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Hervé Falciani. (Screenshot SF)
Datenklauer Hervé Falciani (37). Daten von 130 000 soll er der Genfer Privatbank HSBC geklaut haben, darunter 3000 Franzosen. Er soll zusammen mit seiner franko-libanesischen Geliebten Georgina Mikhael (35) versucht haben, die Ware an andere Banken zu verkaufen. Unter anderem im Februar 2008 im Libanon. Als keine Bank kaufte, soll er die Daten dem deutschen und dem französischen Geheimdienst angeboten haben.
Alles ganz anders, behauptet der in Frankreich unter Polischutz stehende Falciani jetzt in der französischen Zeitung «Nice Matin». Und tischt einen saftigen Agentenkrimi auf:
Ende 2006 sei Georgina Mikhael bei der HSBC angestellt worden. Sie hätten sofort ein «sehr gutes Verhältnis» gehabt. Dies «komischerweise» kurz nachdem er gravierende Mängel der HSBC-Banksoftware bei Schweizer Behörden gemeldet habe. Falciani deutet also an, dass Georgina Agentin war.
Am 24. August 2007 sei er um Mitternacht in Genf von zwei ausländischen (aber nicht französischen) Geheimdienstleuten entführt worden. Sie hätten ihn in einen Lieferwagen gestossen und ihm eine Waffe an die Schläfe gehalten. «Ein grosser Rotschopf und ein superstarker Braunhaariger». Im Untergeschoss einer Kirche hätten sie ihm den Grund der Entführung erklärt: Islamistische Terroristen wollten die HSBC unterwandern. Er solle helfen, den Maulwurf zu finden. Er habe mitgespielt, sagt Falciani: «Ich hatte Angst um meine Familie, meine Frau, meine Tochter.»
Er habe einige Verdächtige gemeldet, darunter Georgina, sagt Falciani. Die fremden Agenten hätten dann von ihm verlangt, «das Spiel mitzuspielen» und die Libanon-Reise mit Georgina mitzumachen.
Nach seiner Rückkehr, so Falciani weiter, habe er beschlossen, «aus der Falle auszusteigen und mich in den Dienst meines Landes, Frankreichs zu stellen. Soweit die Räubergeschichte des Datenklauers.
Was wirklich Sache ist, bringt vielleicht das Verfahren ans Licht, das die Bundesanwaltschaft gegen Falciani führt. Und da gibts positive Signale: Frankreich will die im Januar bei Falciani beschlagnahmten Bankdaten (oder wenigstens Kopien davon) jetzt doch der Schweiz übergeben, wie gestern bekannt wurde. Darauf wartet die Bundesanwaltschaft seit März. Eine Auslieferung von Falciani steht nicht zur Debatte, weil Frankreich keine eigenen Staatsbürger ausliefert.