Börsen-Guru Marc Faber über Banken, Öl und Aktien: «Die meisten Banker sind Vollidioten!»

  • Publiziert: 01.06.2008, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Roman Seiler und Johannes von Dohnányi
play Crash-Prophet: Der Schweizer Finanzexperte Marc Faber lebt in Hongkong. (RDB/Michael Wildi)

Der «Crash»-Prophet blickt ausnahmsweise zurück: Die Finanzindustrie und die US-Notenbank haben die Weltwirtschaft in die Krise geritten.

Marc Faber (61) telefoniert von seinem Bungalow im Strandhotel «Trou aux Biches», nördlich von Port Louis, Mauritius, mit SonntagsBlick. Es ist Dienstagmorgen, 8.30 Uhr. Zwei Mal jährlich reist der Finanzexperte an den Indischen Ozean. Als Verwaltungsrat nimmt er an Sitzungen von Anlagefonds teil, die von der Insel aus in indische Unternehmen investieren.

Faber zur Energiekrise:
«Boomende Schwellenländer wie China und Indien verbrauchen immer mehr Energie. Ein Hauptschuldiger am hohen Ölpreis ist Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank. Er senkte seit September die Zinsen radikal. Durch die Ausweitung der Geldmenge sinkt der Wert des Dollars, der Ölpreis steigt. Obendrein ist die Energiepolitik der USA ein Irrsinn. Kein anderes Land besteuert Treibstoffe geringer und erhöht so den Verbrauch. Die Amerikaner kaufen mit gepumptem Geld immer mehr Öl bei denen, die sie am meisten hassen, den Arabern. Zugleich nehmen in den meisten Ländern, wo Öl gefördert wird, auch die Reserven ab. Deshalb muss die Abhängigkeit vom Öl so rasch als möglich durch den Einsatz alternativer Energien reduziert werden.»

Faber zum Öl-Preis:
«Es gibt zwar Anzeichen, dass die Nachfrage etwas zurückgeht – beispielsweise in den USA. Mittelfristig kann der Ölpreis sinken. Aber die Reserven nehmen ab. Daher bleibt die Nachfrage langfristig grösser als das Angebot. Der Preis pro Fass (159 Liter) wird sich zwischen 100 und 200 Dollar einpendeln. SonntagsBlick-Leser werden nie mehr einen Fass-Preis von 12 Dollar erleben. So viel kostete Öl vor rund zehn Jahren.»

Faber zur Konjunktur:
«Wir haben eine geteilte Wirtschaft: Den Superreichen geht es gut, der Mittelklasse miserabel. Deren Einkommen hinkt hinter den steigenden Kosten für lebensnotwendige Güter wie Energie und Lebensmittel hinterher. Es bleibt weniger Geld für andere Güter übrig – einen neuen Fernseher, einen Kinobesuch oder Ferien. Das schwächt die Konjunktur. Die USA befinden sich bereits seit letztem Herbst in einer Rezession. In Europa profitieren Länder wie Deutschland oder die Schweiz noch von ihrer Exportindustrie, die relativ robust ist.»

Faber über Banker:
«Im Vergleich mit anderen Akademikern, beispielsweise Chemikern oder Ingenieuren, sind Finanzspezialisten gewaltig überbezahlt. Wir arbeiten ja mit dem Geld anderer Leute. Die meisten Banker sind Vollidioten. Gier treibt die Finanzbranche an und führt zu höchst zweifelhaften Geschäftspraktiken. Daher schrumpft jetzt ausgerechnet die wichtigste Branche der Schweiz. Sie ist im letzten Jahrzehnt am meisten gewachsen. Denn im Finanzsektor werden nach der US-Hypothekenkrise weniger hohe Gewinne erzielt. Die Boni der Beschäftigten sinken. Das wird der Schweizer Wirtschaft ziemlich schaden, denn die Banker kaufen nun weniger teure Autos, gehen weniger oft in teure Restaurants und leisten sich weniger kostspielige Uhren. Sie wurden ja nicht nur mit Cash entschädigt, sondern auch mit Aktien, die nun deutlich weniger wert sind.»

Faber zur Finanzkrise:
«Ich sage dies durchaus selbstkritisch. Es ist ungesund, wenn ausgerechnet ein Sektor überproportional wächst, der zum Gedeihen einer Volkswirtschaft eigentlich gar nicht viel beiträgt. Abgesehen von der Kreditvergabe beruht ja ein Grossteil des Geschäfts auf Spekulation. Dazu ermutigt wurden die Banker durch die Politik der tiefen Zinsen ihrer Notenbanken. Das hatte auch immer tiefere Sparzinsen zur Folge, was immer mehr Anleger verleitete, die Anregungen ihrer Bankberater zu befolgen und in Wertschriften zu investieren. Hedgefonds-Manager nutzten das billige Geld, um ihre Renditen mit Krediten zu erhöhen. Dies führte zu einer gigantischen Schuldenspirale, die jetzt geplatzt ist.»

Faber zum «Ruf nach dem Staat»:
«Das Management und der Verwaltungsrat der UBS haben katastrophal versagt. Man sollte alle nach Regensdorf schicken. Auch ihre Kollegen von der Credit Suisse, einfach in eine gehobenere Zelle. Dennoch ist es besser, die Vor- und Nachteile der Marktwirtschaft zu akzeptieren, also schadet es auch nicht, wenn einige grosse Finanzinstitute pleitegehen. Staatliche Eingriffe führen zu unvorhersehbaren Konsequenzen.»

Fabers Anlage-Tipp:
«Die Achtziger- und Neunzigerjahre sind vorüber, in denen die Börsenkurse – abgesehen von kleinen Rülpsern – immer nach oben kletterten. Nun stagnieren die Börsen wieder wie zwischen 1964 und 1982. Ich empfehle Anlegern, Gold zu kaufen. Dessen Preis wird in den nächsten drei Monaten fallen. Steigen wird der Kurs des Dollars. Als Schweizer würde ich zudem Wohneigentum ausserhalb der grossen städtischen Agglomerationen erwerben. Immobilien sind im internationalen Vergleich günstig bewertet. Das eigene Dach über dem Kopf ist für Mittelstandsfamilien attraktiver als das Geld von Banken verwalten zu lassen, die es in ihre Anlagefonds stecken.»  

Persönlich

Marc Faber (61) ist seit 1990 selbständiger Vermögensberater in Hongkong (RC). Er verwaltet Kundengelder in Höhe von 300 Millionen Franken. Nach seinem Ökonomiestudium an der Uni Zürich arbeitete er für Investmentbanken. Der Börsenguru verfasst den monatlich erscheinenden Newsletter «The Gloom Boom & Doom Report». Zudem schreibt er Bestseller über Finanzanlagen wie Gold oder die Börsenkrise nach dem Jahr 2000.  

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