Erst aufblähen, dann feuern bei der SBB Hire and Meyer

SBB-Chef Andreas Meyer inszeniert sich als knallharten Sparer. Doch vor der Massenkündigung blähte er die Lohnsumme der Bahn selber auf.

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Banker-Legende Oswald Grübel (73) über Trump «Nehmen Sie nichts für bare...
2 Lehrlinge zeigen ihren Arbeitsalltag Coop startet Snapchat-Offensive
3 Trauriger Rekord Caritas-Märkte für Arme boomen

Wirtschaft

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
22 shares
18 Kommentare
Fehler
Melden

Die SBB sind zum Sparen verdammt. Ihre Fahrgäste sind nicht mehr bereit, jedes Jahr teurere Billette zu berappen. Bund und Kantone tragen die Differenz zwischen Billetteinnahmen und tatsächlichen Kosten, drängen aber schon lange auf mehr Effizienz. Nun posi­tionieren sich auch noch deutsche Fernbus-Unternehmen als preiswerte Konkurrenz der Bahn.

Am Donnerstag ging SBB-CEO Andreas Meyer (55) deshalb in die Offensive und verkündete das Programm «Railfit», dem jetzt 1400 Stellen zum Opfer fallen. Erarbeitet wurde es von der als brutal bekannten US-Wirtschaftsprüfungsgesellschaft McKinsey. Manager Meyer markiert den Sparer, der im Interesse der Kunden handelt. Dank Railfit könnten die Billettpreise langfristig sogar sinken, liess er verlauten. Ein perfekt inszenierter Auftritt auf allen Kanälen.

Und ein irreführendes Manöver: Nach Meyers Amtsantritt vor bald zehn Jahren ist die Zahl der SBB-Mitarbeiter bedeutend gestiegen. 5600 Mitarbeiter mehr als 2007 hat die Bahn heute – 32'200 sind es nun insgesamt. Meyers Vorgänger Benedikt Weibel (69) hatte die SBB vom Staatsbetrieb zur Aktiengesellschaft umgebaut und den Stellenetat massiv reduziert – unter Meyer stieg die Lohnsumme wieder an.

Mehrere unabhängige Quellen aus SBB-Kreisen bestätigen: Die Verwaltung wurde massiv ausgebaut. «Meyer traut niemandem. Deshalb hat er Kontrollstellen und Reportings installiert, wo es keine braucht», sagt ein Ex-Mitarbeiter. Die Konzernstruktur wurde mit unproduktiven Stellen massiv aufgebläht, sagt ein anderer. «Jetzt muss McKinsey Meyers Fehler wieder ausbügeln.»

Meyer wäre nicht Meyer, hätte er sich nicht auf alle kritischen Fragen vorbereitet. Am Donnerstag zählte er auf, wo die neuen Stellen entstanden seien: unter anderem bei den Lehrlingen. 2300 Ausbildungsplätze wurden unter Meyer geschaffen, teilen die SBB mit. Seit 2014 zählen die Lehrlinge zum SBB-Personalbestand.

Doch ein Blick auf die Vergleichszahlen zeigt: 2015 waren 1488 Lehrlinge beschäftigt. Zehn Jahre zuvor waren es 1133. Demnach wurden seit 2005 also rund 355 neue Lehrstellen geschaffen. Das ist zwar löblich, doch wie in aller Welt kommen die SBB auf die Zahl von 2300 zusätzlichen Lehrlingen? «Seit 2007 ist der Personalbestand bei den Lehrlingen um insgesamt 2300 gestiegen. Bei dieser Zahl handelt sich um die Summe», räumt ein Sprecher auf Anfrage von SonntagsBlick ein. 1488 Lehrlinge sei die absolute Zahl, so der Sprecher. Weiter wolle man nicht ins Detail gehen; weshalb eine missverständliche Zahl kommuniziert wurde, bleibt im Dunkeln. Sicher ist nur: Die SBB-Information über 2300 Lehrlinge war höchst verwirrlich. Und sie stellt die Situation positiver dar, als sie ist.

Das passt zu Meyers Auftritt, der generalstabsmässig geplant wurde. Es kann kein Zufall sein, dass der SBB-Chef gestern Abend im «Samschtig-Jass» vor SRF-Kameras Volksnähe beweisen durfte. Schliesslich wurde die Sendung schon vor einem Monat aufgezeichnet. Und bereits vor einem Jahr teilte Meyer öffentlich mit, dass es zum Abbau von rund 900 Stellen kommen würde.

Als daraus diese Woche plötzlich 1400 Stellen wurden, war niemand mehr überrascht. Dass Meyer damit vor allem Fett abschneidet, das die SBB unter seiner Führung angesetzt hatte, ging völlig unter. Hire and fire? Hire and Meyer!

Publiziert am 25.09.2016 | Aktualisiert am 30.09.2016
teilen
teilen
22 shares
18 Kommentare
Fehler
Melden

18 Kommentare
  • Thomas  Degen 26.09.2016
    Wieviel würde man sparen, wenn man McKinsey nicht engagiert hätte? Diese Leute kosten ein Vermögen. Meist müssen sie sich monatelang in einen Betrieb einarbeiten und das zu horrenden Tagessätzen. Dann ziehen sie ihre Standard Power-Points aus der Schublade, die kurz angepasst werden und immer mit dem gleichen Resultat enden: Leute entlassen! Die Eigenschaft aller Unternehmensberater: Sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit.
  • Urs  Schaad aus Zürich
    26.09.2016
    Liebe Freude des vergünstigten Bahnfahrens: Bei der Bahn wird jeder Arbeitsplatz mit Fr. 100000 vom Steuerzahler, mehrheitlich Autofahrer, subventioniert. Wenn eine Firma subventioniert werden muss, selbst wenn diese unter Vollast fährt, dann hat dies drei Gründe:

    - Ineffizient, zu viel Personal, schlecht organisiert
    - Zu billig, der Kunde zahlt für die Leistung zu wenig
    - Das Geschäftsmodell ist unbrauchbar.

    Als Bahnfahrer sollte Sie über Punkte 1 und 2 mal gründlich nachdenken.
  • Hans-Jürg  Läser aus Wichtrach
    26.09.2016
    Tragisch, was die SBB abläst, neue Prunkbauten in Wankdorf-City, überhöhte Gagen in den Chefetagen, es wäre an der Zeit, dass die Chefs bei sich anfangen zu sparen.
    es dürfen auch mal Köpfe fallen, den für Fehlentscheide, die immer wieder produziert werden, braucht es keine überbezahlte Chefs, das können auch Menschen mit kleineren Salären.
  • Ernst  Dittmar aus Adliswil
    25.09.2016
    Mc Kinsey ist sofort zu kündigen und Meyer auch. Mc Kinsey hat schon so viele Firmen und Menschenleben ruiniert. Das wollen wir den SBB ersparen! Wir brauchen eine starke und pünktliche Bahn mit genügend Kapazität und einem Kundenservice, der diesen Namen verdient. Auch die Leiterin des Verkehrsdepartements, die diesem schlimmen Treiben einfach zusieht, möchten wir durch einen fähigen Eisenbähnler ersetzt wissen. Die Akademiker richten mit ihren Theroien die Schweiz noch zu Grunde. Weg damit!
  • Alain  Dodane , via Facebook 25.09.2016
    Meyer ist einfach nur ein gieriger Selbstdarsteller! Anstatt, dass er selber mal einen Rappen spart entlässt er Leute.
    Und das in einem Betrieb, der vom Steuerzahler subventioniert ist. Menschen wie Meyer machen mich Krank!