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«Die letzten zwei Wochen waren brutal», sagt René Buchwalder. Für den Geschäftsführer von Pro Aurum Schweiz, welches zu den ersten privaten Handelshäusern für Münzen, Barren und Edelmetalle zählt, schlägt der Ansturm auf Goldbarren- und Münzen in Deutschland bisher Dagewesenes.
Es sei schlimmer als in den Tagen nach dem Lehman-Crash. Und das, obwohl durch die EU-Regierungen ein zweiter Fall Lehman in Form eines griechischen Staatsbankrotts abgewendet wurde, ergänzt Edelmetall-Analyst Thorsten Proettel von der Landesbank Baden Württemberg.
In Webforen und Analystenberichten wird von zusammenbrechenden Telefonleitungen und Online-Shops von deutschen Goldhändlern berichtet, die unter der massiven Nachfrage einknickten. Diese waren dem Ansturm nicht gewachsen und mussten ihre virtuellen Pforten aufgrund der hohen Nachfrage schliessen.
Die Beschreibungen kommen dem nahe, was man sich für gewöhnlich unter dem kalifornischen Goldrausch, dem Wettlauf um die besten Claims, vorstellt. «Der Kunde fragt momentan gar nicht mehr, wieviel er zahlen muss», so der ehemalige UBS-Chefhändler Buchwalder. Alles, was zähle sei, dass man etwas bekomme.
Buchwalder warnt: Schweizer Anleger sollten aufpassen, um nicht hinten anstehen zu müssen. Denn aus Deutschland komme eine neue Käuferwelle in die Schweiz: «Die Bestände in Deutschland sind leer. Wegen der Wartezeiten schwärmen Goldanleger jetzt wie Heuschrecken in die Schweiz», weiss Buchwalder. In den letzten Tagen hat sein Unternehmen etliche Mails und Telefonanrufe aus Deutschland erhalten. Auch proaurum.ch ächzte unter der Last der Internet-User. Ebenfalls seien die ersten deutschen Kunden schon physisch in der Filiale in Kilchberg ZH aufgetaucht.
Eine Umfrage von cash bei führenden Schweizer Banken bestätigt den Goldrausch. Auch an den Schaltern der Banken kommt es zu einem Massenauflauf. «Seit rund drei Wochen werden massiv mehr physische Edelmetallgeschäfte getätigt als sonst», sagt Sibylle Umiker, Sprecherin bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Früher hatte die zentrale Edelmetallversorgungsstelle täglich rund 20 bis 30 Edelmetallkäufe abzuwickeln. Aktuell liegen dieser Stelle rund 140 Bestellungen vor, was rund einer Versiebenfachung der Edelmetallkäufe entspreche, so Umiker.
Ebenfalls deutlich mehr physische Edelmetallgeschäfte verzeichnet UBS. «Es gibt gewisse Münzen, die aufgrund der gestiegenen Nachfrage nicht sofort geliefert weren können», sagt Sprecherin Dominique Scheiwiller. Je kleiner die Barren- und Münzeinheiten, desto beliebter seien diese momentan. Der Grund: Kleine Einheiten sind leichter handelbar und fallen noch unter die Grenze, wo man anonym bleiben kann. Dafür sind bei den Banken die Gebühren für kleinere Einheiten höher (Klippen beim Goldkauf). Weil Goldkäufe anonym getätigt werden können bleibt unklar, wie hoch der Anteil deutscher Edelmetallkäufer ist.
Unter den befragten Banken wollte nur Credit Suisse keine Angaben zu den Goldverkäufen machen.
Bei der Bank Julius Bär gab es keine Wartezeiten. Sprecher Martin Somogyi beobachtete eine starke Zunahme der Nachfrage nach Barren und Münzen, aber auch Anlagen in physisch hinterlegte Goldfonds. Beispielsweise erreichten Edelmetall-ETF der ZKB Rekordhochs im Mai (cash berichtete).
Erstmal tief durchatmen, heisst es gegenwärtig bei Pro Aurum. Der Goldhändler hat vorausschauend im April eine zweite Filiale in der Schweiz eröffnet. «Angesichts zunehmender Inflationsängste, vor allem in Deutschland, und weiter steigender Goldpreise erwarten wir eine Zunahme der Nachfrage», so Buchwalder.
Natürlich spielen die Aussichten auf einen steigenden Goldpreis eine gewichtige Rolle. Die Preisziele der Banken lassen eine Fortführung der Rally erwarten. Gegenwärtig notiert das Edelmetall mit 1207 Dollar je Unze rund 43 Dollar unter dem Allzeithoch der Vorwoche.
Dass die neue Pro Aurum-Filiale ausgerechnet in Lugano steht, hat übrigens seinen Grund. «Das Tessin ist bei Deutschen sehr beliebt und die Nähe zu Italien ist ebenfalls nicht zu verachten», sagt Buchwalder.
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Unzählige Privatanleger kauften in den vergangenen Wochen Goldbarren und -münzen.