Über iPhone & Liebe Das schwerste Interview des Swisscom-Chefs

  • Publiziert: 13.06.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Silvio Bertolami und Daniel Meier

BERN - Warum er beruflich und privat harte Zeiten hat: Swisscom-Chef Carsten Schloter (45) spricht im BLICK-Interview über iPhone, Glasfaser und Liebe.

Sie sind bekennender Apple-Fan. Besitzen Sie das neue iPhone schon?
Carsten Schloter: Nein. Wir kriegen das iPhone nicht in rauen Mengen. Und zuerst bedienen wir unsere Kunden, erst dann kommen die Swisscom-Mitarbeiter zum Zuge. Ich erhielt auch letztes Jahr mein iPhone erst, als alle Kunden auf der Warteliste bedient waren. Davor hatte ich nur das Vorgängermodell, das ich selber aus den USA importiert hatte.

Ab 19. Juni ist das neue iPhone in den Läden. Muss man es überhaupt haben?
Das neue Gerät ist keine Revolution. Doch es bringt sicher einige Vorteile. Zum Beispiel werden Youtube-Filme schneller abgespielt. Unsere Netze wären schon heute schnell genug, aber der Flaschenhals bestand beim Gerät. Auch die Kamera wird besser und hat neu eine Video-Funktion. Beim aktuellen Modell ist die Kamera wirklich schlecht.

Haben Sie das schon früher so deutlich gesagt?
Tja, man hat mich nie danach gefragt …

Werden Sie selber auf das neue umsteigen?
Irgendwann sicher. Spätestens wenn mein altes Gerät auseinanderfällt. Einige Risse hat es ja schon.

Das neue Gerät kommt Knall auf Fall. Das ist ärgerlich für Konsumenten, die sich noch letzte Woche ein altes Modell gekauft haben.
Ja, das ist bei allen Ankündigungen von Apple so. Wir finden das auch nicht kundenfreundlich.

Vom alten iPhone hat die Swisscom seit dem Start vor einem Jahr über 250 000 Stück verkauft. Alle diese Kunden haben einen Zweijahresvertrag. Das heisst, sie müssen jetzt noch mindestens ein Jahr warten, bis sie sich das neue iPhone besorgen können.
Das stimmt. Dafür haben sie das Gerät zu einem sehr tiefen Preis bekommen. Wir subventionieren jedes iPhone mit mehreren Hundert Franken. Das müssen wir über die Abos und die Nutzung wieder verdienen. Der Nachteil des tiefen Preises ist die mangelnde Flexibilität, wenn ein neues Gerät kommt. Ich glaube aber, dass trotzdem viele Besitzer eines alten iPhone umsteigen werden. Sie lösen ein neues Abo, setzen ihre SIM-Karte in das neue iPhone und geben ihr bisheriges Gerät mit dem neuen Abo an Familienmitglieder, Freunde oder Bekannte weiter.

Ein altes iPhone? Ein schönes Geschenk …
Ich finde, im Vergleich zu einem alten Motorola ist es ein schönes Geschenk.

Die Telefontarife sinken. Aber nicht überall. Wer in den Ferien im Ausland mit seinem iPhone oder einem anderen Handy im Internet surft, den trifft zu Hause der Schlag — wegen der Rechnung.
Nein. Wenn man vorher bei seinem Abo eine zusätzliche Option für Datenverkehr im Ausland löst, zahlt man viel weniger. Allerdings bin ich einverstanden: Es ist immer noch zu teuer.

Angenommen, ich rufe im Ausland fünfmal eine Internetseite auf — was kostet das?
Das ist das Problem. Wenn auf dieser Internetseite Bilder integriert sind, kann das schnell teuer werden. Aus Sicht des Kunden bleibt das eine Sorge, weil es so schwierig ist, die Kosten zu kontrollieren.

Wo liegt das Problem?
Die Roaming-Gebühren sind insbesondere für Telekom-Unternehmen in den klassischen Ferienländern wie Spanien oder Italien ein gutes Geschäft. Darauf wollen sie nicht verzichten. Die beste Lösung wäre eine Pauschalgebühr. Dann weiss der Kunde, was er zahlt – egal wie viel er surft. Das geht aber heute nicht, weil wir die ausländischen Telekomfirmen pro bezogene Datenmenge des Kunden bezahlen müssen. Die Branche muss das in den Griff bekommen. Wir hoffen auf die EU.

Fernsehen, Internet und vieles mehr werden in Zukunft über enorm leistungsfähige Glasfasern laufen. Eigentlich braucht die Schweiz nur ein Glasfasernetz. Doch Sunrise-Chef Christoph Brand behauptet, Swisscom und die Elektrizitätswerke wollten zwei parallele Netze durchdrücken, was Konsumenten und Steuerzahler vier Milliarden Franken zu viel kosten werde — allein in den Städten.
Das ist falsch. Sunrise und andere, die viel Kritik üben, können die Kosten gar nicht beurteilen, weil sie selber nicht investieren. Der Ersatz des Kupfer-durch das Glasfaserkabel kostet im Schweizer Durchschnitt 4000 bis 5000 Franken pro Haushalt. Da 80 Prozent der Kosten beim Bau anfallen, setzen wir alles daran, nur ein Netz mit mehreren Fasern zu legen und Doppelspurigkeiten zu vermeiden.

Mit welcher Aussicht auf Erfolg?
In Freiburg haben wir mit der Elektrizitätsgesellschaft bereits eine Einigung erzielt. Dies zeichnet sich auch in Bern und Basel ab. Wir sind auf gutem Weg und hoffen, dass wir auch noch in Zürich eine Lösung finden.

Ihr Vorgänger Jens Alder und auch Sie behaupteten noch vor ein paar Jahren, es mache keinen Sinn, jedes kleine Dorf mit Glasfaserkabel zu versorgen.
Das war ein Fehler. Man hat den Lebenszyklus des Kupferkabels überschätzt. Noch vor zwei Jahren haben wir – und die ganze Branche – beim Ersatz von Kupferkabel darauf verzichtet, gleichzeitig ein Glasfaserkabel zu verlegen. Ob tatsächlich jedes Dorf mit Glasfaser versorgt sein muss, ist jedoch auch heute noch fraglich.

Hatte also SP-Vordenker Peter Bodenmann recht, der schon seit zehn Jahren den schweizweiten Bau eines Glasfasernetzes fordert?
Im Prinzip ja. Hätten wir in den letzten Jahren parallel zum Kupfer-auch Glasfaserkabel eingezogen, wären jetzt bereits 30 bis 35 Prozent der Haushalte ans Glasfasernetz angeschlossen.

Sie sind mit der Swisscom sehr erfolgreich. Privat durchleben Sie Turbulenzen. Stimmt es, dass Sie von Ihrer Familie getrennt leben?
Das ist korrekt. Ich wohne jetzt in Bern. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Carsten Schloter

Carsten Schloter (45) ist der erste Ausländer an der Spitze der Swisscom. Der Deutsche leitet den Telecom-Konzern seit Anfang 2006. Er ist Diplom-Betriebswirt, hat in Paris studiert und spricht nebst Deutsch fliessend Französisch und Englisch. In der Swisscom hat er eingeführt, dass alle per Du sind. Auch mit dem obersten Chef. Schloter ist für einen Konzernleiter überdurchschnittlich direkt, emotional und auch beliebt. Mit Ehefrau Kerstin (35) hat er drei Kinder im Alter von drei bis neun Jahren.

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