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Es ist grotesk. Während die US-Regierung laufend Löcher stopft und wir Schweizer um unsere Rente bangen, schwillt die globale Kredit- und Schuldenflut weiter an. Die US-Haushalte geben immer noch mehr aus als sie einnehmen. Der Irak-Krieg wird weiterhin mit ungedeckten Schecks aus dem Ausland finanziert. Die USA werden auch dieses Jahr für gut 700 Milliarden Dollar mehr importieren als exportieren.
Doch an diesen 700 Milliarden hängen weltweit über 15 Millionen Arbeitsplätze. Die Amerikaner verprassen zwar unsere Rente – sichern aber damit auch unsere Jobs. Bricht die US-Konsum- und Schuldenmaschine ein, ist die Weltkonjunktur erst recht im Eimer. Wie konnten wir nur in diese Zwickmühle geraten?
Beispielsweise mit dem volkswirtschaftlich unsinnigen Experiment namens BVG – der 2. Säule. Will ich meine Rente mit Kapital decken, muss ich bis zur Pensionierung Bankguthaben, Aktien, Obligationen und Staatsanleihen im Wert von rund 15 Jahreslöhnen anhäufen.
Dazu brauche ich Schuldner, die bereit sind, mein Geld entgegenzunehmen und nach 40 Jahren mit Zins und Zinseszins zurückzuzahlen. Die Altersvorsorgesysteme haben sich zu riesigen Wertpapier-Schleudern entwickelt.
Inzwischen hat sich auch der globale Standortwettbewerb zu einer Quelle massiver Verschuldung entwickelt. Beispiel Deutschland: Unser Nachbar versucht seit Jahren erfolgreich, dank tiefer Löhne die Exportüberschüsse zu erhöhen. Seit 2000 ist deshalb der Anteil der Löhne am Volkseinkommen von 72,2 auf 63,7 Prozent gesunken. Das bedeutet jährlich rund 150 Milliarden Euro weniger Konsum. Die Rechung geht nur auf, wenn jemand die Überschüsse kauft – und sich entsprechend verschuldet.
China tut mit seiner künstlich billig gehaltenen Währung dasselbe. Auch die Schweiz und Japan exportieren mehr als sie importieren. Die Überschüsse der einen sind die Defizite der andern (siehe Tabelle). Die weitaus grössten Defizite entstehen in den USA. Das ist auch einer der Gründe, warum die längst überfällige Krise schliesslich dort ausgebrochen ist.
2007 belief sich das US-Leistungsbilanzdefizit auf 739 Milliarden. Seit 2002 haben sich die US-Schulden gegenüber dem Ausland um fast 8000 auf 15507 Milliarden Dollar erhöht (siehe Tabelle). Dass die USA Schulden anhäufen und entsprechende Wertpapiere in Umlauf geraten, war bis vor kurzem erwünscht. Schliesslich wollten die Chinesen, Deutschen und Schweizer Reserven anlegen und Wertpapiere horten.
Dass diese Schulden vor etwa einem Jahr ein kritisches Mass erreicht haben, liegt vor allem an den Hypothekenschulden, die jährlich um gut 1000 Milliarden zugenommen und jetzt einen Pegelstand von 14644 Milliarden Dollar erreicht haben.
Diese aus den Überschussländern gespeiste Kreditschwemme hat von 2001 bis 2006 zu einer Verdoppelung der US-Immobilienpreise geführt. Die Einkommen der US-Haushalte und Hyposchuldner sind aber nur um 18 Prozent gestiegen. Das konnte nicht gut kommen. Inzwischen können 6,35 Prozent aller Hypokredite in den USA nicht mehr bezahlt werden. Die Immobilienpreise sind um 19 Prozent gesunken.
Das sind Wertverluste von mehreren Tausend Milliarden Dollar. Sie treffen auf ein Bankensystem, das eng vernetzt, aber äusserst dünn kapitalisiert ist. Bei der UBS etwa lag das Eigenkapital zeitweise unter 2 Prozent der Bilanzsumme. Damit waren Crash und Krise programmiert.
Jetzt wird das globale Finanzsystem praktisch verstaatlicht. Doch das reicht nicht. Der Kern des Übels liegt in der Weltwirtschaftsordnung. Um die Kreditschwemme zu stoppen, braucht es globale Spielregeln für die Handels-, Lohn- und Währungspolitiken. Ländern, die sich mit Lohn- und Währungsdumping Vorteile zu Lasten der andern erschleichen, muss die Rote Karte gezeigt werden. Und die Schweiz? Wir müssen die zweite Säule zurückstutzen und dafür die AHV ausbauen. Nur so können wir in Zukunft unsere Rente selbst verprassen – ohne dabei den Job zu verlieren.