Eklat bei Vekselberg Oligarch kehrt bei Renova mit eisernem Besen

Der Russe Viktor Vekselberg hat ein Problem, und zwar in der Schweiz. Er löst es auf russische Art.

Der russische Investor Viktor Vekselberg play
Viktor Vekselberg nimmt das Heft wieder in die eigene Hand bei Renova. Alessandro Della Bella

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Bei seinen Beteiligungen langte der russische Oligarch und Milliardär Viktor Vekselberg (58) bislang gewaltig daneben. Die «Bilanz» listet ihn unter den Hauptverlierern des Jahres 2015 auf. In zwölf Monaten hat der russische ­Oligarch Viktor Vekselberg, so schätzt das Wirtschaftsmagazin, etwa drei Milliarden Franken verloren.

In der Schweiz ist die Renova Management AG Vekselbergs Zentrale für Investments wie in Sulzer, Schmolz+Bickenbach, OC Oerlikon oder Züblin.  In dieser Beteiligungsgesellschaft bedient Vekselberg die Schalthebel seines Reichs. In den Spitzen seiner Firmen postiert er loyale Freunde. Ein Ex-Mitarbeiter Vekselbergs sagte vor wenigen Wochen zu BLICK: «Hätte er andere Leute in seinem Umfeld, sähen die Resultate in der Schweiz besser aus.»

Vekselberg platzte Kragen

Genau hier greift Vekselberg jetzt durch, wie die Sonntagspresse berichtet. Für den Industriekonzern Sulzer hat Vekselberg als dessen Mehrheitsaktionär laut der «NZZ am Sonntag» seine Pläne geändert. Ein Sprecher von Vekselbergs Renova-Holding schloss einen Verkauf von Sulzer oder eine Fusion nicht explizit aus. Zudem droht am Sulzer-Sitz in Winterthur ein weiterer Stellenabbau. 

Der neue Chef Grégoire Poux-Guillaume (46) fühlt sich offenbar nicht an ein Versprechen seines Vorgängers gebunden. Dieser hatte vor Jahresfrist eine Arbeitsplatzgarantie für den Standort abgegeben. Poux sagt zur «NZZ am Sonntag», von dieser Garantie wisse er nichts. «Wir werden weitere Stellen streichen, das kann auch die Schweiz treffen.» Zuletzt hatte Sulzer im August angekündigt, 410 Jobs im Ausland abzubauen.

Renova-Chef entmachtet, Finanz-Chef abgesetzt

Im Verwaltungsrat der Zürcher Renova schart schart Vekselberg Prominente wie Josef Ackermann (67) oder Ex-Siemens-Chef Peter Löscher (58) um sich. Oder besser scharte? Bei Renova entzieht Vekselberg zudem wichtigen Top-Managern offenbar das Vertrauen.

Wie die «Schweiz am Sonntag» unter Berufung auf zwei unabhängige Quelle berichtet, hat er den CEO Löscher entmachtet und den Finanzchef, den Rechtsdienstchef sowie den Kommunikationschef abgesetzt. «Wir haben eine russische Machtdemonstration erlebt, eine Art Sowjet-Takeover», sagt ein Insider gegenüber der Zeitung.

Zwar dürfe Löscher jetzt bei Renova den Titel des «Vice Chairman» tragen, aber er habe seine operative Verantwortung verloren, heisst es.

Zuletzt verteidigte Renova-Chef noch Vekselberg

Noch Mitte Januar 2016 verteidigte Löscher seinen russischen Chef. Löscher wehrte sich in der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» (FAS) gegen Kritik an Vekselberg. «Ohne ihn als Ankeraktionär und Kapitalgeber würde es Schweizer Traditionsunternehmen wie Sulzer oder Oerlikon so nicht mehr geben», sagte Löscher der deutschen Zeitung.

Löscher versorgt die Zeitung mit reiner PR für seinen russischen Chef. Negatives in Vekselbergs Leben, wie zum Beispiel Ärger mit der Justiz, erklärt sich Löscher mit etwaigen «falschen Ratgebern». Löscher zeigte sich ausserordentlich positiv gestimmt. «Wir werden Sulzer zu neuer Grösse führen», auch wenn man dies eine Fusion mit einem Wettbewerber bedeute, kündigte Löscher in der FAS.

Vekselbergs Solarfirma soll 212-Mio-Klage am Hals haben

Ungemach droht laut der «SonntagsZeitung» zudem der Schweizer Gas- und Energiegesellschaft Avelar Energy Group, die zur Renova-Gruppe gehört. Die norwegische Energiefirma EAM Solar habe in Italien und Luxemburg rechtliche Schritte gegen Avelar eingeleitet. Es gehe um mutmassliche Unregelmässigkeiten bei einem Solarkraftwerk-Geschäft. Die Rede ist von einer 212-Millionen-Euro-Klage.

Diese Nachrichten verheissen nichts Gutes. Die «Finanz und Wirtschaft» titelte kürzlich: «Victor ist im Sowjet-Denken gefangen.» Es sei für Nichtrussen schwierig, sein Vertrauen zu gewinnen, er denke völlig hierarchisch und dulde keinen Widerspruch. Ein Vertrauter von Vekselberg sagt nun zur «Schweiz am Sonntag»: «Bis vor wenigen Jahren hat er sich mehr und mehr geöffnet, jetzt aber ist er in alte Muster zurückgefallen.» (uro/vgr)

Publiziert am 28.02.2016 | Aktualisiert am 28.02.2016
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3 Kommentare
  • William  Quispe aus Bellinzona
    29.02.2016
    Jeder Konzern ist selbst schuld, der sich an Ausländer verhökert. Aber die Altaktionäre können mit den Aktien ja machen was sie wollen. Wer bei einer solchen Firma arbeitet weiss ja was ihm früher oder später blüht. Also nur kein falsches Mitleid. Es gibt genügend andere Arbeitgeber, die nicht nur Abzockergilde gehören.
  • Friedrich  Wöllhaf , via Facebook 28.02.2016
    wie die oligarchen zum geld gekommen sind , können wir alle nur erahnen, mal gewonnen mal verloren, mit denen müssen wir und dürfen wir kein mitleid haben, ich jedenfalls nicht, wir alle jubeln dennen zu, oder ich habe auch gejubelt, aber im moment nein, die einen sagen diebe, die anderen sagen???? jeder kann sich selber ausrechnen ?
    • P.  Bruno 29.02.2016
      Oligarchen sind durch Öl zu ihrem Geld gekommen. Darum nennen wir sie Oligarchen :-) Im Falle von Vekselberg war es allerdings zuerst Aluminium. Wie alle russischen "Oligarchen" waren sie zur rechten Zeit am rechten Ort, als Gorbachev die Wirtschaft für private Investoren öffnete. Wer da die richtigen Beziehungen hatte,.... Er hat dann aber vieles richtig gemacht, hat in Öl investiert, richtige Allianzen geschlossen usw. Zujubeln? Nein. Respekt? Hatte Glück.
      Hat aber vieles richtig gemacht.