So teuer ist sparen Die Kassenwechsel kosten 65 Millionen

  • Aktualisiert am 19.01.2012
  • Von Marcel Speiser

Dieses Jahr wechselt fast jeder Fünfte die Krankenkasse. Das kostet die Versicherer 65 Millionen Franken – mindestens.

Jetzt haut es den Prämienzahlern den Nuggi raus. Sie haben endgültig genug von den ständig steigenden Kosten in der Grundversicherung – und wechseln in Scharen zu einer billigeren Kasse.

Stimmen die Umfragen der Internet-Vergleichsdienste Comparis oder Bonus, wechseln dieses Jahr 18 Prozent der Versicherten oder 1,3 Millionen Personen die Kasse.

Verglichen mit dem Vorjahr wollen damit 50 Prozent mehr Leute die Kasse wechseln. Eine regelrechte Völkerwanderung!

Und das ist gut so: Wechseln ist die beste Möglichkeit, Geld zu sparen. Es zwingt zudem die Kassen im Wettbewerb, sparsam mit den Prämiengeldern zu haushalten. Wären alle Versicherten bei der für sie günstigen Kasse, könnte jeder im Schnitt gut 750 Franken sparen.

Wechseln ist aber nicht gratis. Es verursacht bei den Krankenkassen Kosten in Millionenhöhe.

Wie hoch der Betrag genau ist, weiss weder der Krankenkassenverband Santésuisse noch die Aufsichtsbehörde im Bundesamt für Gesundheit.

BLICK hat deshalb versucht, die Wechselkosten zu schätzen. Resultat: Bei 1,3 Millionen Wechslern sind es zwischen 65 und 100 Millionen Franken. Das entspricht 0,3 bis 0,5 Prämienprozenten.

Die BLICK-Schätzung basiert auf Angaben eines Branchen-Insiders. Demnach kostet es eine Kasse in einer Vollkosten-Rechnung rund 50 Franken, einen neuen Kunden aufzunehmen.

Dies vorausgesetzt, der Kunde meldet sich selbst und übers Internet an. Greift er zum Telefon, kostet nur schon die Offerte rund 100 Franken. Ebenfalls teurer wirds, wenn sich die Kunden über kommerzielle Vergleichsdienste wie Comparis anmelden. Denn die erhalten für jede Offertvermittlung 45 Franken von den Kassen.

Am teuersten schliesslich ist ein neuer Kunde, wenn er über einen Vermittler wechselt. Dann werden im Schnitt gut 500 Franken Provision fällig!

Das heisst: Die 65 bis 100 Millionen Franken sind sehr konservativ gerechnet.

Wer als kostenbewusster Versicherter für sich selbst und die Allgemeinheit sparen will, vergleicht die Grundversicherungs-Prämien am besten beim Bundesamt für Gesundheit (gratis, keine Provisionen) und meldet sich dann via Internet bei der billigsten Kasse an.

Kommentar

Wechseln, bis das System besser wird

Was können Versicherte tun, wenn sie sich über zu hohe Krankenkassen-Prämien ärgern?

Ganz einfach: die Kasse wechseln! Denn die Leistung in der Grundversicherung ist bei allen Kassen die gleiche. Nur die Preise unterscheiden sich massiv.

Trotzdem wechselte in den vergangenen Jahren nur ein verschwindend kleiner Teil der Versicherten auch tatsächlich zu einer günstigeren Kasse. Besonders schlaue Politiker und auch Journalisten folgerten daraus: offensichtlich sei der Leidensdruck durch die stetig steigenden Prämien nicht sehr hoch.

Doch dieses Jahr wollen fast 20 Prozent der Versicherten ihre Kasse wechseln. Aber statt sich zu freuen, dass der Markt zu spielen beginnt, machen die Kassen plötzlich eine ganz andere Rechnung.

Jeder Wechsel kostet. Und Kosten werden wieder auf die Versicherten überwälzt. Je mehr die Leute also wechseln, desto höher steigen die Prämien. Rund 100 Millionen Franken sollen die Wechselkosten ausmachen, vielleicht auch mehr. Das entspricht mindestens einem halben Prämienprozent.

Müssen wir Versicherte jetzt ein schlechtes Gewissen haben? Nein! Denn der Kassenwechsel ist die einzige Waffe, die dem Einzelnen gegen den Prämien-Wahnsinn bleibt. Je mehr Versicherte die Kassen wechseln, desto mehr gerät das System unter Druck.

Der Massen-Wechsel ist volkswirtschaftlich unsinnig, sagen manche Experten. Mag sein. Aber er ist längst nicht so irrsinnig wie das aktuelle Krankenkassen-Regime.

Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Wie halten Sie es mit der Krankenkasse? Jedes Jahr zur günstigsten Wechseln? Murrend die Prämienerhöhung schlucken? Und was könnte man am System verändern? Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

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