Bankier-Chef Roth: Deutschland, bring uns den Datendieb!

  • Publiziert: 05.02.2010, Aktualisiert: 14.01.2012

BERN – Mit allen Mitteln will die Bankiervereinigung das Bankgeheimnis retten, sagt Geschäftsleiter Urs P. Roth. Ausserdem sollen die Deutschen den Namen des Datendiebes preisgeben.

Einen solchen massiven Eingriff in die Privatsphäre könne die Schweiz nicht akzeptieren, sagte der Geschäftsleiter der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg), Urs P. Roth, in einem Interview mit der «Berner Zeitung».

Äusserungen von Bundesrat Hans-Rudolf Merz, die vermuten lassen, dass für die Schweiz auch ein automatischer Informationsaustausch nun eine Option wäre, haben die Bankiers verstimmt: «Solche Aussagen sorgen für Unsicherheit», kritisierte Roth.

Abgeltungssteuer soll Datenaustausch verhindern

Die SBVg plädiert für das Modell einer Abgeltungssteuer und Doppelbesteuerungsabkommen (DBA). Die Verhandlungen mit Deutschland über ein neues DBA müssten «in klarer Sprache geführt werden». Das Abkommen dürfe erst ratifiziert werden, wenn die aktuelle Affäre erledigt sei. «Da muss man sicher mit harten Bandagen kämpfen.»

Die Schweiz müsse denn auch Forderungen im Zusammenhang mit dem Daten-Diebstahl stellen, sagte Roth. Deutschland müsse insbesondere den Namen des Datendiebs preisgeben, damit die Schweiz gegen diese Person ein Strafverfahren einleiten könne.

Einladung an Datendiebe

Dass Deutschland für geklaute Bank-Daten aus der Schweiz zahlt, findet Roth «eine Ungeheuerlichkeit». «Dass ein Rechtsstaat Unrecht mit Unrecht vergilt, geht doch einfach nicht.»

Für Roth ist klar, dass Steuerhinterziehung international geahndet werden müsse. Deutschland halte sich aber nicht an die Spielregeln. Das Vorgehen Deutschlands komme einer Einladung an potenzielle Datendiebe gleich. (SDA)

play Der abtretende Geschäftsführer der SBVg: Urs P. Roth. (Keystone)

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