Branchenverband schlägt Alarm: Der Schweiz fehlen 30'000 Informatiker

BERN - Der Bedarf an Informatikspezialisten ist riesig. Kann die Schweiz die Lücke nicht füllen, stehen unzählige Branchen vor grossen Problemen.

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Tarn-Taxen So tricksen Uber-Fahrer
2 Swiss-CEO Thomas Klühr (53) «Pünktlichkeit können wir bei der SBB lernen»
3 BLICK hat verglichen Mit diesen Kundenkarten punkten Sie am meisten

Wirtschaft

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
0 shares
32 Kommentare
Fehler
Melden

Schweizer Firmen suchen händeringend nach Computerspezialisten. Nun warnt der Branchenverband: Werden keine Massnahmen ergriffen, haben sie in Zukunft noch mehr Mühe, solche Stellen zu besetzen – und zwar nicht nur Unternehmen der Informationsund Kommunikationstechnologie (ICT), sondern die gesamte Wirtschaft.

Die Diskussion ist politisch brisant: Es geht auch darum, wie die vom Volk angenommene SVP-Einwanderungsinitiative umgesetzt werden soll.

Lage schlimmer, als gedacht

Die neuste Prognose des Berufsverbands ICT-Berufsbildung Schweiz liegt SonntagsBlick exklusiv vor. Demnach fehlen in der Schweiz bis zum Jahr 2022 rund 30'000 Fachkräfte in der Zukunftsbranche ICT.

Bei der letzten Prognose ging man bis 2020 noch von einem Bedarf von 25'000 Fachleuten aus.

Dabei wird schon heute viel unternommen: Seit 1999 hat die Wirtschaft über 1600 neue Lehrstellen im ICT-Bereich geschaffen. Auch Universitäten und Fachhochschulen bilden heute mehr solches Fachpersonal aus.

Bedarf stark gestiegen

Doch das reicht bei weitem nicht. Andreas Kaelin (52), Präsident der ICT-Berufsbildung Schweiz: «Zwar ergreifen heute viel mehr Junge einen Informatikerberuf. Gleichzeitig hat aber der Bedarf nach Fachkräften stark zugenommen.»

Die Zahlen des Bundesamts für Statistik belegen dies: Insgesamt zählt die Schweiz heute fast 200'000 Beschäftigte im Bereich ICT – das sind über 40 Prozent mehr als noch 2001.

Die gesamte Wirtschaft betroffen

Längst nicht alle sind Programmierer bei einer Informatik-Firma. Zwei Drittel arbeiten in ganz anderen Branchen: In der öffentlichen Verwaltung, bei Banken oder im Detailhandel. So beschäftigt die Migros etwa 400 Informatiker in der Schweiz, beim Pharmamulti Novartis sind es 800, bei der Grossbank UBS sogar 3000.

Der Mangel an Fachleuten treffe das ganze Land, meint Kaelin. «Es ist nicht so, dass nur eine Branche jammert. Es ist ein Problem, das die gesamte Wirtschaft betrifft.»

Gelinge es nicht, genügend Fachleute im Inland auszubilden und schotte der Bund den Zugang zum ausländischen Arbeitskräftemarkt ab, seien die Folgen für den Schweizer Standort beträchtlich, warnt Kaelin. «Firmen können nicht alle ihre Aufträge erfüllen, es droht eine Verlagerung ins Ausland – und die Innovation und Wertschöpfung in der Schweiz bleiben auf der Strecke.»

Problem SVP-Einwanderungsinitiative

Die Rechnung des Verbands geht so: Bis im Jahr 2022 braucht es 87'000 neue Fachleute. Schon heute ist klar, dass die Schweiz bis dahin nur 34'000 ausgebildet hat. 23'000 können, das zeigen die Erfahrungen, aus dem Ausland rekrutiert werden. Es bleibt also eine Lücke von 30'000 Personen.

Einfach neue Leute auszubilden, neue Lehrstellen anzubieten etwa, sei kaum möglich. Den Firmen fehlt es laut Kaelin an Kapazität, noch weitere Lehrlinge aufzunehmen. Auch das Aufstocken von Studienplätzen gehe nicht von heute auf morgen.

Bleibt also nur der Weg übers Ausland. Doch hier sieht der Verband das Problem: Je strenger Bern die SVP-Einwanderungsinitiative umsetzt, desto grösser wird der Mangel an ausländischen Informatikspezialisten ausfallen.

Publiziert am 07.09.2014 | Aktualisiert am 08.09.2014
teilen
teilen
0 shares
32 Kommentare
Fehler
Melden

32 Kommentare
  • Guido  Meier aus Zürich
    08.09.2014
    Auf dem Arbeitsmarkt finde ich sowie einige andere ETH Ingenieure im ICT Umfeld keine Stelle seit mehreren Monaten. Alle im Alter 50+.
    Ebenso sagen mir Head Hunter dass es keinen Mangel gibt, sondern einen Überfluss an ICT Fachleuten.
    Ein deutliches Zeichen ist die Lohnentwicklung die rückläufig ist. Und was haben wir gelernt in der ersten Stunde Wirtschaft: Herrscht Überfluss, sinken die Preise. Also Voila, das hat das SECO richtig bemekrt im Bericht E-economy der Schweiz 2014.


  • Beat  Müller aus Bern
    08.09.2014
    Seit Jahreb wird gepredigt es habe zuwenig Informatiker... komisch aber dass seit Jahren IT Fachkräfte über 50 keine Stelle mehr finden.....
  • Rocco  Martignoni 08.09.2014
    Das ist alles Geschwätz , es gibt auch viel Informatiker welche besser Manipulieren und wie Mehr Informatiker wie mehr von diese Manipuliere . Der Bund sind sicher 50 Prozent zuviel Informatiker und deshalb weis Unsere Regierung selber nichts mehr.
  • Walter  Nef aus Niederweningen
    08.09.2014
    Wie wäre es selbst IT Leute auszubilden?
  • marcel  meuler aus Regensdorf
    08.09.2014
    solange die grossen IT-Unternehmen in der Schweiz nach wie vor Personen grundloss entlassen und günstig in Deutschland abwerben habe ich absolut kein Verständnis für solche Schlagzeilen.