Euro-Krise Der starke Franken reisst die Börse ins Elend

  • Publiziert: 18.07.2011, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Philipp Albrecht
play Swatch-Chef Nick Hayek spricht von einer «katast- rophalen Situation». (rdb)

Ein Mini-Crash! Die Aktien der grössten Firmen haben seit Januar acht Prozent verloren.

Der Swiss Market Index (SMI) fällt und fällt. Seit Jahresbeginn haben die 20 besten Schweizer Aktien Milliarden Franken an Wert verloren.

Schuld daran ist hauptsächlich der starke Franken. Er pulverisiert die Gewinne der Grosskonzerne, was voll auf deren Aktienkurse durchschlägt.

«Katastrophalen Situation»

Swatch-Chef Nick Hayek spricht in einem Interview mit der «Finanz und Wirtschaft» von einer «katastrophalen Situation». Er gibt unumwunden zu: «Die Margen haben gelitten.» Sie seien bei der Swatch Group zwar «noch immer akzeptabel, wenn auch immer näher an der Schmerzgrenze».

Dabei hat es Hayek vergleichsweise noch gut: Die Swatch-Aktie ist einer von nur drei SMI-Titeln, die seit Anfang Jahr an Wert gewonnen haben.

Schlechte Nachrichten sind vorprogrammiert

Die Aussichten sind alles andere als rosig. Viele Unternehmen präsentieren in den nächsten 14 Tagen ihre Halbjahreszahlen. Schlechte Nachrichten sind vorprogrammiert.

Gerüchten zufolge könnte die UBS bei der Bekanntgabe ihrer Zahlen am 26. Juli gleichzeitig den Abbau von 5000 Stellen vermelden. Das wären fast acht Prozent der Belegschaft.

Auch die CS, die zwei Tage später informieren wird, könnte wegen der schwachen Börse zu einem Stellenabbau gezwungen sein. Die Rede ist von rund 1000 gefährdeten Arbeitsplätzen.

Neben den Anlegern, unter anderem Kleinsparern, leiden insbesondere die Pensionskassen: Das Geld der zweiten Säule wird zu einem beträchtlichen Teil in SMI-Titel investiert.

Nur drei Titel gewannen seit Anfang Jahr an Wert

Seit Januar am meisten verloren hat das Wertpapier der Privatbank Julius Bär (–23,65%). Eine Aktie des zweitgrössten Vermögensverwalters hatte bei Börsenschluss am Freitag noch einen Wert von Fr. 33.44.

Ebenfalls zu den grossen Verlierern im ersten Halbjahr zählen das Pharma-Unternehmen Actelion (–21,97 %) sowie das Ölbohrunternehmen Transocean (–20,30 %).

Am wenigsten von allen SMI-Titeln kostet derzeit die UBS-Aktie: Sie war am Freitag noch für Fr. 13.70 zu haben und verlor seit Anfang Jahr 10,75 Prozent.

Nur drei der zwanzig grössten Schweizer Unternehmen konnten seit Januar ihren Wert steigern: Synthes (+16,39 %), Syngenta (+0,33 %) und Swatch (+1,13 %).

Wie weiter?

Hayek: «Was fehlt, ist ein starkes, klares Signal der Nationalbank.» Sie müsse ein Wechselkursziel von Fr. 1.35/1.40 setzen, auf das sie reagieren solle, sobald es substanziell unterschritten werde.

Wie eine solche Reaktion aussehen könnte, lässt Von- Roll-Chef Jürg Brand in der «Zentralschweiz am Sonntag» verlauten: Die Nationalbank soll Exportunternehmen die Euros zum Kurs von Fr. 1.45 abkaufen. Die Idee ist zwar nicht neu, wird aber von immer mehr Unternehmern propagiert.

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