Erdbeben erschüttert US-Finanz-Landschaft

  • Aktualisiert am 19.01.2012

NEW YORK – Dreifacher Paukenschlag übers Wochenende: Die Investmentbank Lehman Brothers steht vor der Pleite, Merill Lynch wird verkauft und die einst weltgrösste Versicherung AIG taumelt.

Die Angst geht um vor neuen weltweiten Schockwellen an der Börse: Denn um die Finanzwelt der USA stehts so schlimm, dass die Banken jetzt sogar einen Milliarden-Fonds zur Selbsthilfe gründen (siehe Box).

Lehman Brothers pleite

Lehman Brothers musste vergangene Woche im Zuge der Immobilienkrise einen Verlust von 3,9 Milliarden Dollar im dritten Quartal bekannt geben. Die Aktie der Investmentbank verlor darauf bis Freitag mehr als drei Viertel ihres Werts.

Verschiedene Banken und die Zentralbank haben am Wochenende über eine Rettung der ins Schlingern geratenen Investmentbank beraten. Doch die Verhandlungen scheiterten. Heute kündigte Lehman Brothers an, sie werde Gläubigerschutz beantragen, um ihre Vermögenswerte zu schützen.

Die verzweifelten Rettungsbemühungen für Lehman Brothers scheiterten letztlich daran, dass die US-Regierung in anderen Fällen geleistete Staatshilfen ausschloss und die Branche nicht bereit war, die milliardenschweren Risiken zu übernehmen.

Merill Lynch wird verkauft

Die ebenfalls schwer angeschlagene Bank Merrill Lynch hingegen fand Rettung bei der Bank of America. Zusammen würden beide Banken «das führende Finanzinstitut der Welt» bilden, erklärte Merrill-Lynch-Chef John Thain.

Die Bank of America lässt sich Merrill Lynch, die drittgrösste Investment-Bank der USA, rund 50 Milliarden Dollar kosten. Bezahlen will sie den Preis allerdings in Aktien.

Die Bank of America gehört zu den führenden US-Banken. Merrill Lynch war zuletzt wegen Milliardenverlusten und einem drastischen Kursverfall immer stärker unter Druck geraten.

Erst vor sechs Monaten hatte die Investmentbank Bear Stearns wegen der Kreditkrise ihrem Zwangsverkauf an den Finanzkonzern J.P. Morgan Chase zustimmen müssen. Damit gibt es jetzt mit Goldman Sachs und Morgan Stanley nur noch zwei unabhängige Investmentbanken an der Wall Street statt wie vor einem halben Jahr noch fünf.

Versicherer AIG taumelt

Auch der einst grösste Versicherungskonzern der Welt, die American International Group (AIG), muss Konzernteile verkaufen. Denn er braucht dringend frisches Kapital. Zudem soll AIG die US-Notenbank Fed um einen Überbrückungskredit über 40 Milliarden Dollar gebeten haben. (SDA/noo)

Selbsthilfe der Banken

Zehn internationale Grossbanken wollen einen Nothilfefonds zur gegenseitigen Unterstützung in Höhe von 70 Milliarden Dollar aufbauen. Neben den Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse beteiligen sich die Bank of America, die Deutsche Bank, Barclays, Morgan Stanley, Citibank, Goldman Sachs, JPMorgan und Merrill Lynch daran.
Schlechte Nachrichten: Heute Morgen wurden am Eingang einer Lehman-Brothers-Filiale in London Flyer an die Mitarbeiter verteilt.- Reuters

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