Er brachte Bio in die Migros Jörg Blunschi auf dem Sprung zum Chef

Die Migros wählt im März ihren neuen Präsidenten. Favorit ist Jörg Blunschi (54).

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Wenn der grösste Detailhändler der Schweiz einen neuen Chef bekommt, ist das ein Politikum – in diesem Fall bereits seit drei Jahren. Für 2017 kündigte Herbert Bolliger (63) Präsident des Migros Genossenschaftsbunds (MGB), seinen Rücktritt an. Seither wird spekuliert.

Recherchen zeigen nun: Jörg Blunschi (55), Chef der Migros Zürich, hat beste Aussichten, in Bolligers Fussstapfen zu treten. Blunschi gilt seit längerem als Top-Favorit. Fragt man ihn selbst, will er davon aber nichts wissen. Zum Wirtschaftsmagazin «Bilanz» sagte Blunschi noch letztes Jahr: «Ich will nicht Nachfolger von Herbert Bolliger werden. Dazu braucht man politisches Flair.» Es handelte sich wohl um politisch geschicktes Taktieren.

Ein gut vernetzter Migros-Insider sagt zu SonntagsBlick: «Blunschi wird Nachfolger von Bolliger. Ich habe es jetzt aus fünf verschiedenen Ecken aus der Migros gehört.»

Auch Indizien sprechen dafür, dass der Baselbieter Kronfavorit ist: Blunschi nahm neben Noch-Chef Bolliger an der Podiumsdiskussion des Migros-Nachhaltigkeitsgipfels im vergangenen September teil. Bei dem Prestigeanlass war auch Bundesrätin Doris Leuthard zugegen. «Eine geschickte Positionierung. So wird er schon mal allen gezeigt», spekulieren Informanten aus dem Konzern. Bei der Migros Zürich will man sich zu der Personalie nicht äussern.

Der Präsident muss von innen kommen

Innerhalb des orangen Riesen gilt ein ungeschriebenes Gesetz: Der Präsident muss von innen kommen. Noch-Chef Bolliger ist da keine Ausnahme: Er fing in den 80er-Jahren im Controlling an, war später Vizedirektor in Bern und leitete dann die grösste Migros-Genossenschaft.

Auch Blunschi kennt den dezent­ralisierten Konzern bestens. Bevor er die Migros Zürich übernahm, arbeitete er bereits in Basel für den Grossverteiler und plante, Filialen im grenznahen Ausland zu eröffnen. Dass er damit scheiterte, hat seiner Karriere nicht geschadet. Als sein härtester Konkurrent wird zwar immer wieder Personal- und Kulturchef Fabrice Zumbrunnen (46) genannt. Doch dessen Leistungsausweis ist deutlich bescheidener als jener des Migros-Zürich-Chefs.

Als Blunschi den deutschen Bio-Supermarkt Alnatura in die Schweiz brachte, erwischte er seinen grossen Konkurrenten auf dem linken Fuss: Biopionier Coop war drauf und dran, die Migros im Biogeschäft abzuhängen. Mittlerweile ist Alnatura fester Bestandteil des Sortiments und unterstützt die Migros bei der Bio-Aufholjagd.

Der grösste Coup des Alnatura-Burschen Blunschi aber ging an den Schweizer Konsumenten vorbei. 2013 übernahm Migros Zürich die angeschlagene deutsche Supermarktkette Tegut. Mit rund 270 Filialen ist sie zwar ein Leichtgewicht gegenüber Konkurrenten wie Aldi oder Edeka, aber ein gewaltiges Risiko. Wie viel Migros Zürich für die Übernahme bezahlt hat, wurde nie bekannt.

Seit drei Jahren versucht Blunschi nun, Tegut fit zu trimmen. Gut möglich, dass er dies schon bald einem Nachfolger überlässt. Dann nämlich, wenn er im Herbst tatsächlich die Nachfolge von Herbert Bolliger antritt.

Migros-Vater Duttweiler RDB

Die Erben von Migros-Vater Duttweiler

1962–1976 Rudolf Suter

1976–1984 Pierre Arnold

1984–1992 Jules Kyburz

1992–1997 Eugen Hunziker

1997–2001 Peter Everts

2001–2005 Anton Scherrer

2005–2017 Herbert Bolliger

ab 2017: Jörg Blunschi?

Publiziert am 01.01.2017 | Aktualisiert am 01.01.2017
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9 Kommentare
  • Hans  Derkanns 01.01.2017
    Alnatura ist importiertes Billig-Bio aus Deutschland! Und das soll eine ernsthafte Konkurrenz zum Schweizer Coop Naturaplan sein? Ein schlechter Witz zum Jahresanfang ;) Coop ist mit Schweizer Bio nach wie vor ungeschlagen an der Spitze - zum Glück :)
    • Pius  Tschirky aus Wittenbach
      01.01.2017
      Bin nicht gegen Coop, aber diese Fleischersatzprodukte sind ganz sicher überteuert. Im Gegensatz zu den Alnatura Produkten kann man es geradezu als Abzockerei betrachten.
  • Peter  Saluz aus Bern
    01.01.2017
    EIn Armutszeugnis dass es ein Interner sein muss. Sauhäfeli, Saudeckeli. CH-Filz wie immer. Warum nicht einfach den oder DIE Beste nehmen??
  • Pius  Tschirky aus Wittenbach
    01.01.2017
    Migros hat in dieser Hinsicht ein einmaliges System. Habe schon mehrmals beobachet, dass Niederlassungleiter (auch in grösseren Filealen) selber Hand anlegen müssen, wenn der Arbeitsanfall gross ist. Sie sind somit sehr nahe an Ihren Angestellten und wissen, wo die Probleme sind! Kann davon in einer öffentlich-rechtlichen Firma nur einfach träumen!
  • Fabi  Ekler aus Wollerau
    01.01.2017
    Toll, einer der das ganze Made in Germamy Alnatura in die Schweiz brachte wird Chef. Dann wird bald gar nichts mehr aus der Schweiz sein in der Migros. Gar nicht gut.
  • Annemarie   Setz 01.01.2017
    Dies ist sicher ein guter und engagierter Präsident, der die Migros von der Pike auf kennt und das Wort Umweltfreundlich ernst nimmt. Für Migros gelte das ungeschriebene Gesetz, der Chef müsse von innen kommen. Wäre nachahmenswert für gewisse Banken, zum Beispiel die CS.