Ein Jahr Pleiten, Pech und Pannen Der Swisspass schält sich

Vor einem Jahr wurde der Swisspass flächendeckend eingeführt. Eigentlich soll das Kärtli fünf Jahre halten. Doch bei manchen Exemplaren löst sich die Folie – nicht das einzige Problem des Pannen-Passes.

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 Die Folie löst sich vom Pannen-Pass. Philippe Rossier

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Das Datum war aus Marketingsicht perfekt gewählt. Zum Nationalfeiertag am 1. August vor einem Jahr lancierten die SBB flächendeckend den SwissPass – den «Pass für die Schweiz». Das neue «intelligente» Plastikkärtli löste die blauen GA- und Halbtax-Abonnements ab. Argumentiert wurde auch mit den Kosten: Die alten, blauen Karten wurden jährlich ersetzt. Der neue Pass aber soll eine Lebensdauer von fünf Jahren haben. Die Abos erneuern sich auf dem Chip im Innern des Passes.

Doch das Alter von fünf Jahren werden viele Swisspässe gar nicht erleben, wie Nachforschungen von SonntagsBlick jetzt zeigen. Bei zahlreichen Karten löst sich die durchsichtige Schutzfolie vom Plastik. Der SwissPass häutet sich. Und das, obwohl die meisten Pässe noch nicht einmal ein Jahr alt sind.

«Wir haben vereinzelt Rückmeldungen erhalten, dass sich am SwissPass ein Teil der Overlay-Folie löst», bestätigt SBB-Sprecherin Franziska Frey. Mit der Kartenproduktionsfirma sei man daran, «die Ursache zu eruieren und eine Lösung zu erarbeiten». Laut Frey beeinträchtige die abgelöste Folie die Funktion des Passes nicht. Wer betroffen ist, kann sich seinen Pass an einem SBB-Schalter ersetzen lassen. «Selbstverständlich gratis.»

Es ist nur ein weiteres Malheur im Pannen-Palmarès des SBB-Passes. Schon vor seiner Lancierungen vor einem Jahr sorgte das rote Kärtli für rote Köpfe. Denn der SwissPass speicherte die Daten seiner Träger. Jedes Mal wenn ein Kondukteur das Kärtli scannte, wurde dies registriert. Nach massiver Kritik von Datenschützern – unter anderem vom Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten Jean-Philippe Walter – gaben die SBB zerknirscht auf. Im März wurde die Datenbank mit den Informationen gelöscht.

SBB ziehen in einem Monat Bilanz

Und obwohl das neue Kärtli technologischen Fortschritt markieren soll, sorgte es für zahlreiche praktische Probleme. So ist es aktuell nicht möglich, zwei Abos wie ein Halbtax und ein Gleis 7 auf dem SwissPass zu vereinen – notabene ging das mit den alten, blauen Kärtli problemlos. Wer die beiden Abos kombiniert löst, bekommt heute zwei Kärtli: Eines SwissPass fürs Halbtax und ein Gleis 7 im altbekannten Format.

Laut Experten und SBB-Insidern ist das ein weiteres klares Zeichen, dass der SwissPass verfrüht und unausgereift auf den Markt kam.
Ob man in Zukunft die beiden Abonnements wieder auf einem Kärtli vereinen kann, liessen die SBB auf Anfrage offen. Klar ist, dass der SwissPass zu seinem ersten ­Geburtstag mit einer ganzen Palette von Problemen konfrontiert ist, die gelöst werden müssen. Am 26. August wollen die SBB an einer Me­dienkonferenz dann selber ­Bilanz ziehen zu einem Jahr SwissPass.

Publiziert am 31.07.2016 | Aktualisiert am 18.01.2017
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13 Kommentare
  • Ernst  Dittmar aus Adliswil
    06.09.2016
    In Zermatt werden Bergbahnbillette auf den Swisspass geladen. Kauft man dann noch ein zusätzliches Billett, wird das auf den Swisspass geladen und die vorher gekauften und bezahlten, noch gültigen Strecken automatisch gelöscht. Der Kunde muss dann noch ein zweites Mal bezahlen. Ein Gespräch mit Schalterbeamten lassen keinen Zweifel offen: Das Management weiss, was da genau abläuft und die Weisungen, keine Kulanz anzuwenden, sind klar und eindeutig. Es wird bewusst uns systematisch betrogen.
  • Peter  Schneider 31.07.2016
    Wird wohl von der gleichen Firma hergestellt wie der Führerausweis des Kantons Bern. Der schält sich auch und zwar samt den ganzen gedruckten Daten. Als ich dies beim Strassenverkehrsamt reklamierte, sagte man mir, das ich den Führerausweis einsenden soll und er mir dann gratis ersetzt werde. Darauf habe ich trotzdem eine Rechnung von Fr. 45.- erhalten. Musste reklamieren worauf storniert wurde.
  • rolf  sulzer 31.07.2016
    Das ist die brannte Behördenansicht, rgend etwas herstellen zu lassen oder einzukaufen, ungenügend und laienhaft auf Qualität prüfen, damit man das untaugliche Produkt wieder aus dem Verkehr ziehen muss und nochmal evaluieren, und dann einem anderen Lieferanten den Zuschlag geben, wie nennt man das so schön, Lobbying oder Vetternwirtschaft. Hauptsache das dafür vorgegebene Budget wird überschritten um einen Nachtragskredit zu beantragen und nochmehr CHF in den Sand zu stecken.
  • Beni  Mühlebach aus Frauenfeld
    31.07.2016
    Mit einer Säuberung der SBB-Führung könnte m.E. schon viel gespart werden.
  • Ernst  Fischer aus Baltenswil
    31.07.2016
    Man sollte die ganze Angelegenheit mit dieser Karte nochmals eingehend überprüfen. Auch sollte der Name und das Gültigkeitsdatum aufgedruckt sein.