ZKB-Analyst über den Google-Gau «Das traf die Börse völlig unerwartet»

  • Publiziert: 19.10.2012
  • Von Claudia Stahel
Christian Fröhlich, Analyst bei der ZKB. play Christian Fröhlich, Analyst bei der ZKB. (ZVG)

Die Google-Aktie stürzt nach einer peinlichen Panne an der Börse ab. ZKB-Analyst Christian Fröhlich sagt warum die Börse so empfindlich reagiert.

Gestern passiert der Google-Gau. Weil der Quartalsbericht zu früh veröffentlicht wurde und die Zahlen enttäuschten, kam es an der New Yorker Börse zu wilden Verkäufen. In der Folge stürzte die Google-Aktie neun Prozent ab. Rund 21 Milliarden US-Dollar wurden vernichtet. Google-Gründer Larry Page entschuldigte sich danach «für das Durcheinander». Die Panne sei der Druckerei passiert.

Christian Fröhlich, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank ZKB, erklärt, warum die Börse so heftig auf die Panne reagierte.

Blick.ch: Warum ist die Google-Aktie abgestürzt?
ZKB-Analyst Christian Fröhlich: Google hat einen Vorentwurf des Quartalsberichts noch während des Handels veröffentlicht. Das traf die Börse völlig unvorbereitet. Entsprechend gross war die Verunsicherung. Die Anleger mussten schnell reagieren ohne Kenntnis der ganzen Details.

Googles Quartalszahlen sind enttäuschend. Die Aktie wäre sowieso abgestürzt. Warum spielt der Zeitpunkt der Publikation der Zahlen eine Rolle?
Es ist wichtig dass alle Börsenteilnehmer gleichzeitig informiert werden - aus Gründen der Fairness und Transparenz.

Publizieren alle Firmen ausserhalb der Handelszeiten?
Bei kontrollierbaren Ereignissen wie Quartalszahlen ist das in der Schweiz und Europa die Regel. Die Zahlen werden zwischen 7 und 7.30 Uhr publiziert. Die Anleger haben so Zeit sich bis zur Eröffnung der Börse um 9 Uhr vorzubereiten und die Unterlagen zu studieren.

Gibt es Ausnahmen?
Nokia informiert zum Beispiel während des Handels um punkt zwölf Uhr unsere Zeit. Danach kommt es an der Börse kurzfristig regelmässig zu grossen Verwerfungen. Die Anleger lesen die erste Zeile und tätigen bereits die ersten Transaktionen - aber alle sind auf demselben Informationsstand.

Wie viele Milliarden wurden vernichtet?
Die Aktie ist gestern bis Börsenende um 8 Prozent eingebrochen. Der offizielle Schlusskurs lag bei US-Dollar 695. Damit sank der Marktwert um 21 bis 22 Milliarden US-Dollar.

Wo steht der Kurs heute morgen?
Im nachbörslichen Handel hatte sich der Kurs etwas erholt und schloss um 2:00 Uhr Schweizer-Zeit bei USD 702. Google wird aber auch in Deutschland gehandelt und notierte dort kurz vor Mittag bei umgerechnet knapp USD 704. Der Haupthandel in New York eröffnet aber erst um 15:30 unsere Zeit.

Was für Möglichkeiten hat eine Firma, wenn ein solcher Patzer passiert?
Google hat richtig regiert und die Börse informiert. Der Handel wurde von 18:51 bis 21:20 Schweizer-Zeit ausgesetzt, insgesamt 2 Stunden und 29 Minuten. Analysten und Händler haben so Zeit gewonnen und konnten in Ruhe die Unterlagen studieren.

Wie gross ist der Imageschaden für Google?
Dass ein Weltkonzern Zahlen zu früh veröffentlich habe ich während meiner Analystentätigkeit noch nie erlebt. Obwohl es ein schwerer Patzer ist, glaube ich nicht, dass die Panne Google belastet. Schlimmer ist, wenn zum Beispiel Informationen über eine geplante Übernahme vorzeitig an einzelne Personen nach aussen gelangen. Dies verleitet dann zu Insidergeschäften.

Beliebteste Kommentare

  • Rochas  Esteban , Bern
    Google-Gau? Die Aktie ist wieder bei 700 Dollar. Dort war sie Mitte September...2012, also vor genau einem Monat Nach der Geldschwemme durch EZB und FED ist sie stark gestiegen und nun wieder auf 700 Dollar gefallen. Wer Google vor einem Monat gekauft hätte, hat keinen Rappen verloren Wechselkurs und Inflation mal ausgenommen. Man könnte nach den Presseberichten meinen, Google stehe kurz vor dem Konkurs...
    • 19.10.2012
    • 94
    • 3
  • Mart  Web , Santa Nirgendwo
    21 Milliarden vernichtet! So ein Käse!!

    Geld ist wie Energie - geht nicht verloren!

    Jetzt hat es einfach ein Anderer!

Alle Kommentare (13)

  • hans  meier , Zürich
    Monopoly auf Kosten Dritter. Am Ende gewinnt die Bank, oder es gewinnt die Bank. Falls nicht die Bank gewinnt bezahlt der Staat die Bank.
    Habe soeben mein Handelsdiplom verbrannt weil ist eh alles anders als in den Lehrbüchern.
    • 19.10.2012
    • 20
    • 7
  • Eri  Schmid , Baar , via Facebook
    Alles Buchverluste und auch Gewinne. Alles Zocken und Nervenspiele für Schwachmaten. Interessiert weniger als nasse Socken. Google ist nur rein theoretisch wirklich etwas wert, wenn man den Stecker zieht ist es nichts mehr wert. Man könnte auch einen globalen Schalter betätigen, klick, klack, klick .....
    • 19.10.2012
    • 21
    • 0
  • M.  Graf
    Was wurde denn hier "vernichtet"? Jetzt haben einfach mal ein paar andere in dieser Riesen-Zockerbude namens "Börse" das längere Ende der Wurst erwischt.
    Zumal Google, Facebook & Co ja sowieso keine realen Werte repräsentieren wie ein Industriekonzern; das ist alles ein Geschäft mit der Hoffnung auf fette Gewinne in der Zukunft.
    • 19.10.2012
    • 17
    • 1
  • Metzger  Mario
    Leider ist, angesichts der heutigen ausgekügelten manipulativen Kommunikationsstrategien, nicht auszuschliessen, dass die sogenannte "verfrühte" Veröffentlichung des katastrophalen Quartalsergebnisses mit voller Absicht erfolgte. Ziel dieses Tricks: Die Finanzwelt spricht nur über die angebliche Panne und nicht über das vernichtende Quartalsergebnis. Ob einen Tag früher oder später pupliziert, ändert nichts an der Tatsache, dass Google ein miese Zahlen schreibt und dass diese Bude genau wie Facebook massiv überbewertet ist.
    • 19.10.2012
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  • Mart  Web , Santa Nirgendwo
    21 Milliarden vernichtet! So ein Käse!!

    Geld ist wie Energie - geht nicht verloren!

    Jetzt hat es einfach ein Anderer!
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