Verwaltungsrat Bruno Gehrig nimmt die UBS-Chefs in die Pflicht «Es braucht mehr Eigenkapital»

  • Publiziert: 05.10.2008, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Roman Seiler

Die Schweiz müsse froh sein, wenn die Wirtschaft 2009 überhaupt wachse. Das sagt Bruno Gehrig im Gespräch mit SonntagsBlick nach seiner Wahl in den UBS-Verwaltungsrat.

Bruno Gehrig (61) ist der neue Hoffnungsträger im UBS-Verwaltungsrat. Und er redet gleich Klartext, wenn er eine Erhöhung des Eigenkapitals für die Grossbanken fordert.

Der bodenständige Ökonom führte in den letzten fünf Jahren als Verwaltungsratspräsident den Versicherungskonzern Swiss Life zusammen mit CEO Rolf Dörig (51) erfolgreich aus einer tiefen Krise. Nun sei er glücklich, wieder ins Bankwesen zurückzukehren, sagte Bruno Gehrig nach seiner Wahl vom vergangenen Donnerstag. «Ich hoffe, dass ich im UBS-Verwaltungsrat dazu beitragen kann, dass die Grossbank wieder das verdient, was sie früher stets hatte: das Vertrauen der Kunden. Das ist unser höchstes Ziel.»

Über eine Erhöhung des Eigenkapitals der Grossbanken: «Es braucht mehr Eigenkapital. Das ist unvermeidlich. Grossbanken, Eidgenössische Bankenkommission und Nationalbank werden miteinander diskutieren und eine vernünftige Lösung finden. Es braucht eine Austarierung der Interessen, auch mit den ausländischen Regulatoren.»

Gehrig über die Finanzkrise: «Am schwierigsten ist, dass die Banken sich gegenseitig misstrauen. Der nächste Schritt muss daher sein, den Interbankenmarkt wieder zum Laufen zu bringen. Das ist momentan das Wichtigste.»

Über das US-Rettungspaket: «Die UBS und auch die CS werden davon profitieren, weil die US-Märkte wieder liquid werden.»

Über ein Engagement von Bundesrat und Parlament wegen der Finanzkrise: Dazu schweigt sich Gehrig aus. Positiv beurteilt der frühere Direktor der Nationalbank (SNB) hingegen die Aktivitäten der Schweizer Notenbank: «Solange die Interbankenbeziehungen nicht funktionieren, ist es unerlässlich, dass die SNB Liquiditätshilfen gewährt. Dabei besteht auch keine grosse Gefahr, die Inflation anzuheizen. Kurzfristig ausgeliehene Gelder werden wieder zurückgezogen.»

Über die Konjunktur: «Ich weiss nicht, ob die Wirtschaft während zweier Quartale schrumpfen wird. Aber wir müssen froh sein, wenn das Wachstum im nächsten Jahr über null sein wird.»

Über die Kreditverknappung bei den KMU: «Das ist nicht das grosse Problem. UBS-Verwaltungsratspräsident Peter Kurer hat festgestellt, dass die Kredite an die schweizerischen KMU weiterhin gut funktionieren. Das wird ein zentrales Anliegen des Verwaltungsrats sein – auch von mir.»

Über ein Konjunktur-Ankurbelungsprogramm: «Das ist nicht nötig. Wichtig ist, dass die Zentralbank ihre Rolle als Liquiditätsversorger des Bankensystems grosszügig spielt.» 



Persönlich

Bruno Gehrig (61) arbeitete in den Achtzigerjahren als Chefökonom und Leiter Börse und Wertschriftenverkauf für die Bankgesellschaft. Diese fusionierte 1998 mit dem Bankverein zur UBS. 1996 wurde Gehrig ins Direktorium der Nationalbank berufen. Seit 2003 ist er unter anderem Präsident der Swiss Life. Dieses Amt wird er im nächsten Mai abtreten. 2005 erlitt er einen Schlaganfall, von dem er sich aber erholen konnte. 
play Bruno Gehrig (61). (Keystone)

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