor Peter Dietrich. «Der starke Franken geht bei uns direkt auf die Marge: So wirds noch schwieriger, aus der Rezession zu kommen.»

Von einem Wechselkursziel will Dietrich dennoch nichts wissen. «Die SNB macht einen guten Job. Wir als Verband wollen aufgrund der langfristigen Nebenwirkungen von Interventionen vorläufig keinen Druck aufsetzen.» Er sagt aber auch: «Unsere Firmen sind für einen Wechselkurs von 1.50 Franken gerüstet. Alles was darunter ist, macht der Industrie das Leben schwer.»

10 Tipps, damit der starke Franken Freude macht

  • Bargeld bunkern Der einfachste Trick: Jetzt Euros kaufen. Irgendwann braucht man sie ja sowieso.Beim Städtetrip an Ostern oder in den Sommerferien an der Costa Brava.
  • Bankkonto eröffnen Wer Geld auf ein deutsches Bankkonto legt, bekommt mehr fürs Geld. Zins um die 2 Prozent sind keine Ausnahme. Bei uns muss man schon froh sein, wenns die Hälfte gibt. Kommt hinzu: Steigt der Eurokurs, profitiert man doppelt.
  • Ausflüge mit Kids Warum nicht wieder mal in den Europapark nach Rust (D)? Eine vierköpfige Familie spart beim aktuellen Kurs gegenüber letztem Dezember 8 Franken. Genau wie im Gardaland bei Castelnuovo (I)? Ebenfalls günstiger: Das Eurodisney bei Paris und das Spassbad Galaxy im bayerischen Erding (D).
  • Auto selber importieren Transport, Formulare, Verzollung sind aufwendig. Doch das Sparpotenzial ist enorm: 20 Prozent und mehr. Beim aktuellen Euro-Kurs ist es noch attraktiver.
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  • Ennet der Grenze ausgehen Wie wärs mit einem romantischen Dinner zu zweit am Bodensee? Zum Beispiel in Lindau (D) oder Bregenz (A). Oder mit einer Runde Black Jack in den Casinos von Konstanz (D) oder Campione (I)?
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Von Matthias Pfander

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