Chefökonom Klement zum EU-Krisengipfel in Brüssel Die grosse Erlösung wirds nicht geben

  • Publiziert: 12.16 Uhr, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Interview: Ulrich Rotzinger

Joachim Klement von Wellershoff & Partners erkärt im Interview, was nach dem «Tag der Entscheidung» auf die Schweizer zukommt.

Herr Klement, gegen 18 Uhr beginnt heute der Showdown in Brüssel. Können wir morgen aufatmen?
Da muss ich leider enttäuschen, der grosse Befreiungsschlag wird ausbleiben.

Warum das jetzt?
Es fehlt der Politik immer noch an Willen dazu. Sie wird aber versuchen, den Märkten wieder Vertrauen zurückzugeben. Zum Beispiel durch eine Zwangskapitalisierung europäischer Banken oder ein Aufblähen des Rettungsschirms.

Wenn beides auf den Tisch kommt, was heisst das dann für uns in der Schweiz?
Solange unsere Ersparnisse bei Schweizer Banken sind, brauchen wir nichts zu befürchten. Auf den Frankenkurs zum Euro und Dollar dürfte der Ausgang des Krisentreffens kaum einen Einfluss haben. Schweizer Bankaktien könnten kurzfristig steigen.

Und was ist mit unserer Wirtschaft?

Die wird sich auf einen kalten Winter einstellen müssen, eine Rezession wird immer wahrscheinlicher. Weil die Exporteure leiden, wird die SNB den Franken noch mehr abschwächen müssen.

Tag der Entscheidung

Hier ein Überblick über die Abläufe und die zu klärenden Punkte:

12.00 Uhr – Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht im Bundestag. Dann folgt eine etwa zweistündige Debatte, vor allem über den wirksameren Einsatz der Kredite des Euro-Rettungsschirms EFSF.

14.00 Uhr – Abstimmung über einen fraktionsübergreifenden Entschliessungsantrag von Union, FDP, SPD und Grünen, der sich für einen effektiveren Einsatz des EFSF ausspricht und der Kanzlerin klare Aufträge für die Verhandlungen in Brüssel mitgibt.

18.00 Uhr – Beginn des EU-Gipfels in Brüssel. Anwesend sind die 27 Staats- und Regierungschefs. Sie werden nach derzeitigem Stand nicht über die Beteiligung der Banken an einer Griechenland-Umschuldung und deshalb auch noch nicht über die Vorschriften zur Bankenrekapitalisierung entscheiden können.

19.30 Uhr – Beginn des Euro-Zonen-Gipfels mit den 17 Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone. Hier soll über die genaue Hebelung des EFSF entschieden werden.
play Joachim Klement, Chefökonom bei Wellershoff (ING)

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