Digitec-Gründer und FDP-Nationalrat Marcel Dobler (36) setzt voll auf Digitalisierung «Es rächt sich sofort, wenn man die Entwicklung verpasst»

BERN - FDP-Nationalrat Marcel Dobler erklärt, weshalb die Digitalisierung auch Arbeiter und KMU auf dem Land betrifft. Und warum er in die Fussstapfen von Ruedi Noser tritt und nicht auf der faulen Haut liegen will.

  play
FDP-Nationalrat Marcel Dobler will die Schweiz in die digitale Zukunft führen. Peter Gerber

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Am WEF hielt der US-Vizepräsident seine letzte Rede Biden warnt vor Trump
2 Graubünden knapp geschlagen Die beliebtesten Skigebiete der Schweiz
3 Sind Kommunisten die besseren Kapitalisten? Xi macht den Anti-Trump

Wirtschaft

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
0 shares
7 Kommentare
Fehler
Melden

Er gründete den Onlinehändler Digitec und politisiert seit einem Jahr für die St. Galler FDP im Nationalrat – quasi als Mister Digital. Mit BLICK sitzt Marcel Dobler (36) im Journalistenzimmer des Bundeshauses, hat den Laptop aufgeklappt und verfolgt auf dem iPhone die Session.

BLICK: Herr Dobler, sind die Leute zu oft online und dadurch dauergestresst?
Marcel Dobler:
Jeder muss selber entscheiden, ob er die ganze Zeit aufs Smartphone starren und seine Nachrichten checken will.

Ihr Nationalratskollege Corrado Pardini fordert eine internetfreie Zeit, um die Arbeitnehmer zu schützen. Was halten Sie davon?
Pardini will anscheinend zurück in die Vergangenheit. Er sollte zur Kenntnis nehmen, dass die Dinosaurier längst ausgestorben sind. Wahrscheinlich nimmt er aber seine Forderung nicht einmal selber allzu ernst.

Sie werden Präsident des Informatikverbandes ICT Switzerland und treten damit in die Fussstapfen Ihres Parteikollegen Ruedi Noser. Sind diese nicht zu gross?
Ich hoffe für Ruedi Noser, dass er keine grösseren Füsse hat als ich. Aber ich bin mit der IT aufgewachsen, habe den grössten Onlineshop der Schweiz aufgebaut und 500 Arbeitsplätze geschaffen. Ich bin motiviert, mich für die positive Entwicklung der Schweiz und der Branche einzusetzen.

Ist Ihnen die Politik nicht zu lahm?
Ich sage immer: Wenn etwas schnell gehen muss, darf es nicht nach Bern. Allerdings ist es wichtig, dass sich Unternehmer im Parlament engagieren. Gerade in Bezug auf die Digitalisierung. Von den 200 Nationalräten hat nur eine Handvoll einen IT-Background.

Welche?
Spontan in den Sinn kommen mir neben Ruedi Noser auch Balthasar Glättli von den Grünen, Jacqueline Badran von der SP und Franz Grüter und Mauro Tuena von der SVP.

Das Durchschnittsalter liegt im Parlament bei über 50 Jahren. Jene, die bestimmen, haben keine Ahnung von der Digitalisierung.
Momentan findet ein Wandel statt. Viele Parteien greifen das Thema auf, auch der Bundesrat ist ziemlich initiativ. Digitalisierung ist unsere Zukunft und das Thema schlechthin. 

Bundespräsident Johann Schneider-Ammann sagte, die Schweiz habe die erste Halbzeit der Digitalisierung verloren. Was, wenn wir auch die zweite verlieren?
Die Schweiz ist ein innovatives Land. Aber nichts ist so schnell weg wie ein Vorsprung. Wenn wir in der Bildung nichts tun, wenn wir keine Anreize für neue Firmen schaffen, dann werden Arbeitsplätze abwandern. Wir verlieren an Wohlstand.

Experten rechnen damit, dass die Digitalisierung die Hälfte aller Jobs vernichtet.
Das ist Schwarzmalerei. Ich glaube fest daran, dass im Gegenteil neue Jobs entstehen. Ich sah das ja bei Digitec. Da gab es eine Verlagerung vom stationären Geschäft zum Onlinehandel. Im Detailhandel sind Arbeitsplätze verloren gegangen. Dafür haben wir in Logistik, Vertrieb und Backoffice neue geschaffen.

Aber was ist mit Leuten, die ihren Job verlieren und keine Digital-Kompetenzen haben?
Eine Architektin sagte mir, dass sie nur junge Leute einstelle – weil diese 3D-Planungen beherrschen würden. Wir müssen auch die Älteren mit der digitalen Welt vertraut machen und Möglichkeiten für Weiterbildungen schaffen.

Weshalb sollte sich ein Arbeiter oder ein ländliches KMU für die Digitalisierung interessieren?
Klar, grosse Firmen setzen stärker auf Digitalisierung als KMU. Aber: Firmen werden dank der Digitalisierung effizienter. Wer sich dem widersetzt, wird irgendwann nicht mehr konkurrenzfähig sein.

Hoteliers klagen über Booking.com, Taxifahrer über Uber.
Das spiegelt das Versagen der Branchen und deren Verbände. Wieso haben es weder die Taxi- noch die Hotelbranche geschafft, eine Schweizer Lösung zu entwickeln? Heute rächt es sich sofort, wenn man die Entwicklung verpasst. Man muss die Konkurrenz beobachten.

Der Schweiz fehlen Visionäre im Format eines Steve Jobs oder Elon Musk.
Wir brauchen mehr Vordenker wie Nick Hayek. Leute, die sich etwas zu sagen getrauen. Auch wenn es nicht immer realisierbar ist, sie bringen einen auf neue Ideen.

Inwiefern haben Sie das mit Digitec geschafft?
Wir hatten das Glück, dass in unserem Bereich alle Grossen die Digitalisierung verschlafen haben. Media Markt, Interdiscount, Melectronics – sie alle sind nun, 15 Jahre später, sehr engagiert und haben sich Firmen zugekauft.

Sie konnten Digitec mit Ihren beiden Mitstreitern für einen zweistelligen Millionenbetrag an die Migros verkaufen. Sie könnten das Leben geniessen.
Ehrgeizige Leute wollen immer etwas Neues erreichen. Ich wäre unglücklich, wenn ich auf der faulen Haut liegen würde. Als ich die Aktien verkaufte, habe ich mir gesagt: Entweder baue ich mir etwas Neues auf, oder ich versuche, in die Politik zu kommen.

Als Bobfahrer sind Sie ja auch noch Spitzensportler.
Ich mache das jetzt noch ein Jahr. Mein Ziel ist es, bei den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang in Südkorea dabei zu sein. Damit würde ein Traum in Erfüllung gehen.

Wie kriegen Sie Spitzensport und Politik unter einen Hut?
Ich habe ja schon immer viel Sport gemacht. Ich trainiere fast jeden Tag. Aber immer am Nachmittag oder Abend. Dann kann ich mich besser verausgaben als am Morgen.

Publiziert am 10.12.2016 | Aktualisiert am 12.12.2016
teilen
teilen
0 shares
7 Kommentare
Fehler
Melden

TOP-VIDEOS

7 Kommentare
  • Eugen  Inauen 11.12.2016
    Irgendwann haben wir nur noch die Chance nach vorne
    zu stuermen, denn weiter zurueck geht es nicht. Wir
    stehen bereits an der Wand. Es wird die letzte
    Schlacht zwischen Gut und Boese zwischen
    Arm und Reich zwischen Unten und Oben
    zwischen den Voelkern und den Eliten.
  • Pius  Tschirky aus Wittenbach
    11.12.2016
    Schweizer ruhen sich schon sehr gerne auf Ihren Pfründen aus. Es muss sich wohl noch einiges ändern in diesem Land, um auch nur annähernd konkurrenzfähig zu bleiben. War letzthin auf dem Flughafen in Hongkong und staunte nicht schlecht, weil es mit dem WLAN oder eben WIFI dort sogar möglich ist SMS in die Schweiz zu senden und auch zu empfangen. Swisscom muss natürlich 30 Rappen verlangen und hat es total verpasst, den Kunden mal ein kostengünstiges Roaming-Angebot zu kreieren.
  • Xaver  Arnet 10.12.2016
    Herzliche Gratulation an NR Marcel Dobler zu seiner neuen Funktion und seinem Statement zur zukunftsträchtigen Digitalisierung! Diese Woche gingen noch die Wogen hoch, weil die Post die AHV-Renten nicht mehr an 4000 Rentner nach Hause bringen will. An den abstrusen Kommentaren konnte man meinen, dass sich viele wieder die Zeit der Rauchzeichen und Brieftauben zurück wünschten. Ich sah schon wieder die schwarz-weiss Bilder der Wochenschau von 1948, wo der Pöstler die 40 Franken AHV brachte.
    • Manfred  Grieshaber aus Zollikon
      11.12.2016
      Das hat nichts mit Rückschritt zu tun. Vielmehr haben wir heute ein reduziertes Bild von uns selbst, reduziert auf eine ökonomische und technische Existenz. Dabei wird der ganze psychologische Bereich unserer Existenz ausgeblendet, Kultur, Identifikation, Kommunikation. Es gibt auch Quartiere wo Leute aus aller Herren Länder leben. Wenn aber nur neben- und nicht miteinander gelebt wird leidet der spanische Opa genauso an Vereinsamung wie die Schweizer Großmutter im Nachbarhaus.
    • Xaver  Arnet 11.12.2016
      @Lieber Manfred Grieshaber: Mit Ihrem wirren Votum schlagen Sie den Sack statt den Esel! Das stark menschenindividuelle Bedürfnis nach sozialen Kontakten kann durch eine Mitgliedschaft in den zahlreichen Vereinen und Interessensgemeinschaften, die bekanntlich auch immer unter einem stärkeren Mitgliederschwund leiden, gelebt und gefördert werden. Warum sucht dann der/die Durchschnittsschweizer/In beim Betreten eines Restaurant immer zuerst einen Tisch, wo noch niemand sitzt?
  • Thomas  Stalder , via Facebook 10.12.2016
    Ich denke, das ist tatsächlich die Realität. Genau dieses Sparpotential (neben den nicht benötigten Ladenflächen und den 24h/365Tg Oeffnungszeiten) lässt den Onlinehandel rentabel machen.
  • Silvio  Mayer , via Facebook 10.12.2016
    Arbeitsplätze durch den Online Handel werden keine geschaffen. Es findet nur eine Verlagerung statt, von schlecht bezahlten Verkäuferjobs zu noch schlechter bezahlten Jobs bei Onlinehändlern. Wenn 1000 Verkäuferjobs mit 500 Jobs bei Onlinehändlern ersetzt werden, sind per Summe 500 Stellen verschwunden.