Nicolas Hayek (†82) Die ganze Welt trauert um den Uhren-Papst

  • Publiziert: 29.06.2010, Aktualisiert: 02.01.2012

ZÜRICH – Medien auf der ganzen Welt erinnern an Nicolas Hayek. Und alle sind sich einig: Er war nicht nur ein genialer Unternehmer. Sondern auch eine faszinierende Persönlichkeit.

Haig Simonian, der Zürcher Korrespondent der «Financial Times», nennt Nicolas Hayek einen «schillernden Geschäftsmann». Er sei eine der innovativsten Persönlichkeiten der Schweiz gewesen. Die «FT» erwähnt nicht nur Hayeks Verdienste um die Uhrenindustrie. Sie hebt auch hervor, dass Hayek auch zu brisanten Themen wie die Abzockerlöhne der Banker Stellung bezog. Und erwähnt, dass Hayek immer mindestens zwei Uhren an jedem Handgelenk getragen habe.

Er wollte noch in Australien surfen...

Coleby Nicholson, Redaktor von «Jeweller», Australiens führendem Magazin für die Schmuckindustrie, erinnert sich an sein Interview mit Hayek an der Art Basel 2005. Er habe ihn gefragt: «Man hat Ihnen schon viele Spitznamen anhängt. Welcher zaubert Ihnen ein Lächeln ins Gesicht? Hayek (lachend): Etwas, was ich erst vor zwei Tagen hörte: Lord of Watches, Herr der Uhren.» Er habe ihn dann nach Australien eingeladen, zum Bodysurfing. Hayek habe laut gelacht: «Ich bin jetzt 77. So was habe ich nie gemacht. Warum nicht?»

Die «New York Times» erinnert daran, dass Hayek als Berater von den Banken eigentlich geholt wurde, um die serbelnden Schweizer Uhrenfabriken möglichst effizient zu schliessen. Doch der geniale Geschftsmann habe das Potenzial der Schweizer Uhrenindustrie erkannt und diese zu ungeahnten Höhen geführt.

Dabei habe er seine Eitelkeit voll ausgelebt. So habe er Journalisten jeweils erzählt, wofür die drei Buchstaben SMH (der Name von Hayeks ursprünglicher Uhrenfirma, Société de Microélectronique et dHorlogerie SA, später Swatch Group) in Wahrheit stand: «Sa Majesté Hayek», Seine Königliche Hoheit Hayek.

Kein biederer Schweizer Geschäftsmann

Das deutsche Magazin «Stern» schreibt: «Hayeks Idee einer farbenfrohen Wechseluhr fürs Armband begründete vor mehr als 25 Jahren einen wahren Kult. Die Swatch traf seinerzeit genau den Zeitgeist.» Und weiter: «Die ungewöhnliche Unternehmerpersönlichkeit, der mit Zigarre, mehreren Uhren an den Armen und offenem Hemdkragen auftrat, entsprach so gar nicht dem Typ des biederen Schweizer Geschäftsmannes. Doch Hayek hatte immer Visionen, war als ‹Patron› bei seinen Mitarbeitern äusserst beliebt.»

Im «Spiegel» heisst es: «Der Milliardär Hayek galt als ein Meister des Uhrenmarketings. Zugleich appellierte er immer wieder an die soziale Verantwortung des Unternehmers. Kaufleute dürften vorhandene, lebensfähige Firmen und damit Arbeitsplätze nicht zerstören, hatte er immer wieder betont.»

Im Geburtsland Hayeks, im Libanon, wird der Tod des Uhren-Bosses nur kurz erwähnt. «The Daily Star» in Beirut zitiert die Medienmitteilung der Swatch Group und erwähnt, die Familie sei in die Schweiz ausgewandet, als Nicolas sieben Jahre alt war, also 1935. (snx)

Schweigen in Asien

Ausgerechnet in Asien aber macht der Tod Hayeks keine Schlagzeilen. Kein Wort findet sich etwa auf den Homepages von Seiko oder Casio, den japanischen Uhrengiganten, deren billige Quartzuhren die schweizerische Uhrenindustrie fast in den Ruin trieben. Die führende japanische Zeitung, «Asahi Shimbun», erwähnt in ihrer englischsprachigen Ausgabe Nicolas Hayek nicht. Auch die «South China Morning Post» in Hong Kong findet es nicht nötig, über die Uhrenlegende zu berichten.

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