UBS Diese Frau sorgt für die Riesen-Boni von Kurer & Co

  • Publiziert: 16.03.2010, Aktualisiert: 02.01.2012
  • Von Daniel Meier und Matthias Pfander

Die Amerikanerin Sally Bott hat die Löhne und die Boni der UBS-Manager persönlich mit ihrer Unterschrift besiegelt.

Sally Bott (60) ist die Boni-Fee bei der UBS: Sie bewilligt den Lohn des Verwaltungspräsidenten. Sie legt fest, wie viel Fixlohn und wie viel Bonus die Konzernspitze erhält. Sie bespricht mit dem VR-Präsidenten, wie viel Lohn UBS-Chef Oswald Grübel bekommt. Für all diese Entscheidungen steht sie gerade. Mit ihrer Unterschrift im Geschäftsbericht, der gestern veröffentlicht wurde.

Seit Oktober 2008 sitzt Sara «Sally» Bott im Verwaltungsrat der UBS und im Kompensationsgremium, das die Boni verteilt. Seit April 2009 leitet Bott dieses Komitee. Ihm gehören zwei weitere UBS-Verwaltungsräte an: Ex-Nationalbank-Vize Bruno Gehrig sowie Ex-BMW-Chef Helmut Panke.

Trotz 2,7-Milliarden-Verlust der UBS waren sie grosszügig. Auch bei ehemaligen Mitarbeitern, die sich nicht mit Ruhm bekleckert haben. Und selbst dann, wenn es keine vertragliche Zahlungspflicht gab – also freiwillig.

3,3 Millionen für Kurer «waren angemessen»

Zum Beispiel bei Peter Kurer. «Nach Beurteilung seiner Amtszeit als Verwaltungsratspräsident» hielt es das Komitee «für angemessen», ihm 3,3 Millionen in die Pensionskasse einzuzahlen. Eine weitere Million gab man Kurer «für laufende Beratungsdienstleistungen und Unterstützung bei der Übergabe seines Amtes». Kurz gesagt: 1 Million, um sein Büro aufzuräumen.

Auch mit Oswald Grübel waren Bott und das Komitee grosszügig. Beim Amtsantritt im Februar 2009 erhielt er sein Bonuspaket aus Credit-Suisse-Zeiten mit UBS-Aktienoptionen ersetzt. Für 13,1 Millionen Franken. Dank höherem Aktienkurs ist es heute sogar 24 Millionen wert!

Die Politik wusste von nichts. «Das ist sehr stossend. Die Bank hätte das offenlegen müssen», sagt SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli. SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer: «Ein Skandal. Die Steuerzahler wurden an der Nase rumgeführt. Herr Grübel hat sich damit unglaubwürdig gemacht.»

Ein grosses Herz für Banker

Laut Geschäftsbericht hat sich Sally Botts Boni-Komitee 2009 genau 14 Mal getroffen. Pro Sitzung eine gute Stunde. In rund 30 Stunden wurden Löhne und Boni in der Höhe von 12,8 Milliarden Franken verteilt. Pro Stunde 425 Millionen.

Bott gilt als Profi im Personalwesen. Im Hauptberuf arbeitet sie seit 2005 beim Ölmulti BP, ist dort als oberste Personalchefin für 92 000 Angestellte verantwortlich. Eine Führungsperson, die nahe bei den Leuten ist, heisst es. Sie ist Feinschmeckerin, geht gerne ins Theater. Sie setzt sich für Frauenanliegen ein. Kämpft dafür, dass mehr Frauen in die Chefetagen kommen.

Und sie hat ein grosses Herz. Für Banker in Krisenzeiten.

5,1 Millionen für Peter Kurer

Im April 2009 übergab der UBS-Präsident an Kaspar Villiger. Für seine vier Monate im Amt bezahlte ihm die Bank einen Lohn von 794 008 Franken. Doch Kurer bekam noch viel mehr. 1 Million für Beratungsdienste und die saubere Amtsübergabe an Villiger. Und 3,3 Millionen als Zuschuss in seine Pensionskasse. Macht total 5,1 Millionen. Zur Erinnerung: Kurer stand schon als Chefjurist in der Verantwortung, als die UBS in den USA ins Steuerschlamassel kam.

Das verdienen die anderen

Oswald Grübel: 16,1 Millionen
Er trat im Februar 2009 an. Für einen Fixlohn von 3 Millionen Franken, hiess es. Nicht einmal die halbe Wahrheit! Aus seiner Zeit bei der CS besass Grübel noch ein Vergütungspaket. Damit er nicht in einen Interessenkonflikt kam, ersetzte die UBS das Paket in der Höhe von 13,1 Millionen mit einem eigenen Vergütungsvehikel. Auch der neue Vermögens-verwaltungschef Robert McCann wurde mit 10 Millionen Dollar für Papiere seiner Ex-Firma entschädigt.

Marcel Rohner: 2,7 Millionen
Der ehemalige UBS-Chef musste Platz für einen Neuanfang unter Oskar Grübel machen. Grübel begann aufzuräumen. Doch das kostet: 491 Millionen Franken wurden dafür unter Personalaufwand abgebucht. Das meiste davon für Abgangs-entschädigungen. Auch Marcel Rohners Rücktritt wurde versüsst: Er erhielt 1,5 Millionen Franken Lohn während seiner 12-monatigen Kündigungsfrist. Und einen Zustupf in die Pensionskasse von 1,2 Millionen.

Carsten Kengeter: 13,2 Millionen
Der Co-Chef der Abteilung Investment Banking ist im Geschäftsbericht als bestbezahlter Manager aufgeführt. Der 43-jährige Deutsche ist seit September 2008 dabei und leitete zuerst den Handel mit Obligationen, Währungen und Rohstoffen. Sein Salär erklärt die UBS mit Kengeters Einsatz für seine Abteilung, seiner Führungsstärke und seinen Fähigkeiten. Das Investment Banking ist immer noch eine Baustelle. Verlust vor Steuern: 6 Milliarden Franken.

Jerker Johansson: 13 Millionen
Er hatte ein kurzes Gastspiel bei der UBS. Aber ein lukratives. Im März 2008 erhielt der neue Chef des Investement Banking gleich einmal ein Aktienpaket im Wert von 15 Millionen Franken als Willkommensgeschenk. Im April 2009, kurz nach Grübels Amtsantritt, verliess Johansson die Bank. Die UBS zahlte ihm und fünf weiteren Managern 39 Millionen zum Abschied. Der grösste Anteil ging an den Schweden. Mindestens 13 Millionen Franken.

Georges Blum: 0,09 Millionen
Auch im Geschäftsbericht 2009 findet man sie noch: Die langjährigen UBS-Chefs, die auf Lebenszeit Sachleistungen beziehen dürfen. Einen Firmenwagen oder auch einen Gärtner, der im privaten Anwesen den Rasen mäht. Die UBS will den alten Zopf endlich abschneiden. Manche Altgediente verzichten inzwischen freiwillig. Aber nicht alle, etwa Georges Blum (VR bis 1998), der letztes Jahr immer noch Leistungen im Wert von 92 399 Franken bezog.

CVP-Mann Urs Hany mit UBS-Anzeige abgeblitzt

Ende Februar erstattete CVP-Nationalrat Urs Hany (ZH) bei der Zürcher Staats-anwaltschaft III Strafanzeige: Er bezichtigte die frühere UBS-Spitze um Marcel Ospel der ungetreuen Geschäftsführung, der «Mitwisserschaft von kriminellen Handlungen» und der «Beihilfe zum Steuerbetrug in Drittländern».

Doch Peter Pellegrini, zuständiger leitender Staatsanwalt, gibt Hany einen Korb. Pellegrini hatte sich bereits geweigert, auf ähnliche Strafanzeigen der SP einzutreten. Pellegrinis Hauptargument: Beihilfe zum Steuerbetrug in Drittländern ist bei uns nicht strafbar.

Dies will SP-Nationalrat Daniel Jositsch (44, ZH) mit einem Vorstoss ändern.

Von Reza Rafi

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