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Der Handel handelt – er will die Ladenöffnungszeiten schweizweit liberalisieren: Schluss mit Zeiten-Puff

In der Schweiz sind die Ladenöffnungszeiten das reinste Chaos. Die Detailhändler erhöhen nun den Druck.

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  play (Illustration: Igor Kravarik)

Am Freitag hat sich die Arbeitsgruppe «Binnenmarkt» der Interessengemeinschaft Detailhandel (IG DHS) zu einer Planungssitzung getroffen. Haupttraktandum: Liberalisierung der Ladenöffnungeszeiten. «Wir geben Gas dieses Jahr», kündigt Martin Schläpfer, Leiter der Arbeitsgruppe, an. Er ist Chef-Lobbyist bei der Migros. Eine Woche zuvor haben bereits Coop-Chef Joos Sutter und Manor-Chef Bertrand Jungo längere Öffnungszeiten gefordert.

Die sind heute Sache der Kantone – und damit ein reiner Flickenteppich. Der Bund gibt den Rahmen vor: Die Läden dürfen montags bis samstags zwischen 6 und 23 Uhr offen sein. Nur acht von 26 Kantonen machen keine Einschränkungen zum Bundesgesetz (siehe Tabelle). In den restlichen Kantonen variiert die Ladenschlusszeit wochentags zwischen 18.30 und 22 Uhr. Am Samstag stehen die Touristen in Luzern und Freiburg bereits um 16 Uhr vor geschlossenen Türen.

Dasselbe Chaos herrscht bei den Sonntagsverkäufen. Laut Bund dürfen die Kantone maximal vier verkaufsoffene Sonntage bestimmen. Zehn Kantone schöpfen dies voll aus, zehn weitere erlauben zwei, das Wallis einen und fünf Kantone keinen Sonntagsverkauf.

Einkaufstourismus im Inland

Dringenden Handlungsbedarf ortet Schläpfer in den Grenzkantonen sowie in Luzern und Freiburg – mit «rückständigen» Öffnungszeiten. Der Wirrwarr bei Öffnungszeiten fördert auch den Einkaufstourismus im Inland. Als die Migros vor eineinhalb Jahren im Länderpark Stans freitags und samstags längere Öffnungszeiten einführte, stieg der Besucherstrom um einen Fünftel an – vor allem aus dem Nachbarkanton Luzern.

Mit dem starken Franken wird auch der Einkaufstourismus über die Grenze zunehmend zum Problem. Der Detailhändler Coop schätzt, dass dem Schweizer Detailhandel alleine im Lebensmittelbereich 2011 gegen drei Milliarden Franken Umsatz ins Ausland abgewandert sind. «Wir erwarten endlich Vorschläge von Bundesrat Johann Schneider-Ammann. Eine moderate Ausdehnung der Öffnungszeiten ist eine der nötigen Massnahmen im Kampf um den Einkaufstourismus», so Schläpfer. «Damit wir Kunden zurückgewinnen.» In Basel müssen die Läden um 20 Uhr schliessen, in Deutschland erst um Mitternacht. «Hält der Einkaufsstrom ins Ausland weiter an, kostet das Arbeitsplätze.»

Unia fordert Gesamtarbeitsvertrag

Bei der Gewerkschaft Unia stossen die Detailhändler auf taube Ohren. Zwar anerkennt Unia-Geschäftsleitungsmitglied Vania Alleva die Probleme mit dem starken Franken. Die Gewerkschaft erneuerte im Dezember ihre Forderungen an die Adresse der Nationalbank, endlich einen Eurokurs von Fr. 1.40 einzuführen. Aber punkto Öffnungszeiten gebe es «kein Entgegenkommen unsererseits», so Alleva. Es brauche einen allgemeingültigen Gesamtarbeitsvertrag, der die Arbeitsbedingungen regelt.

In welcher Form sich die IG DHS überall engagieren wird, ist noch unklar. Die wichtigsten Offensiven werden auf Kantonsebene lanciert – so sind zum Beispiel in Zürich und Luzern zwei Volksinitiativen für freie Ladenöffnungszeiten hängig. In Genf haben die Detailhändler zwar 2010 an der Urne verloren. «Angesichts der Wirtschaftslage mit dem starken Franken müssen wir dort nochmals über die Bücher», kündigt Schläpfer an.

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Sollen die Ladenöffnungszeiten schweizweit vereinheitlicht werden?»

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