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1. Klasse fahren mit Zweitklassbillett – das kostet eigentlich 80 Franken Busse. (SBB)
Brugg AG, letzten Sonntag, kurz nach 18 Uhr. Ein sportlicher junger Mann mit Rucksack besteigt die S12 nach Zürich. Er lässt sich auf einem weichen Sitz der 1. Klasse nieder – mit einem Zweitklassbillett, wie sich herausstellen wird. Noch vor Wettingen erwischt ihn eine Kontrolleurin. «Eigentlich müssten Sie nun 80 Franken Zuschlag bezahlen», sagt die Kontrolleurin. Eigentlich. Sie lässt ihn ungeschoren ins Zweitklassabteil wechseln. Was Fragen aufwirft:
Sind die Kontrolleure milde geworden? Herrscht nun völlige Willkür? Kommt es auf die Augenfarbe der Graufahrer an? Oder gibt es eine neue Bussenpolitik der SBB? Schliesslich entschied das Bundesamt für Verkehr vor zwei Monaten, dass Graufahrer nicht gleich hoch gebüsst werden dürfen wie Schwarzfahrer (BLICK berichtete).
«Dieser Entscheid ist noch nicht rechtskräftig. Wir haben Rekurs eingelegt», sagt SBB-Sprecher Roland Binz. «Deshalb gibt es keine neue Bussenpolitik. Ob Graufahrer mit Zweitklassticket, ob Schwarzfahrer ohne jegliches Billett – beide müssen einen Zuschlag von 80 Franken bezahlen, wenn sie in der 1. Klasse ertappt werden», so Binz.
Daran halten sich aber längst nicht alle Kontrolleure. Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz hat das kürzlich selber erlebt. In einem Zug, in dem sie reiste, wurde eine Graufahrerin gebüsst, in einem anderen hingegen nicht.
Verwirrung total. Stalder: «Zurzeit herrscht Rechtsunsicherheit. Auch weil man in einigen Zügen Billetts nachkaufen kann, in anderen nicht. Es braucht aber klare Regeln: Entweder soll man in allen Zügen Billetts kaufen können oder in keinen. Dann wissen die Zugspassagiere, woran sie sind.»
Billett-Glück oder Pech im Zug. Haben Sie das auch schon erlebt? Und was halten Sie von der Bussenpolitik der SBB?