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Kritisch Chefarzt Thomas Cerny klagt, dass sich die Kosten für die Krebsmedikamente vervielfacht haben.
Krebs ist eine moderne Geissel der Menschheit: Dieses Jahr sterben erstmals mehr Menschen an Tumoren als an Herz-Kreislauf-Krankheiten. Ebenso rasant wächst der Markt für Krebsmedikamente. Mit über 50 Milliarden Franken hat er sich seit 2003 verdoppelt.
Das Geschäft mit den letzten Tagen, Wochen und Monaten beschert der Pharmaindustrie bombastische Gewinne. Weltmarktführer Roche setzt im Onkologiegeschäft mehr als 20 Milliarden um. 36 Prozent davon fliessen in den Gewinn. «Roche ist extrem dominant, auch im Lobbying», sagt die Wiener Gesundheitsspezialistin Claudia Wild, die kürzlich ein pharmakritisches Buch publiziert hat.
Eine Monatsdosis des Roche-Blockbusters Avastin kostet 4000 Franken, MabThera sogar 4700 Franken (siehe unten). «Innovation muss honoriert werden», sagt Manfred Heinzer (46), Pharmachef von Roche Schweiz. «Wir gehen hohe Risiken in der Entwicklung neuartiger Wirkstoffe ein.»
Massgebend für die Preise seien jedoch nicht die Entwicklungskosten, sondern der Nutzen für die Patienten.
Doch gegen die Tarifpolitik der Pharmamultis regt sich Widerstand: «Die Preise müssen runter», fordert Thomas Cerny (58), Chefarzt am Kantonsspital St. Gallen und Präsident der Krebsforschung Schweiz. Die Behörden und die Unternehmen müssten über die Bücher gehen: «Sonst riskiert die Pharmaindustrie, dass die Grundversicherung die Präparate nicht mehr zahlt.»
Klassische Chemotherapien kosten nicht mal ein Fünftel so viel wie die neuen Krebsmittel. Sie funktionieren jedoch wie Rasenmäher, zerstören alle schnell wachsenden Zellen im Körper, egal, ob krank oder gesund. Die neuen Präparate zielen dagegen direkt auf die Krebszellen ab, indem sie etwa die Blutzufuhr der Tumore blockieren. «Dank unserer Medikamente können die Patienten ein längeres und besseres Leben führen», sagt Roche-Mann Heinzer.
Die Wirksamkeit der angeblichen Wunderpillen ist jedoch umstritten. «Selbst die Studien der Pharmafirmen weisen bei vielen Präparaten nur einen geringen Nutzen nach», sagt Buchautorin Wild. Zwar hemmten manche Mittel für einige Zeit das Tumorwachstum. «Die tatsächliche Lebensverlängerung ist aber häufig nur minimal.»
Zu diesem Schluss kommt auch Reto Guetg, Vertrauensarzt des Krankenkassenverbands Santésuisse: «Angesichts der hohen Preise müssten die neuen Präparate deutliche Fortschritte bringen – das tun sie aber oft nicht.»
Cerny und die Schweizer Arbeitsgemeinschaft für klinische Krebsforschung wollen mehr wissen: In einer Studie mit 230 Patienten untersuchen sie, ob Avastin nützt gegen Darmkrebs mit Ablegern. Bei negativem Resultat werden die Kassen Druck machen, dass das Medikament aus der Grundversicherung verschwindet. In England ist das schon passiert, auch deutsche Kassen wollen Avastin nicht länger übernehmen.
Cerny hofft, dass sich dies in der Schweiz vermeiden lässt. «Folge wäre eine Zwei-Klassen-Medizin, in der sich nur wohlsituierte Patienten die neusten Präparate leisten können.»
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Mutig Buchautorin Claudia Wild. (ZVG)