Digitalisierung gefährdet bis zu 100’000 Jobs Ende des KV-Landes Schweiz

ZÜRICH - Die Zukunft sieht düster aus für repetitive Bürojobs. Dies zeigt eine Studie des Kaufmännischen Verbands Schweiz. Dafür werde das KV spannender.

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Der beliebteste Beruf in der Schweiz ist bedroht. Schreiben, Statistiken erstellen, Buchhaltung führen, das sind typische Tätigkeiten von Kaufmännern und Kauffrauen – mehr und mehr werden sie von Computern erledigt.

Noch arbeiten 590’000 Personen im kaufmännischen Bereich, knapp 15’000 junge Berufsleute begannen letztes Jahr eine KV-Lehre. So viel wie in keiner anderen beruflichen Ausbildung. Jetzt aber schlägt der Kaufmännische Verband (KV) Schweiz Alarm. «Die Digitalisierung kann für das Personal eine Entlastung bringen. Gleichzeitig besteht aber die Gefahr, dass gewisse Mitarbeiter nicht mehr nötig sind», sagt Verbands-Präsident und SP-Ständerat Daniel Jositsch (51) gestern vor Medien.

Sparen durch Auslagerungen 

Für Ungemach sorgt nicht nur die Digitalisierung. Allein Verlagerungen ins Ausland könnten 30’000 bis 100’000 Jobs kosten, wie eine der vorgestellten Studien vorrechnet. Auf der Kippe stehen Routinejobs mit wiederholenden Tätigkeiten. Zum Beispiel Buchhalter, Controller, IT-Supporter, Callcenter-Mitarbeiter, Personalverwalter, aber auch Software-Entwickler und Programmierer. Wenn Unternehmen diese Bereiche nach Asien auslagern, können sie laut Studie 25 Prozent der Lohnkosten senken und über 30 Prozent nach Osteuropa. 

Dieser Prozess sei bereits weit fortgeschritten, sagt Jositsch. Ermöglicht habe es die Digitalisierung. Das Problem: Sind Jobs und Wertschöpfung einmal weg, kommen sie nicht mehr zurück. 

Einfache Tätigkeiten haben ausgedient

In der zweiten Studie ist gar von einem «Tsunami-Effekt» der Digitalisierung die Rede. «Man spürt jetzt deutlich, dass die Welle kommt», sagt Studienautorin Sybille Sachs (57) von der Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ). Ihre Studie nennt zwar keine Zahlen, kommt aber zu einem ähnlichen Schluss: einfache Tätigkeiten haben ausgedient. 

Statt Sachbearbeiter sind künftig Vermittler und Manager gefragt. Kaufleute, die über eine breite Allgemeinbildung, ein ausgeprägtes Spezialwissen und über hohe Sozialkompetenzen verfügen. Und sich ständig fortbilden. «Der KV-Beruf wird interessanter, aber auch anspruchsvoller», sagt Sachs.

Dieser Meinung ist auch Jositsch: «Abwehrkämpfe bringen nichts», sagt er. Trotz Digitalisierung sehe es gut aus für die Berufswelt der Kaufleute. Jositsch fordert jedoch, dass der Staat in die Ausbildung investiert. Und dass Unternehmen Weiterbildungen ermöglichen. So viel ist klar: Auch etablierte Berufsleute dürfen sich auf ihrem Bürosessel nicht mehr zu bequem einrichten.

Publiziert am 24.11.2016 | Aktualisiert am 18.01.2017
Ulrich Rotzinger, Stv. Leiter Wirtschaft
Das meint BLICK

Die Chance packen!

Seien wir ehrlich: Die Digitalisierung trifft alle Arbeitnehmer. Wann, wie und in welchem Mass sich die Berufe ändern, weiss heute noch keiner. Aber die Gefahr, dass Sie oder ich bald einem Automaten Platz machen müssen, ist real.

Arbeitszeitreduktion, Weiterbildung und Umverteilung – das ist die Antwort der Gewerkschaft Syndicom auf die Digitalisierung. Sie greift zu kurz und scheint etwas sehr defensiv. Denn die Berufsleute kommen so nicht aus der Sackgasse heraus.

Der kaufmännische Verband (KV) Schweiz nimmt eine zweckoptimistische Haltung ein. Im Fokus steht weniger die Fortbildung im eigenen Beruf, sondern die lebenslange Erweiterung von Sozial- und Selbstkompetenz. Die eigenen Fähigkeiten und der Umgang mit anderen werden wichtiger. Neue Jobs bauen darauf.

In den eigenen Fähigkeiten liegen Chancen, die man jetzt packen muss!

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  • François  Wiget aus Zürich, Schweiz
    24.11.2016
    Ab 45 Jahren ist man für den Arbeitsmarkt zu alt. Das ist der Preis der Globalisierung und der PFZ, welche eine Mehrheit des Volkes akzeptiert. Die Lehre hat in der Schweiz schlechte Zukunftsaussichten. Ich empfehle meinen Kindern und den Kindern meines Freundeskreises auf ein Studium zu setzen und somit auf einen gut bezahlten und sicheren Arbeitsplatz beim Bund oder Staat. Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft sind unterbezahlt, unsicher und in jeder Hinsicht unattraktiv.
    • Marco  Weber 24.11.2016
      Intressant vor 2 wochen war man ab 50 noch zu alt! und übermorgen ist man mit 30 zu alt für einen job? Vieleicht sollten sich einige nicht einfach auf Ihrem Alter ausruhen und dann meinen nur weil man 50+ sei man allwissen und für jeden Betrieb unersetzlich!
    • Ernst  Rietmann aus Weinfelden
      24.11.2016
      Herr Wiget, es dürfte auch nichts bringen, auf ein Studium zu setzen. Warum? Nicht alle Studienabgänger haben dann die Garantie, viel verdienen zu können und Karriere zu machen. Steigt die Zahl der Studierenden wird dies irgendwann generell auch zu tieferen Löhnen wegen des Druckes führen, nicht nur in der Privatwirtschaft sondern auch beim Staat.
  • Peter  Siegenthaler aus Male
    24.11.2016
    KV = Verwaltung und verursacht hohe kosten ist nicht produktive, also auf ein minimum reduzieren und die Produktion ausbauen, die bringt Umsatz.
    Habe einige Schweizer Unternehmen, angeschrieben für Bestellungen über ihre Website, meistens gibt es keine Antwort, ist auch einen Teil der Arbeit von der Verwaltung also KV, aber man müsste ja Arbeiten, jammern ist einfacher.
    • Marco  Weber 24.11.2016
      Genau Herr Siegenthaler! KV abschaffen! Ich will dann sehen wie die Schweiz ohne Verwaltung funktioniert! Sie werden sehen dann gibt es auch keine Websites mehr auf denen Sie irgendwas bestellen können... aber das ist wohl für einige zu weit gedacht.......
  • Köbi  Keller aus Seon
    24.11.2016
    Ich habe selber in einem Grossunternehmen gearbeitet welches die Bürojobs nach Rumänien auslagert. Der Schweizer Kunde wird bei Anruf unbemerkt dahin verbunden, wo sich günstige Arbeitskräfte um ihn kümmmern, nach dem motto billiger (nicht besser) was zählt ist der Profit (nicht mehr der Ruf)
    • Alex  Müller aus Thalwil
      24.11.2016
      Bei der UPC ist genau das Gleiche. Telefon wird nach Portugal, Slowakei und nach Deutschland umgeleitet. Bezahlt wird der CH-Preis beim Produkt.
    • Harald  Beutler 24.11.2016
      Gewisse Firmen haben solche Massnahmen bereits rückgängig gemacht, da sie merkten, dass Qualität und Kundenzufriedenheit abnehmen. Die Wirtschaft arbeitet halt häufig in Wellen nach Modeströmungen. Menschlich.
  • Alex  Müller aus Thalwil
    24.11.2016
    Aus meinem Freubdeskreis sind bereits einige und demnächst werden 3 ausgesteuert. Alles mit KV und um 42 - 48 Jahre alt. Es läuft schon länger schlecht in dieser Branche sowie mit Personen über 40-ig mit der Tellensuche. Traurig.
    • Marco  Weber 24.11.2016
      So schlecht gehts den KV Angestellten noch lange nicht Herr Müller! Und wenn man bischen etwas kann findet man auch im KV noch einen Job! Ausser natürlich man hat 30 Jahre lang nichts gemacht und gibt jetzt der Wirtschaft die Schuld das man nicht eingestellt wird, wenn man das KnowHow eines Lehrlings hat und sagt dann, ja das ist hald über 40 findet man keine Jobs mehr weil ich zu teuer bin etc........ und schuld daran ist natürlich der Staat aber bestimmt nicht einer selber!
    • François  Wiget aus Zürich, Schweiz
      24.11.2016
      Ab 45 Jahren ist man für den Arbeitsmarkt zu alt. Das ist der Preis der Globalisierung und der PFZ, welche eine Mehrheit des Volkes akzeptiert. Die Lehre hat in der Schweiz schlechte Zukunftsaussichten. Ich empfehle meinen Kindern und den Kindern meines Freundeskreises auf ein Studium zu setzen und somit auf einen gut bezahlten und sicheren Arbeitsplatz beim Bund oder Staat. Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft sind unterbezahlt, unsicher und in jeder Hinsicht unattraktiv.
    • Marco  Weber 24.11.2016
      Sehr gut Herr Wiget das würde ich meinen Kindern auch empfehlen! Denn als Student hat man ja einen sicheren Arbeitsplatz weil Studenten ja bekanntermasen die besten Angestellten sind und beim Bund und Staat hat es unendlich Stellen und diese sind auch allesammt herrvorragend bezahlt! Und natürlich jeder Job in der Privatwirtschaft ist faktisch schon ins Ausland verlagert!
  • Marco  Weber 24.11.2016
    Das ist das wunderbare in der Schweiz... alles neue ist direkt böse und gefärdet den fortbestand der Menschheit! Klar wenn man sich allem neuen verschliesst bleibt man auf der Strecke, wenn man aber z.b. die Digitalisierung als Chance sieht, kann man was daraus machen! Dafür muss man aber selber aktiv werden! Der Staat kümmert sich nicht um jeden einzeln! Wenn man aber lieber jammern will das alles untergeht kann man das natürlich auch machen, bringt einem aber nichts!