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Klaus Wellershoff (47), Ex-Chefökonom der UBS, besitzt ein Finanz-Beratungsunternehmen. (Marion Nitsch)
Rechnen Sie nach dem Euro-Einbruch des letzten Tages bald mit einer Euro-Franken-Parität? Klaus Wellershoff: Ich rechne eigentlich gar nicht mit einer Parität. Ich halte das für extrem unwahrscheinlich. Der Franken ist jetzt schon krass überbewertet. Er dürfte bald irgendwann den Boden finden.
Ist der Frankenwert noch real?
Wir sind in einer historischen Situation. Der Franken war noch nie so stark. Auffällig ist, dass die Überbewertung in den letzten Monaten nicht nur gegenüber dem Euro, sondern auch gegenüber dem Dollar, dem Pfund und gar dem Yen einsetzte. Im heutigen Frankenkurs drücken sich extreme Ängste und Sorgen aus – und eine grosse Hoffnung auf finanzielle Stabilität bei uns. Natürlich ist auch eine Reihe von Spekulanten im Spiel.
Welche Sofortmassnahmen drängen sich für Italien auf?
Das ist schwierig zu beantworten, weil jetzt der Anstoss für die Besorgnis aus der Politik heraus kommt. Die plötzliche Verteuerung der italienischen Staatsanleihen ist eine Reaktion auf die Äusserungen deutscher Politiker zu Italiens Budget, das sie als wenig solide bezeichneten.
Was verhindert eine Zuspitzung?
Was als Einziges hilft, ist, wenn Italien kurzfristig mit Sofortmassnahmen zeigt, dass es seinen Haushalt weiter saniert. Da haben die Deutschen etwas angestossen. Doch die Schuldensituation Italiens ist nicht vergleichbar mit jener Griechenlands.
Ist die Ansteckung eines Euro-Riesen, sprich Italien oder Spanien, überhaupt wahrscheinlich?
Das Sparen scheint ein ansteckender Virus zu sein. Denn alle Europäer sind dabei, die fiskalischen Defizite ins Lot zu bringen. Das ist ja positiv. Ansonsten erwarte ich keine andere Ansteckung. Bevor die Finanzmärkte eine Überschuldung der grossen EU-Staaten ins Visier nehmen, kommen die USA dran.
Welches sind die valablen Wege gegen die Frankenstärke – ?
Es gibt nur einen Weg, den keiner will: Wir müssen die Übertreibung der Märkte aussitzen. Ein Staatsfonds ist ein Chabis. Das wäre viel zu teuer. Das führte zu Staatsschulden wie in Europa. Man muss sich bewusst sein, dass eine Franken-Abschwächung einen extrem hohen Preis hätte.
Erwarten Sie vom bald erhofften Abschluss des zweiten Rettungspakets für Griechenland eine Entspannung für den Franken?
Ich glaube nicht, dass das EURettungspaket den Druck auf den Franken entlasten kann. Die Frankenstärke ist nicht nur ein EU-Problem. Wir haben ein weltweites Vertrauensproblem in Staatsfinanzen, auch in den Dollar und in den Yen.
Was bedeutet ein Italien-Absturz für die Schweiz?
Italien ist ein lösbares Problem. Hingegen keine Lösung haben wir für die Verschuldung in Amerika, da gibt es nicht einmal einen Plan für die Sanierung des Staatshaushaltes. Wenn der Euro sich erholt, dann wird uns als nächstes der Dollar beschäftigen. Es ist zum Kotzen.