Im neuen Superhandy Nexus One schlägt ein Schweizer Herz. Zentrale Programme stammen aus Winterthur ZH.
Klarere Farben auf dem Bildschirm, mehr Rechenpower, bessere Kamera: In Tests läuft das vor zwei Wochen lancierte Smartphone Nexus One des Suchmaschinen-Giganten Google dem iPhone von Apple bereits den Rang ab.
Was kaum jemand weiss: Im Wundergerät, das E-Mails nach Diktat selber schreiben kann, steckt eine geballte Ladung Schweizer Technologie. Das Winterthurer Software-Unternehmen Noser Engineering hat die Kernbibliothek für das Betriebssystem Android entwickelt. «Wenn Android ein Auto wäre», erklärt Noser-Geschäftsführer Daniel Brüngger (43), «dann hätte Google den Motor und das Chassis gebaut und wir das Getriebe geliefert.»
17 unterschiedliche Android-Handys sind heute auf dem Markt. Nexus One ist das bekannteste, weitere stammen von HTC, Motorola, Samsung und bald auch Sony Ericsson. Die Schweizer Software sorgt dafür, dass die Anwendungsprogramme auf allen Geräten stabil und sicher laufen. 20000 solcher «Apps» sind für Android-Handys bereits erhältlich, vom simplen Telefonieren und Surfen im Internet bis zu komplizierteren Anwendungen wie Distanzmessern fürs Jogging oder Musikerkennungsprogrammen.
Das Unternehmen von FDP-Nationalrat Ruedi Noser (48) sicherte sich den Google-Auftrag vor knapp drei Jahren. Apple hatte damals das erste iPhone auf den Markt gebracht, Google stand unter Zeitdruck, was auch die Partner zu spüren bekamen. «Die Zusammenarbeit verlangte uns viel ab, war aber grossartig», sagt Noser. Was ihn besonders freute: «Unsere Ingenieure konnten problemlos mit jenen von Google mithalten.»
Vom Auftrag der Kalifornier profitiert das Unternehmen noch heute. Denn Android lässt sich auch für ganz andere Bereiche nutzen. Für einen grossen deutschen Autohersteller tüftelt Nosers Team derzeit an der Software für einen Bordcomputer auf Android-Basis. Im Auto den Videorecorder zu Hause starten oder das offene Dachfenster bei einem Gewitter per Handy schliessen? «Technisch ist das kein Problem», sagt Brüngger.
Kein Wunder, zeigen auch Hersteller von medizinischen Geräten und Gebäudeleittechniker Interesse. Die Tage der grauen Einzeilen-Displays auf technischen Geräten sind gezählt. Bald werden uns überall farbige Touchscreens mit Android-Steuerung entgegenleuchten. «Tabletcomputer fürs Mediencenter im Wohnzimmer stehen als Protoypen bereits im Einsatz», sagt Brüngger. In Zukunft werden wir auch den Latte macchiato mit einer Android-gesteuerten Kaffeemaschine brauen.
Noser will die Chancen nutzen. «Wir sind ein typisches Beispiel für ein hochspezialisiertes Schweizer Unternehmen, das den Weltmarkt nicht zu fürchten hat», so der Patron. Nur mit hiesigen Arbeitskräften kommt sein Unternehmen aber nicht über die Runden. Für den Google-Auftrag musste Noser innert kürzester Zeit ein Team mit 25 Spezialisten auf die Beine stellen, ein grosser Teil davon kam aus dem Ausland. Ohne die Personenfreizügigkeit wäre das nicht möglich gewesen. «Eine Kündigung des Abkommens mit der EU wäre fatal», warnt Noser.