10'000 Jobs weg? UBS-Chef «persönlich enttäuscht» über «Leute in der Bank» Ermotti gehen die Nerven durch

In einem Mail weist der UBS-Chef seine Angestellten zurecht. Ein Zeichen der Verzweiflung?

  • Publiziert: 15.10.2012
  • Von Philipp Albrecht
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Seit einem Jahr ist Sergio Ermotti an der Spitze der grössten Schweizer Bank. Jetzt kämpft er um das Vertrauen seiner eigenen Leute.

(Matthias Willi)
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Bankenprofessor Hans Geiger.

(Keystone)

Was ist bloss in UBS-Chef Sergio Ermotti gefahren? Am Samstagnachmittag schreibt er seinen 63'500 Angestellten ein zorniges Mail. Der Auslöser ist ein gleichentags erschienener Ar­tikel im «Tages-Anzeiger» mit Spekulationen über den bevorstehenden Abbau von bis zu 10'000 Stellen bei der Grossbank. Ermotti wendet sich an seine «lieben Kolleginnen und Kollegen», schreibt, er sei «persönlich enttäuscht, weil es Leute in der Bank gibt, die unverantwortlich oder lediglich in ihrem eigenen Interesse handeln, indem sie zu diesen Spekulationen beitragen» (siehe Auszug).

Dem UBS-Chef gehen die Nerven durch. Dass er seine Angestellten so anschnauzt, überrascht die Experten. Hans Geiger, emeritierter Bankenprofessor und ehemaliges Konzernleitungsmitglied der CS, sagt zu BLICK: «Ich weiss nicht, was das Mail soll. Ermotti ist wahrscheinlich ein bisschen einsam an der UBS-Spitze.» Die Unternehmenskultur in der Grossbank sei ernsthaft gestört. Mit einem Mail lasse sich das nicht beseitigen, meint Geiger.

Dass interne Dokumente an die Presse weitergeleitet werden, ist nicht neu. Aber seit die Grossbanken Mitarbeiterdaten an die USA ausliefern, gehört es zum Alltag. Darüber dürften sich Chefs von Grossbanken nicht wundern, bekräftigt Geiger: «Die Banken haben ihre Angestellten verraten. Das Vertrauensverhältnis ist dahin.»

Dazu komme der krasse Kulturwandel, der in den letzten Jahren die Bankenwelt erschütterte. Früher hätten sich Bankangestellte mit ihrem Arbeitgeber identifiziert. «Inzwischen wurde die Loyalität zerstört», sagt Geiger. «Nur noch der Lohn steht im Zentrum.»

«Grübel war halt ein ganz anderes Kaliber»

Ist Ermottis Mail ein Zeichen dafür, dass der UBS-Chef längst ums eigene Überleben kämpft? Die «SonntagsZeitung» will von einem «offenen Machtkampf» wissen. In der Geschäftsleitung habe der schlecht vernetzte Tessiner vor allem Schweiz-Chef Lukas Gähwiler und Vermögensverwaltungs-Chef Jürg Zeltner gegen sich. Sie wollen offenbar ihre Bereiche schützen und die schmerzhaften Sparübungen ausschliesslich beim Investmentbanking durchsetzen.

Auch mit dem neuen UBS-Präsidenten Axel Weber soll Ermotti nicht besonders gut zurechtkommen.

«Weber kam in der Annahme, Oswald Grübel leite das Tagesgeschäft», sagt Geiger. «Grübel war halt ein ganz anderes Kaliber.» Ermotti war erst seit einem Jahr bei der UBS, als er Grübels Nachfolger wurde. Darum fehlt ihm laut Geiger die persönliche Verankerung in der Basis. Diese sei wichtig, um die Grossbank in schwierigen Zeiten zu führen.

Derzeit dreht sich alles um die Frage, wie viele Stellen die UBS streicht. Dass es einen Aderlass gibt, ist klar: Bei der Präsentation der Jahreszahlen im Februar kündigte die UBS den Abbau von 3500 Stellen bis Ende 2013 an. Ermotti damals: «Falls sich die Märkte wesentlich verschlechtern, wird die UBS aus­serdem weitere Massnahmen ergreifen, um die Kostenbasis zu verkleinern.»

Genau das ist nun eingetroffen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird bei der Präsentation der Quartalszahlen am 30. Oktober eine weitere Sparrunde inklusive Stellenabbau angekündigt.

Schuld sind vor allem sinkende Margen bei den Finanzdienstleistungen und der Druck der Politik, die von den Grossbanken mehr Eigenkapital verlangt. Das geht vorläufig nur mit Einsparungen. Laut «Tages-Anzeiger» wird vor allem im IT-Bereich eingespart – gegen 1000 Stellen seien dort alleine in der Schweiz gefährdet.

Ermotti bekräftigt in seinem Mail, dass noch keine Entscheidungen gefällt wurden, und fügt hinzu: «In der Zwischenzeit bitte ich Sie, sich nicht von den Artikeln und Nachrichten in den Medien ablenken zu lassen.»

Kommts zu einem Kahlschlag bei der UBS?»

Beliebteste Kommentare

  • Sacha  Sehringer , Aarau , via Facebook
    Was ist so schlimm an diesem E-Mail? Diese Wortwahl ist mir tausendmal lieber als wenn man ständig diplomatisch angelogen wird, wie es ja in der Geschäftswelt üblich ist. Es ist ausserdem kein Geheimnis, das sich viele Angestellte nur für den Lohn am Ende des Monats interessieren und ausser zur Zierde und für Intrigen für nichts taugen. Spekulationen und Stammtischgepolter gibts übrigens in jeder Firma also kann das Mail so daneben nicht sein...
  • Fritz  Bergdorfer
    Jahrelang Milliardengewinne, und wenns mal ein zwei Jahre knapp wird, werden Mitarbeiter entlassen, die zu den hohen gewinnen beigetragen haben. Wo sind die Gewinne? Und warum glauben die Manager in den Banken, es sei richtig, Leute zu entlassen nur damit genug Geld da ist um ihren eigenen Millionen Boni zu erhalten? Für mich sind diese Personen einfach nur krank und im Höchstmasse asozial. Pfui

Alle Kommentare (26)

  • R.  Meier
    UBS-Chef Sergio Ermotti soll sich jetzt nicht so aufregen klaren kuehlen Kopf behalten und sich mit seinen besten Leuten beraten.
    Es sind schwierige Zeiten in denen man vielleicht die Zielsetzungen nicht zu hoch schraueben sollte.Wenn Sie veraergert sind gehen Sie etwas joggen um den Frust raus zu rennen.Gehen Sie mal vermehrt durch die Abteilungen.Und wer weiss vielleicht kommen Ihnen ein paar geniale Ideen.
    • 15.10.2012
    • 16
    • 1
  • Gabriele  Schumacher , Seuzach , via Facebook
    warum wird nicht im Investbanking eingespart, ich denke da wird am meisten verdient und wurde auch am meisten Geld *verzockt* sollen doch Die entlassen werden ...warum im IT Berreich?
    • 15.10.2012
    • 39
    • 3
  • Dan  Werker
    Die Quittung mag zwar die UBS bekommen, doch die Rechnung bezahlen werden die Steuerzahler und Arbeitnehmer. Die Steuerausfälle und Entlassungen, nicht nur im Finanzsektor sondern auch bei Betrieben welche von den Aufträgen des Finanzsektors leben, werden ein Ausmass annehmen, das wir uns wohl kaum vorstellen können. Die Schadenfreude über den Niedergang des schweizer Finanzplatzes dürfte noch so manchen, die denken sie seien von dieser Entwicklung nicht betroffen, im Halse stecken bleiben.
    • 15.10.2012
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  • Hansjörg  Cartier , via Facebook
    Banken und Bankangestellte, verdienen es nicht mehr, sich so zu nennen! Sie sind zu Bookmaker der 70er und 80er der englischen Geschellschaft geworden. Ihnen wird nichts anderes überigbleiben all diese Geschäfte als solche auszugliedern und sich wieder dem Kerngeschäft zu widmen. Und dabei sich auf all die Werte der einstigen Bänker zurückbesinnen. Da hat es aber für einen grossen Teil des Personals leider keinen Platz mehr denn Ihre Pers-dossies Stimmen schon lange nicht mehr für dieses Business
  • Prisca  Dousse
    Angestellte der UBS,egal ob einfacher Mitarbeiter oder Kader,sie reiben sich verwundert die Augen.Viele Jahre wurden sie ALLE verwöhnt,mit hohen Löhnen,Vergütungen aller Art und ..und.Jetzt wird alles ein bisschen reduziert und schon wird gejammert,auf höchstem Niveau.Es ist wirklich Zeit,dass der oberste Chef seine Schäfchen in der Realität willkommen heisst.
    • marius  weber
      ich habe in der ubs gearbeitet. im wertschriftensektor sowie in der it. dabei habe ich nie mehr als 6000.- verdient. vergünstigungen gabs in form einer kantinenverpflegung und einmal im jahr durften wir 10 ubs-aktien zum halben preis erwerben. die meisten der betroffenen sind genau leute in dieser lohnklasse. die realität haben sie gar nie verlassen.
      • 15.10.2012
      • als Kommentar auf Prisca  Dousse
      • 24
      • 3
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