Swiss-Chef Hohmeister: «Es gibt keine Preiserhöhung!»

  • Publiziert: 24.04.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Interview: Iso Ambühl

Swiss-CEO Harry Hohmeister braucht keinen Vulkanzuschlag. Aber auf Hilfe vom Staat will er nicht ganz verzichten.

Herr Hohmeister, wegen des Vulkanflugverbots strich die Swiss über 1800 Flüge. Gibt es noch gestrandete Passagiere, die irgendwo ausharren müssen?
Harry Hohmeister:
Ich bin sehr erleichtert, dass es nur noch vereinzelt Passagiere gibt, die noch nicht an ihrer Zieldestination angekommen sind.

Wie gross ist das Loch in der Swiss-Kasse?
Wir haben Ticketeinnahmen in der Grössenordnung von 50 Millionen Franken verloren. Um unseren Schaden auszurechnen, müssen wir zum Beispiel auch Kosten abziehen, die etwa beim Flugbenzin nicht anfielen. Dazu kommen erhöhte Aufwendungen für die Betreuung der Passagiere. Der Schaden ist beträchtlich und wird eine mittelgrosse zweistellige Millionenzahl erreichen.

Fordern Sie Staatshilfe?
Nein. Dafür müsste unsere Airline finanziell am Ende sein. Die Situation belastet uns aber sehr. Wir stecken diesen Schaden nicht einfach weg. Ich setze darauf, dass uns die Gesellschaft bei der Schadensbegrenzung für dieses Naturereignis unterstützt. Das ist eine Frage der Fairness: Die Gesellschaft ist an einem funktionierenden Flugverkehr interessiert.

Welche Lösung streben Sie an?
Das kann zum Beispiel eine europäische Lösung sein, die noch diskutiert werden muss. In der Schweiz wollen wir gleich wie andere Branchen behandelt werden. So erhält die Baubranche zum Beispiel bei schlechtem Wetter einen Ausgleich als Kurzarbeitsentschädigung. Dies wäre für uns im Fall eines Vulkanausbruchs ebenfalls denkbar. Wir führen dazu Gespräche mit dem Seco.

Wann rechnen Sie mit einem Entscheid in dieser Frage?
Die Gespräche sind erst angelaufen.

Muss die Swiss wegen des Verlusts die Ticketpreise erhöhen?
Nein. Wir sehen derzeit keine Erhöhung der Ticketpreise vor. Es kommt kein Vulkanzuschlag. Wir wollen auch keinen Abbau im Streckennetz vornehmen.

Die Angst von Passagieren, irgendwo zu stranden, ist gross. Zählen Sie weniger Buchungen?
Die Buchungen und Passagiere kommen zurück. Die Interkontinentalflugzeuge sind bereits wieder zu 80 Prozent belegt. Der Europaverkehr wird nächste Woche auch wieder zulegen: Derzeit sind die Sitze dort im Durchschnitt noch zu 55 Prozent belegt.

Beeinträchtigt die Vulkanasche die Flugzeuge überhaupt?
In der Tat haben die Luftbehörden die jüngsten Entscheide zumeist lediglich auf Computermodelle abgestützt. Objektive, klare Resultate fehlen. Wir brauchen für künftige Vulkanausbrüche jetzt dringend eine Objektivierung der Entscheidungen – also mehr Daten und Erfahrungen. Dazu wollen wir beitragen. Wir haben jedoch innerhalb der Wartungsprogramme unserer Flotte bisher keinen einzigen Fall festgestellt, bei dem die Vulkanasche Triebwerke der Flugzeuge beeinträchtigt hätte. Weiter muss geklärt werden, inwieweit und bei welcher Konzentration in der Luft die Asche für die Flugzeuge gefährlich ist.

play Froh Swiss-CEO Harry Hohmeister (46) freut sich, dass wieder mehr gebucht wird. (Toini Lindroos)

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