Der Textilmarkt reagiert auf den Klimawandel Warm erwischt!

ZÜRICH - Wintermode verkauft sich weniger gut, wenn es nicht mehr richtig kalt wird. Nun passen die ersten Händler ihr Sortiment an.

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Der Föhn liess Schuhverkäufer ins Schwitzen kommen: Die ersten reduzierten diese Woche ihre Preise für Winterstiefel. Ein Déjà-vu in Schweizer Einkaufsmeilen.

Schon 2015 wurden Mode-, Sport- und Schuhverkäufer bös erwischt, als der Herbst nicht kalt werden wollte. Mitte November hingen bereits Rabattschilder in den Schaufenstern. Da auch der Winter einem langen Herbst glich, hörte die Rabattschlacht nicht mehr auf. Händler blieben auf Winterkleidern und -schuhen sitzen.

Mehr Daunenjäckli (Bild), weniger Parkas. play
Mehr Daunenjäckli (Bild), weniger Parkas. Tobias Brunner

Die Modekette Chicorée etwa verzeichnete im letzten Jahr Umsatzeinbussen von zehn Prozent. «In den Monaten Oktober, November und Dezember haben uns der warme Herbst und Winter zugesetzt», sagte Sprecher Pascal Weber. Besonders Jacken und Strickwaren seien wenig gefragt gewesen.

Die Schuhverkäufer litten besonders. Ihre Umsätze seien im Vergleich zu 2014 um bis zu 15 Prozent zurückgegangen, erklärt Schuhschweiz-Präsident Dieter Spiess (68). Da die Händler ihre Ware zumeist ohne Rückgaberecht beschaffen, kauften sie für die jetzige Herbst- und Wintersaison «entsprechend vorsichtiger ein», so Spiess.

Nur noch eine dicke Parka-Jacke im Sortiment

Auch die Kleiderhändler reagieren: «Heute kommt man nicht an der Zwiebel vorbei. Das Wetter zwingt uns dazu», sagt André Tanner (56). Der Chef der Schweizer Modemarke Alp­rausch hat nicht etwa Gemüse ins Angebot genommen. Er spricht vom Zwiebelschalen-Prinzip und setzt nun auf den Verkauf von leichteren Kleidungsstücken, die man statt einer einzigen dicken Winterjacke in Schichten übereinander trägt.

Was dick gefüttert ist, scheint mit der spürbar zunehmenden Erwärmung immer weniger gefragt. Besonders seit Herbst 2015. «Jacken, Parkas und Mäntel haben sich schlecht verkauft», erklärt Alp­rausch-Chef Tanner. Auch sein Umsatzrückgang liegt bei zehn Prozent.

Auch Grosshändler reagieren

Deshalb nahm Tanner in diesem Jahr nur noch eine dicke Parka-Jacke ins Sortiment – und die auch nur in kleinerer Auflage. Stattdessen setzt er auf leichte Daunenjäckli oder Strick­jacken, die mit Fleece verwebt sind. Darunter passen Sweatshirts, von denen bei Alprausch nun zehn Prozent mehr über die Ladentheke gehen.

Auch Grosshändler reagieren auf die wärmeren Winter. Globus setzt auf «leichtere Teile» und Kollektionen, die «noch nicht hochwinterlich respektive hochsommerlich» sind, so Chefeinkäufer Reto Wai­dacher (52). 2015 fuhr man gut damit: «Da wir bereits damals bewusst eingekauft haben, waren die Umsatzeinbussen entsprechend moderat.»

Sporthändler reagieren ebenfalls auf den Klimawandel: Intersport setzt laut Marketingleiter Roger Riegendinger (34) auf «365-Tage-Sportarten» wie Laufsport, Fitness und Outdoor. Die machen aber den schleppenden Verkauf von Ski, Schlittschuhen und Co. nicht wett: Die Umsatzverluste bei Intersport lagen im letzten Winter im Vergleich zu 2014 im hohen einstelligen Bereich.

Publiziert am 27.11.2016 | Aktualisiert am 27.11.2016
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3 Kommentare
  •   28.11.2016
    Ist es nicht so, dass der Klimawandel begann, als die Eiszeit endete? Die Pflanzen werden grösser werden und vielleicht die Pflanzenfresser auch. Es kann, nach meiner Meinung, kein Klimawandel über nur 50 Jahre gemessen werden, Dazu müssten min. 1000 Jahre herhalten. Allerdings könnten all diese Forscher und Wissenschaftler kein Geld daraus schlagen...
  • Harry  Kant , via Facebook 27.11.2016
    Keine Ahnung was die Läden in der Schweiz machen. Seit gut 2 Jahren kaufen wir ausnahmslos alle Kleider in D oder I. Abgesehen vom wahnsinnigen Preisunterschied ist die Bedienung besser und die Auswahl an Farben und Marken grösser.
  • Thomas  Zürcher 27.11.2016
    Da sieht man mal wieder wie vieles vom Wetter abhängig ist.Nicht nur das zu warme und schneearme Wetter im Winter macht den Schweizer Detailhändlern in einem schwierigen Marktumfeld zunehmend zu schaffen sondern natürlich auch online Einkäufe und der Einkaufstourismus allgemein führen zu Milliarden Einbussen.