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Die Einwanderer: Flucht vor der Wirtschaftskrise: «Zu Hause hatte ich kein Geld fürs Studium. In der Schweiz putze ich»

Sie suchen Arbeit, ein besseres Leben. BLICK porträtiert Einwanderer, die wegen der Wirtschaftskrise ihr Land verlassen haben.

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Fast die Hälfte der jungen Arbeitnehmer ist in Portugal ohne Job. Monica Casimiro (29) kommt aus Vila Real im Norden Portugals. «Zu Hause hatte ich kein Geld fürs Studium», sagt sie. «Jetzt putze ich in der Schweiz.»

Eigentlich wollte sie sich zur Physiotherapie-Assistentin ausbilden lassen. «Ich war total frustriert. Meine Mutter wollte unter allen Umständen, dass ich das Studium durchziehe», erzählt sie. «Aber mit welchem Geld? Meine Eltern hätten sich gewünscht, mir helfen zu können. Aber ich wollte sie nicht ausnutzen. Sie haben selbst kaum Geld. Ich wollte nicht um jede Kleinigkeit bitten.»

Monicas Eltern gehen regelmässig nach Frankreich, um dort in der Landwirtschaft zu arbeiten. «Ich selbst war bereits zweimal in Frankreich. Man packt Früchte ein und bereitet sie vor. Das wäre auch eine Möglichkeit gewesen für mich», sagt die 29-Jährige. «Aber das ist natürlich ein kurzfristiges Ziel. In die Schweiz zu kommen, war viel attraktiver – vor allem, weil mein Bruder bereits hier lebt.»

Zuerst wollte Monica Casimiro hier nur genügend Geld verdienen, um sich das Studium leisten zu können. 1000 Euro bezahlt sie für ein Jahr, dazu kommen Kosten für Bücher, Lehrmaterial und Spesen.

In der Schweiz läuft für die junge Frau alles wie am Schnürchen. «Ich kam im November 2011 mit meinem Vater, um meine Nichte zu besuchen, die hier wohnt. Im Dezember hatte ich schon einen 100-Prozent-Job. Meine Schwägerin arbeitet in einem Putzinstitut. Sie hat mir einen Job vermittelt», erzählt Monica. Sie zieht nach Ober­rüti AG. «Mit der Arbeitsbewilligung ging ich zur Gemeinde und die stellte mir die B-Bewilligung aus. Für fünf Jahre. Das war ziemlich einfach.»

Inzwischen arbeitet Monica selbständig als Putzfrau. Sie hat verschiedene Haushalte, putzt manchmal auch Büros. «Es ist nicht mein Traumjob. Das ist keine Arbeit, die ich mein ganzes Leben lang machen will», sagt die junge Portugiesin. «Aber irgendjemand muss halt putzen. Und wenn es zurzeit so ist, dann muss man sich arrangieren.»

Aktuell verdient Monica Casimiro rund 4000 Franken im Monat. «Wenn Ferien sind, habe ich einen Lohnausfall. Und manchmal habe ich Aufträge, die über das Wochenende dauern. Das gibt gutes Geld und hilft am Ende des Monats, die Löcher zu stopfen.»

Seit Dezember ist Monica verheiratet. Ihr Mann Ricardo, in Portugal Polizist, fand in Rotkreuz ZG eine Anstellung als Maschinenmonteur. «Er hat sich das quasi ‹learning by doing› angeeignet.»

Deutsch spricht die Portugiesin noch wenig, sie schlägt sich mit Englisch durch. «Da ich anfangs immer abends gearbeitet habe, hatte ich keine Zeit, um einen Deutschkurs zu besuchen. Jetzt gehe ich zweimal pro Woche», erzählt Casimiro. «Ich habe mich erkundigt, doch hier kriegen nur Asylbewerber einen Integrations- und einen Deutschkurs bezahlt. Wir nicht. Ich bin selbst dafür verantwortlich.» Mit einzelnen Wörtern, Händen und Füssen kann sie sich gut durchschlagen.

In der Schweiz gefällt es ihr sehr gut. «Hier ist alles viel sau­berer und ordentlicher als in Por­tugal. Deswegen fühle ich mich hier wohl. Ich vermisse natürlich meine Leute und mein Land. Aber ich bin dermassen beschäftigt, dass ich gar keine Zeit habe, um traurig zu sein. Wenn ich beginne, traurig zu sein, rufe ich zu Hause an. Dann geht es wieder.»

Zurzeit besteht ihr Leben aus arbeiten und nach Hause kommen. In der Zukunft soll sich das ändern: «Ich möchte Kinder, aber nicht nur Hausfrau sein. Mein Ziel ist es, dass ich hier die­selbe Ausbildung machen kann, die ich in Portugal begonnen habe. Und eines Tages würde ich gern in einem Spital arbeiten, das wäre mein Traum.»

Bedrohen Einwanderer unseren Wohlstand?»

Beliebteste Kommentare

  • Concolor  Shalako
    Wenn man eine solche positive Erscheinung und Einstellung zur Situation, wie es Frau Casimiro hat, putzt diese Portuguisin nicht mehr lange.

    Sie vertritt eine Mentalität die wir gerne integrieren.

    Es gibt viel zu viel andere Fremde, die leider den Profit und uns ausnützen im Vordergrund sehen.
  • Oskar  Mate
    So einfach geht das bei uns; man besucht zufälligerweise seine Nichte, fabriziert einen Arbeitsvertrag und erhält mal so schnell für 5 Jahre eine B Lizenz für die Schweiz. Muss ich wirklich mit ganz Europa Mitleid haben, oder ist es nicht so, dass die Europäer ihre Probleme nicht endlich selbst lösen sollten? Die sollen mal ne rechte Regierung wählen, dann gehts auf wieder aufwärts!

Alle Kommentare (28)

  • rita  von arx
    wieviele schweizer putzfrauen kommen nicht auf 4000.-fr.viele familien-väter können nicht im traum-job arbeiten.!?die arbeiten ja beide und müssen löcher stopfen!!!¨¨..eine familie mit 2kindern hat manchmal auch nicht mehr hoffentlich weden die beiden kein soziafall vielleicht platzt ihr traum auch .mann kann auch hoffen!
  • Daniel  Keller , Bülach
    Schon komisch. Ich bin 58, suche seit 4 Jahren einen Job, finde nichts, überall heisst es, sie passen nicht ganz genau in unser Profil. Ich habe es auch schon auf dem zweiten Arbeitsmarkt probiert mit fast identischen Ergebnissen. Ich bin einfach ein alter Sack. Ich habe eine gute Ausbildung als diplomierter Industrieeinkäufer und Berater, bin kerngesund und sehr aktiv und finde keine Arbeit. Kommt eine Portugiesin mit 29 ins Land, und hat einen 100 Prozent Job nach einem Monat. Irgendwie erzürnt mich das berechtigterweise.
    • Ben Salam  Ibn Basa , via Facebook
      Tja Herr Keller, diese Portugiesin arbeitet für einen Bruchteil Ihres Lohns und das ist das Einzige was heutzutage zählt - Hauptsache billig!!!!
      • 19.03.2013
      • als Kommentar auf Daniel  Keller , Bülach
      • 57
      • 11
  • Peter  Vojtila , Luzern
    Und wieder einmal muss die Schweiz für die Probleme der maroden EU-Länder herhalten. Ich bin ja grundsätzlich nicht abgeneigt, dass ein Ausländer sein Glück in der Schweiz versucht, aber unser Land platzt ja schon aus allen Nähten. Und wieder eine freie Wohnung weniger, was sich wiederum auf die Mietzinspreise auswirkt.
  • Peter  Vojtila , Luzern
    4000 Franken fürs Putzen? Ich kenne Leute, die machen dies für 2500 Fr. im Monat. Ich möchte mal wissen, wieviel ein Lehrer oder Beamter in Portugal verdient. Also bitte. Kommt mir nicht mit dieser Platte. Die Frau ist sehr gut bedient in der Schweiz
  • Kay  Stutz
    In die Schweiz kommt man Grundsätzlich nur um Kohle zu verdienen. Es gibt keinen Grund hier bleiben zu wollen wenn man die Abneigung überhaupt tolerieren kann, die die Schweizer Gesellschaft einem Ausländer entgegenbringen.
    • Fred  Bartlome
      Lieber Herr Stutz haben Sie das Gefuehl, dass Sie in einem dieser Pleite Euro Laender mit grossem Wohlwollen und all den Annehmlichkeiten, welche die Schweiz Einwanderern bietet, aufgenommen wuerden. Ich verbrachte mehr als 20 Jahre im Ausland und spreche aus Erfahrung.
      • 18.03.2013
      • als Kommentar auf Kay  Stutz
      • 57
      • 4
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