Bekommen Lehman-Opfer doch Geld zurück? Die CS wird weich

Der Druck zeigt Wirkung: Hinter den Kulissen arbeitet die Bank fieberhaft an einem Plan für Entschädigungszahlungen.

  • Publiziert: 23.09.2008, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Daniel Meier
play Entschädigung: No comment — das heisst nicht Nein. (ZVG)

Am Anfang gab sich die Credit Suisse eiskalt. Obwohl viele ihrer Kunden durch die Pleite der US-Bank Lehman Brothers ihr Erspartes verloren haben, stritt sie jede Verantwortung ab. Sie habe die strukturierten Anlageprodukte von Lehman zwar verkauft, erklärte die CS immer wieder. Aber weil der Kapitalschutz auf den Wertpapieren nicht von ihr garantiert werde, sondern von Lehman, müsse sie nicht für den Schaden geradestehen.

Doch nun zeigt der massive Druck durch die betroffenen Kunden Wirkung. Die harte Haltung der Grossbank beginnt sich aufzuweichen.

Hanspeter Kurzmeyer, Chef des Schweizer Privatkunden-Geschäfts der CS, sicherte gestern im BLICK-Interview zu, er wolle prüfen, ob seine Berater ihren Job richtig gemacht haben. Und: «Sollte ein offensichtlicher Fehler von unserer Seite vorliegen, werden wir das ganz genau anschauen.»

Damit öffnet der CS-Manager die Türe – wenigstens einen Spalt weit. Derzeit arbeitet die Bank offenbar an einem Konzept. Denn sie will nun doch einigen Lehman-Opfern eine Entschädigung zahlen. Der Beschluss scheint aber noch nicht gefasst. «Kein Kommentar», sagt ein CS-Sprecher.

Aber wie wird entschieden, wer Geld bekommt und wer nicht? Die Kritierien müssen sehr genau formuliert sein. Sonst sind Streitfälle programmiert.

Ein wunder Punkt ist sicher, dass einige Betroffene von ihrem CS-Banker mehrfach aufgefordert wurden, ihr Geld vom Sparkonto abzuheben und in Lehman-Papieren anzulegen. Und noch schlimmer: das Klumpenrisiko. Denn mehrere Anleger haben fast ihr ganzes Geld in ein Lehman-Papier gesteckt.

Banken-Ombudsmann Hanspeter Häni äussert sich nicht zu konkreten CS-Fällen. Aber im Grundsatz stellt er klar: «Wenn einem Kleinanleger empfohlen wird, den Grossteil oder sein ganzes Vermögen in ein einziges strukturiertes Produkt zu investieren, dann ist das eine krasse Fehlberatung – auch wenn das Produkt kapitalgeschützt ist.»

Wer also belegen kann, dass ihm sein CS-Berater zu einem Lehman-Klumpen geraten hat, der darf eher auf eine Entschädigung hoffen.

Wie viele CS-Kunden betroffen sind, ist nach wie vor unklar. BLICK liegen inzwischen 37 Fälle von Lehman-Opfern vor. Alle sind CS-Kunden. Im Schnitt haben sie 80 000 Franken investiert.

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