Staatsekretär Ambühl zum Steuerstreit Es gibt keine Nachverhandlungen mit Deutschland!

Michael Ambühl schliesst Nachverhandlungen zum Steuerabkommen mit Deutschland aus. Im Interview mit SonntagsBlick macht der Staatssekretär klar: Wenn die Deutschen ablehnen, bleibt halt alles, wie es ist.

  • Publiziert: 23.09.2012
  • Von Peter Hossli und Roman Seiler

Einen Plan B für das Scheitern des Abkommens mit Deutschland hat Ambühl nicht. «Fällt das Abkommen durch, bleibt der Status quo», sagt Ambühl zu SonntagsBlick.

Die Deutschen können dann mittels Amtshilfe ein paar hundert Fälle erhalten. Ab und zu kaufen sie wohl eine Daten-CD. Sie haben dann «Gerechtigkeit» nach Zufallsprinzip.»


Ambühl wünscht sich mehr Unterstützung in der Schweiz. «Bei Verhandlungen wäre es gut, mehr innenpolitische Unterstützung zu haben», sagt er. «Kommt Kritik von aussen, bricht bei uns der Konsens auseinander. In anderen Ländern schliessen sich jeweils die Reihen.»


Deutsche Steuersünder würden durch das Abkommen nicht bevorzugt, sagt Ambühl. «Das Abkommen begünstigt Steuerhinterziehung nicht. Es war unser Anspruch, eine pauschale Regelung zu finden, die einer möglichst gerechten Besteuerung nahekommt.» Zudem: «In den meisten Fällen ist die anonyme Nachbesteuerung teurer als eine Selbstanzeige.»


Es würden «sehr wenige» deutsche Bankkunden mit ihrem Abkommen aus der Schweiz abschleichen, sagt Ambühl zu SonntagsBlick. «Für viele deutsche Steuersünder ist das Abkommen eine ideale Gelegenheit, ihr Geld zu regularisieren und gegen einen hohen, aber angemessenen Preis mit sich und dem Fiskus ins Reine zu kommen.» Zudem hinterliessen Abschleicher Spuren. «Die Chance, entdeckt zu werden, steigt durchs Abschleichen.»


Die Grossbanken sagen Ambühl, dass Geld von Singapur in die Schweiz fliesse. «Gemäss UBS und Credit Suisse ziehen deutsche Kunden aus Singapur weg beziehungsweise bringen Vermögen von dort in die Schweiz», sagt Ambühl.


Ambühl gibt an, nicht zu wissen, wie viele CDs deutsche Steuerfahnder gekauft haben. Das deutsche Finanzministerum sagte unlängst, es hätte keine Angaben über jüngste CD-Käufe. «Das entspricht unserem Kenntnisstand», sagt Ambühl.


Ambühl äussert sich im SonntagsBlick-Interview auch zur 104-Millionen-Dollar-Belohnung für den Ex-UBS-Banker Bradley Birkenfeld. «Die Höhe der Entschädigung ist unverschämt», sagt er. «Es zeigt einer breiteren Öffentlichkeit, dass die Rechtskonzeptionen hüben und drüben anders sind. Vor diesem Hintergrund ist es nicht so einfach, eine Lösung zu finden.» Die Amerikaner würden Sie Anreize für Vorgehen schaffen, «die wir nicht lauter finden».


Er hält eine globale Lösung im Steuerstreit mit den USA nach wie vor für «denkbar». Möglich sei «eine pauschale Bezahlung für nicht genauer analysiertes, mögliches Fehlverhalten. Dann gibt es für alle diese Banken ein sogenanntes «Closing Agreement». Das Dossier wäre dann geschlossen.»

Lesen Sie das ausführliche Interview mit Staatssekretär Ambühl in der gedruckten Ausgabe des SonntagsBlicks.

Beliebteste Kommentare

  •   Werner Weber , Luzern
    Bravo Herr Ambühl, solche Politiker würde ich mir wünschen. Klare Aussagen mit Linie.
  • Othmar  Schmid , via Facebook
    Hoffentlich lehnen dies unseren nördlichen Nachbaren ab, das wäre das beste was uns passieren kann !!

Alle Kommentare (12)

  • Christian  Dürig , Bern
    Die Schweiz wird auf der Schwarzen Liste landen. Was dann ???
    • 23.09.2012
    • 4
    • 7
  • Roland  Rutishauser , via Facebook
    "...nicht mehr verhandelt !" Wers glaubt wird seelig! EWS wird schon bestimmt einknicken! Wetten?
    • 23.09.2012
    • 44
    • 9
  • Edwin  Schaltegger , via Facebook
    Bravo, Bravo Hr, Ambühl. Ein Diplomat redet endlich Klartext. Dies erwartet das Schweizer Volk schon lange von unseren Exekutivpolitikerninnen in Bundes-Bern. Ich denke der Verhandlungsspielraum in diesem Steuerabkommen ist ausgereizt!
    Die US-Steuerbehörden welche Kriminelle mit 100 Mio.$ vergolden identifiziert sich selbst mit kriminellen Machenschaften. Eine solche Wildwest "Kopfgeld"-Mentalität sendet verheerende Signale für Nachahmungstäter in allen Geschäftsbereichen aus.

    • 23.09.2012
    • 47
    • 5
  • Rudolf  Elmer
    Ich bin überzeugt, dass Herr Ambühl die Realität falsch einschätzt. Tatsache ist, dass bereits mit dem Zinsabkommen vor ca 15 Jahren die Schweiz Europa mit einem "Bubentrickli" über den Tisch gezogen haben. Das wird mit der Abgeltungssteuer nicht gehen. Im Gegenteil die OECD, USA, Indien, Deutschland etc werden z.B. mit FACTA, Kriminalisierung von Schweizer Banker auf Ihren Territorien usw. den Finanzplatz Schweiz massiv unter Druck setzen, um einzig das versteckte Kapital ihrer Bürger/innen wieder zu repatrieren damit in der eigenen Industrie investiert werden kann. Die Not ist gross im Ausland, die angewandten Methoden werden von der Not gesteuert!!! Da wird noch vieles kommen sollte kein Abkommen zustande kommen! Ein bisschen Weitsicht würde da helfen, der Streit Flughafen Kloten ist ein gutes Bespiel, um zu zeigen, dass langwierige Verhandlungen nicht zum Vorteil der Schweiz auslaufen.
    • Christine  Sprenger , Winterthur
      Wer das glaubt wird seelig!! Das Geld geht in den USA in die Börse und nicht in die Industrie, was übrigens dringend notwendig wäre. Und in Deutschland werden dann noch mehr "Superprojekte" von den Landesvätern fianziert mit gravierenden Folgen für die Steuerzahlen Nürnburgring, Elbsymphonie und der Grossflughafen in Berlin/Brandburg lassen grüssen. Die Gesamtkosten gehen in die Miliarden!
      • 23.09.2012
      • als Kommentar auf Rudolf  Elmer
      • 14
      • 2
  • Wolfram  Baur , Winterthur
    Es wurde schon viel gesagt und dementiert aus dem Hause Widmer-Schlumpf und ihrem politischen Umfeld. Am nächsten Tag oder in der nächsten Woche drehte der Wind um 180° und alle Beteuerungen von gestern waren kalter Kaffee und toter Buchstabe. Wer will diesem Integrantenverein überhaupt noch ein Wort glauben? Das politische Vertrauen ist verspielt.
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