
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
- Mix & Remix
Jetzt hat es auch der Schweizerische Pensionskassenverband (Asip) gemerkt. In einer Antwort auf Vorwürfe von Ex-Preisüberwacher Rudolf Strahm schreibt er: «Es geht Herrn Strahm darum, die zweite Säule zugunsten der umlagefinanzierten AHV zu schwächen.» In der Tat: Die kommende Abstimmung über die Rentensenkungen bei der zweiten Säule entwickelt sich immer mehr zu einem Plebiszit: Wollen wir dieses System überhaupt?
Der Grund für den verbreiteten Missmut ist klar: Die kapitalgedeckte berufliche Vorsorge ist nicht nur sehr kompliziert und für Laien undurchschaubar, sondern auch extrem teuer. Das zeigt ein Blick auf die Zahlen. Die über 2500 Pensionskassen und die elf Sammelstiftungen der Versicherungen zahlen jährlich rund 33 Milliarden an Renten und Vorsorgekapitalien aus, etwa gleich viel wie die AHV. Die Kosten sind aber sehr unterschiedlich: weniger als 500 Millionen bei der AHV, rund 5,7 Milliarden Franken bei der zweiten Säule (siehe Tabelle).
Davon entfallen rund 2,2 Milliarden auf die reinen Verwaltungskosten. Die entsprechenden Ausgaben beim AHV-Fonds lagen 2008 bei 113 Millionen Franken. Dazu kommen noch die vom Arbeitgeber zu tragenden Kosten der AHV-Ausgleichskassen von schätzungsweise einem Promille der Lohnsumme oder rund 300 Millionen Franken.
Doch während die reinen Verwaltungskosten der zweiten Säule immerhin deutlich zurückgingen, verschlingt die Vermögensverwaltung immer mehr Geld. So haben sich etwa die direkten Vermögensverwaltungskosten der Pensionskassen seit 2002 beinahe verdoppelt. Sie betragen inzwischen fast zwei Milliarden Franken jährlich. Bei der AHV sind es 18 Millionen.
Dazu kommen aber noch indirekte Kosten. Gut ein Drittel aller Vermögenswerte der zweiten Säule sind in indirekten Anlagen investiert, in sogenannten strukturieren Produkten, Investmentfonds oder Hedgefonds. Die anfallenden Kommissionen und Managementgebühren dürften im Schnitt etwa 0,5 Prozent betragen. Das sind weitere rund 1,25 Milliarden Franken an Kosten, die letztlich von den Pensionskassen bezahlt werden müssen.
Hier wird viel unnötiger Aufwand betrieben. «In den letzten Jahren ist der Anteil der alternativen Anlagen bei den Pensionskassen deutlich angestiegen», meint etwa Prof. Josef Marbacher (65) von der Fachhochschule Nordwestschweiz. «Diese Produkte», so der ehemalige Chefökonom der Bank Bär, «sind wegen ihrer mehrschichtigen Kaskadenkonstruktion sehr teuer und auch für Profis schwer zu durchschauen. Gerade deshalb werden sie von den Banken aggressiv verkauft.»
Die Zeche zahlen die Rentner. Wegen der hohen Kosten fallen ihre Bezüge um rund 16 Prozent tiefer aus. Das entspricht etwa zwei zusätzlichen Monatsrenten. Das ist schmerzlich, vor allem wenn man weiss, dass dieses Geld vorwiegend von den ohnehin gut bezahlten Bankern und Vermögensverwaltern kassiert wird. Diesen Frust nutzen die Gewerkschaften in ihrer Abstimmungskampagne voll aus.
AHV und 2. Säule zahlen etwa gleich viel an Renten, die Spesen der 2. Säule sind 13-mal höher, vor allem wegen der Vermögensverwaltung.