Bier-Experte Reuter «Das wird einfach kein Cardinal mehr sein»

  • Publiziert: 01.09.2010, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Interview: Daniel Meier

FRIBOURG - Schmecken werde es nicht anders. Doch Daniel Reuter (48) wird das Cardinal aus Rheinfelden trotzdem nicht trinken.

Herr Reuter, Carlsberg schliesst die Cardinal-Brauerei. Was sagen Sie als Präsident der Gesellschaft zur Förderung der Biervielfalt dazu?
Daniel Reuter: Das ist natürlich sehr bedauerlich. Ich finde es wirklich schade für die Biervielfalt. Freiburg ist ein grosser, traditionsreicher Brau-Standort. Und wegen den Arbeitsplätzen ist es auch für das Welschland ein schwerer Schlag.

Die Marke bleibt erhalten, aber das Bier wird künftig in Rheinfelden gebraut. Ist das noch ein Cardinal?
Sicher nicht! Das ist ein Etikettenschwindel. Da nützt es auch nichts, wenn man nach Original-Rezept braut.

Warum nicht?
Weil Bierbrauen viel mit Tradition zu tun hat, mit Ortsverbundenheit, mit Herkunft und mit den Leuten. Man kann nicht an einem anderen Ort brauen und einfach das Cardinal-Etikett auf die Flasche kleben.

Wird das Cardinal aus Rheinfelden anders schmecken?
Ich glaube nicht, dass man es in einem Blindtest merken würde. Ein Bier ist kein Wein – man sollte daraus keinen Kult machen.

Haben Sie Verständnis für den Schliessungsentscheid?
Ökonomisch mag das nachvollziehbar sein. Aber die Grossbrauereien machen einen Fehler, wenn sie alles an einem Standort konzentrieren. Bier ist etwas Lokales. Die Leute wollen nicht alle das gleiche Bier trinken. Auch im Welschland werden jetzt viele Biertrinker kein Cardinal mehr kaufen.

Und Sie selber?
Sobald es aus Rheinfelden kommt, werde ich kein Cardinal mehr trinken. Ich trinke auch kein Haldengut mehr, seit es nicht mehr aus Winterthur kommt. Aber ich möchte betonen: Feldschlösschen braut grundsätzlich gutes Bier. Insbesondere das dunkle Feldschlösschen, das erfreulicherweise wieder in vielen Beizen offen ausgeschenkt wird, schmeckt mir.

Werden weitere Brauereien verschwinden?
Im Moment sieht es nicht danach aus. Die letzten grösseren Brauereien wie Falken, Locher, Schützengarten und Müller machen ihre Sache gut. Die Entwicklung bei der Eichhof-Brauerei in Luzern beobachten wir seit der Heineken-Übernahme genau.

Und wie stehts um die Biervielfalt?
Gar nicht so schlecht. Denn durch die viele Übernahmen und Schliessungen sind auch viele neue Brauereien entstanden. Einige davon sind sehr erfolgreich und profitieren davon, dass die Grossbrauereien nicht mehr vor Ort produzieren.

play Der Bier-Experte Daniel Reuter. (zvg)

Top 3

1 156-Mio-Busse! Weil BMW die Schweizer Kunden benachteiligtebullet
2 Grösser, besser, billiger? Rabatt-Schlacht im TV-Geschäftbullet
3 Wegelin-Fall US-Richter nimmt Raiffeisen ins Visierbullet

Wirtschaft