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Eine Saftwurzel ist dieser Mann. Und deshalb immer wieder für markige Sätze gut.
Die USA, schrieb Bankier Konrad Hummler (58) vor zweieinhalb Jahren in einem seiner Anlagekommentare, gehöre zu den «aggressivsten Nationen der Welt». Die «atemberaubende Doppelmoral» der Amerikaner könne nur eine Konsequenz nach sich ziehen: Amerika Goodbye zu sagen. Fortan bestieg er nie mehr ein Flugzeug in Richtung USA.
Deutschland bezeichnete er bei anderer Gelegenheit als Unrechtsstaat, in dem Kapitalflucht eine Art Notwehr gegen den übergierigen Fiskus darstelle.
Jetzt ist Hummler auf dem Schlamm, mit dem er so gern um sich geworfen hat, ausgerutscht.
«eine optimale Ergänzung» zur Raiffeisen-Gruppe
Im Zuge eines Notverkaufs lagerten er und die anderen Teilhaber der Privatbank Wegelin & Co. das Schweizer Geschäft in die Notenstein Privatbank aus. Und verkauften diese an Raiffeisen. Der Chef der Genossenschaftsbank, Pierin Vincenz (55), griff gern zu: Die vermögenden Wegelin-Kunden stellten «eine optimale Ergänzung» zur Raiffeisen-Gruppe dar.
Wegelin-Geschäftsführer Hummler war Kopf und Herz des verkauften Geldhauses: Als er die kleine St. Galler Privatbank 1997 mit einem Partner übernahm, hatte die nur wenige Dutzend Angestellte. Inzwischen betreibt Wegelin Niederlassungen an 13 Standorten, beschäftigt 700 Mitarbeiter, verwaltet ein Vermögen von 24 Milliarden Franken.
Nun hat die «aggressivste Nation der Welt» die älteste Privatbank der Schweiz in die Knie gezwungen. Die USA werfen Hummler & Co. vor, sie hätten Amerikanern geholfen, Gelder vor dem Fiskus zu verstecken. Am 3.Januar wurden drei Wegelin-Banker in New York angeklagt. Die US-Behörden forderten Wegelin auf, die Namen ihrer US-Kunden offenzulegen; falls dies nicht geschehe, werde auch die Bank angeklagt.
Mit dem Verkauf bringt Hummler das Schweizer Geschäft wohl in Sicherheit. Andererseits wappnet er sich für den grossen Showdown: Kommt es tatsächlich zur Anklage, hängt Hummler mit drin – er ist es, der das US-Geschäft mit fünf anderen Teilhabern weiterhin führt.
Der Raiffeisen-Deal setzt Hummlers Lebenswerk also ein jähes Ende. Einem anderen Traditionshaus aber will er verbunden bleiben: Seit April 2011 amtet er als Verwaltungsratspräsident der «Neuen Zürcher Zeitung» (NZZ).
Die NZZ fand gestern lobende Worte für Hummlers Coup: Er nehme die US-Sicht nicht einfach als rechtssetzend hin; das Ende von Wegelin sei ein «Weckruf für die Schweiz», ihre Interessen und Werte hart und klug zu verteidigen.
Reputationsrisiko für die NZZ?
Hummler werden diese Worte gefallen, auch er betätigt sich als Publizist: Seine Anlagekommentare – oft giftig formulierte politische Abrechnungen – erreichen inzwischen mehr als 100 000 Abonnenten; die besten Texte brachte er 2010 in Buchform heraus.
Der NZZ-Redaktion gibt er schon mal den Tarif durch, wie letzten November in einem Interview: Die Aufgaben der Medien – auch der NZZ – bestünden darin, Propaganda zu durchschauen. Statt aufgemotzte Berichte von Bundesämtern zu drucken, sollten sie recherchieren und erklären, wer welche Interessen habe.
Die Nachfrage, ob dies auch eine Kritik an der NZZ sei, beantwortete Hummler unverblümt: «Natürlich. Würde ich mich nicht dauernd fragen, wo man besser werden kann, wäre ich ein toter Verwaltungsratspräsident.»
Und was ist mit der Berichterstattung über seinen eigenen Fall? Gegenüber «10 vor 10» beteuerte Hummler, er achte «peinlich genau» darauf, «dass ich der Redaktion nicht dreinrede».
Inzwischen muss er sich die Frage gefallen lassen, ob statt träger Journalisten möglicherweise er selbst zu einem Reputationsrisiko für die NZZ geworden ist.
Für eine aktuelle Stellungnahme war er gestern nicht erreichbar. Vor zwei Monaten sagte er zu SonntagsBlick, sein Rücktritt stehe frühestens nach einer rechtsgültigen Verurteilung zur Diskussion. Wer voreilig zurücktrete, schwäche seine Verhandlungsposition.
«Stimmt», sagt dazu der bekannte Kommunikationsberater Aloys Hirzel (62): Hummler erlebe einen «brutalen Absturz». Da sei es verständlich, dass er nicht alles aufgeben wolle. Allerdings, so Hirzel: «Es wäre der Sache wahrscheinlich dienlicher, wenn er sich bei der NZZ zurücknehmen würde.»
Ob Hummler weiterhin auf die bedingungslose Unterstützung der NZZ-Aktionäre und –Verwaltungsräte zählen kann, ist unklar.
Noch schliessen sich die Reihen. Der NZZ-Verwaltungsrat habe die Situation analysiert, sagt der ehemalige FDP-Parteipräsident und NZZ-VR Franz Steinegger (68) zu SonntagsBlick. Aus seiner Sicht bestehe «im Moment» kein Handlungsbedarf. Er schränkt allerdings ein, Hummlers Krach mit der US-Justiz dürfe «nicht zu einer unerträglichen Belastung führen».
Auch NZZ-Verwaltungsrat Jens Alder (54), Ex-Swisscom-CEO, stellt sich nicht vorbehaltlos vor Hummler: Zu SonntagsBlick sagte er: «Ich möchte zu der von Ihnen gestellten Frage keine Stellung nehmen.»
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