Die zweifelhafte Rolle des alt Bundesrats bei Alstom: Drückeberger Deiss

Alt Bundesrat Joseph Deiss war Präsident von Alstom Schweiz. Die gehört heute der US-Firma General Electric. Welche Rolle der Ex-Magistrat nun innehält, ist unklar.

«Man sollte jetzt nicht in Panik geraten.» – Joseph Deiss. play

«Man sollte jetzt nicht in Panik geraten.» – Joseph Deiss.

Keystone

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Es ist alt Bundesrat Joseph Deiss (69), der am Mittwoch die Hiobsbotschaft vom 1300-Stellen-Kahlschlag bei Alstom überbrachte. Aber nicht der betroffenen Belegschaft, sondern lediglich dem Aargauer Regierungsrat Urs Hofmann (59).

Welche Rolle spielt Alstom-Schweiz-Präsident Deiss heute, da der Konzern zu General Electric (GE) gehört? Hofmann sagt BLICK dazu: «Joseph Deiss hat sich sehr engagiert.»

Von Gewerkschaftsseite heisst es, Deiss sei bei den Konsultationsverfahren mit den Sozialpartnern immer anwesend gewesen. Ausser am Mittwoch. «Das war für uns eine Überraschung», sagt Syna-Zentralsekretär Diego Frieden (31). Deiss – plötzlich ein Drückeberger? Tatsächlich: Im Betrieb sei der frühere Bundesrat «nicht präsent», hört man von Unia-Mitgliedern.

Das sagt die Gewerkschaft

2012 wurde der Freiburger als Präsident in den Verwaltungsrat geholt. Das heisst: Vier- bis fünfmal pro Jahr kleine Entscheide über die Strategie abnicken. Einblick ins Tagesgeschäft? Null. «Ich muss die Aktivitäten von Alstom in der Schweiz fördern», sagte er einmal. Er mache alles, um diesem Auftrag nachzukommen.

Die 5500 Alstom-Arbeitsplätze im Aargau. play

Die 5500 Alstom-Arbeitsplätze im Aargau.

Blick

In vage Formulierungen flüchtet sich Deiss auch im Frühling 2014. Damals zeichnet sich ab, dass der US-Industriegigant General Electric die Energiesparte von Alstom kaufen würde. Bis zu 15'000 Stellen stehen auf dem Spiel – Zuliefererbetriebe eingerechnet. Als sich die Journalistenanfragen häufen, lädt Alstom in Zürich zu einem kuriosen Medien-Lunch. Dort rutscht Deiss im schlechtesten Sinne in die Bundesratsrolle: Schwammiges folgt auf Unkonkretes. Dann wird es ihm zu viel: «Man sollte jetzt nicht in Panik geraten», bricht es aus ihm heraus. Und er räumt ein: Bei GE habe er nie einen Gesprächstermin erhalten.

Jetzt steht Deiss beim Unternehmen auf der Lohnliste – der Rollenkonflikt geht weiter. Als Ex-Wirtschaftsminister liegt ihm der Werkplatz Schweiz weiterhin am Herzen. Gleichzeitig arbeitet er für einen US-Konzern.

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Dies noch dazu in einer unklaren Position. Denn das Schweiz-Geschäft von GE Power ist nur noch eine GmbH. Deiss wird seit November als Geschäftsführer erwähnt. Die GE-Pressestelle in Frankfurt (D) will dazu nichts sagen. Die Funktion von Deiss sei noch nicht bestimmt, sagt GE-Kommunikationsberater Stefan Bannwart (53). Ein solcher Prozess könne bis zu zwei Jahre dauern. Trotz seiner Position habe Deiss aber keine operative Aufgabe. Deiss’ Rolle bleibt zweifelhaft.

Publiziert am 16.01.2016 | Aktualisiert am 16.01.2016
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7 Kommentare
  • Jürg  Greiff 17.01.2016
    Schon als BR war Deiss einer jener, welcher so wenig Verantwortung wie möglich übernehmen wollte und immer den Weg des geringsten Widerstandes ging. Deshalb verwundert sein derzeitiges Verhalten nur wenig. Man hat sich ja mittlerweile daran gewöhnt, dass ex Bundesräte eher zweifelhaft Verwaltungsräte sind und für eine Firma nicht viel Nutzen haben.
  • Ernst  Schaffhauser aus Bodensee
    17.01.2016
    Alt Bundesrat Deiss war einer wie viele, er wirkte sehr ruhig, sympathisch und vor allem er konnte sich auch sehr gut verkaufen,wie viele andere vor und nach ihm allerdings auch zu seinem Vorteil, das vergisst man immer wieder, auch Bundesräte sind nur Menschen, doch eigentlich sollten sie stets zum Wohle für Ihr volk entscheiden, was leider nicht immer so ist, gewollt oder ungewollt, durch wissen oder Unwissen, ich möchte da niemandem etwas unterstellen, doch Tatsachen sprechen für sich
  • Klaus  Utzinger aus Bad Zurzach
    17.01.2016
    Die Rolle von Joseph Deiss ist ganz klar: Grosszügige Tantiemen und Bonis abschöpfen, sonst aber unsichtbar bzw. 100 Prozent durchsichtig sein. Mich beschämt dieses Verhalten! Die Rolle von Bundespräsident Schneider Ammann ist in dieser Angelegenheit auch nicht viel anders, so gilt für ihn das Gleiche
  • Oliver  Hardy 16.01.2016
    Die Schweiz als Produkstionstandort hat ausgedient,die Löhne und Nebenkosten sind einfach zu hoch.Die Konzerne lassen viel lieber in Asien oder im Ostblock produzieren.Traurige Entwicklung.
    • Eron  Thiersen 17.01.2016
      Nicht die Löhne sind ausschlaggebend sondern die Produktivität, Stabilität, Knowhow und Rahmenbedingungen wie Steuern: Da sind wir immer noch super!
      Sie haben doch keine Ahnung wenn sie nur von Löhnen schreiben! Fakt ist, die USA tun alles um die Firmen, Industrien zurückzuholen egal mit welchen Mitteln! Schlimm ist das unsere Parlamentarier mitmachen, mit Ämtli und zukünftigen Karrieren geschmiert werden. Aktuelle Bundesräte sind da keine Ausnahme!
  • Giovanni  Boccacchio aus Zürich
    16.01.2016
    Es geht nicht nur um den Werkplatz Schweiz, sondern um den Werkplatz "Schweiz für Schweizer". Es kann also nicht sein, dass die Schweizer bei der RAV landen, während mit Familien zugezogene Drittstaatler geschont werden, nur weil deren Rückmigration etwas kosten könnte. Ich hoffe, dass die Gewerkschaften dies aus so sehen und nicht den Sozialexport nach Indien und China unterstützen .
    • Edi  Rey aus Romanshorn
      17.01.2016
      Sie sind ja der perfekte Wunschbüezer jedes Kapitalisten. Wenn es Druck gibt, einfach auf jene eindreschen, die in einer noch schlechteren Position sind. Besser wäre, sich dafür einzusetzen, dass ältere Arbeitnehmer einen besseren Kündigungsschutz erhalten und so schwieriger durch junge Fachkräfte aus dem Ausland ersetzt werden können. Aber "Schweizer zuerst" rufen kostet ja nichts.