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Weil die Lebenserwartung gestiegen und die Renditen gesunken sind, müssen die Renten von heute 7000 Franken pro 100000 Franken Sparkapital auf 6400 Franken gesenkt werden. Das schlägt uns der Bundesrat für die Abstimmung vom 7. März vor.
Was uns der Bundesrat jedoch verschweigt, ist dies: Wer auf Grundlage derselben Annahmen ausrechnet, ob die aktuell rund 750 Milliarden Franken Vermögen der Pensionskassen überhaupt noch reichen, um die versprochenen Renten zu garantieren, der entdeckt gewaltige Löcher. Es fehlen mindestens 100 Milliarden Franken. Der Pensionskassen-Experte Professor Martin Janssen von der Universität Zürich schätzt den Fehlbetrag gar auf das Doppelte: «Um die Kassen zu sanieren, müssten die neu gesprochenen Renten um mindestens ein Viertel gekürzt werden», sagt er.
Die Fakten: Nach der Botschaft des Bundesrats können die Kassen einen Rentenumwandlungssatz (siehe Kasten) nur garantieren, wenn sie einen Kapitalertrag von 4,9 Prozent erzielen. Das ist jedoch unrealistisch. Seit 2000 schwankt die jährliche Durchschnittsrendite der Pensionskassen um die 2,5 Prozent. Der Bundesrat selbst, beziehungsweise seine Experten, schätzen die künftig erzielbare Rendite auf 3,3 bis 4 Prozent. Setzt man den mittleren Wert von 3,65 Prozent in die Rechnung des Bundesrats ein, zeigt sich, dass die Pensionskassen und Sammelstiftungen statt 750 gut 860 Milliarden Franken Kapital bräuchten, um die Renten finanzieren zu können.
Im Bericht des Bundesrats steht von diesen Fehlbeträgen nichts. «Natürlich nicht», meint Janssen, «diese Zahlen sind viel zu heiss. Sie bedeuten, dass vor allem Kassen mit vielen Rentnern praktisch pleite sind.» Janssen vermutet auch, dass die Rendite aus politischen Gründen zu hoch angesetzt wurde. Janssen, der Pensionskassen bei der Anlagestrategie berät, hält «höchstens 2 Prozent» für realistisch. Begründung: Die Pensionskassen können die Renten nur garantieren, wenn sie sich am Kapitalmarkt mit sicheren Anlagen abdecken.»
Rechnet man mit bloss 2 Prozent Rendite, steigt die Finanzierungslücke auf rund 250 Milliarden Franken. Weil niemand so viel Geld nachzahlen kann oder will, sieht Janssen nur noch eine Möglichkeit, die Pensionskassen vor dem Bankrott zu retten: «Die neu gesprochenen Renten müssen während einer Übergangsfrist um mindestens 25 Prozent gekürzt werden. Dafür werden diesen Renten kaum noch durch die Inflation entwertet.»
Und es eilt, denn der «Bremsweg» wird immer länger. Jeder neue Rentner, der jetzt noch von einem zu hohen Umwandlungssatz profitiert, frisst den künftigen Rentnern das Ersparte weg. Janssen erläutert das an einem Beispiel: Die Pensionskasse A hat ein Kapital von 100 Millionen, das 2Prozent oder 2 Millionen Franken abwirft. Die Hälfte des Kapitals haben die heutigen Rentner angespart. Wegen ihres hohen Umwandlungssatzes beanspruchen die Rentner aber 5 Prozent Zins von ihren 50 Millionen, also 2,5 Millionen Franken. Die Alten knöpfen den Jungen einen Strafzins ab. Die Jungen verlieren so zunehmend das Interesse an ihren Pensionskassen.
Für Janssen ist deshalb klar: «Die heute geltenden Umwandlungssätze enteignen die jungen Erwerbstätigen. Sie müssen dringend gesenkt werden.»