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Die Übernahme sei auf jeden Fall überraschend, sagte Marco Strittmatter, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank. Die Strategie von Denner sei defensiv, die Beweggründe der Migros angesichts des attraktiven Markts für Discount-Produkte und dem Einzug von ausländischen Discountern nachvollziehbar. Strittmatter sagte, «sehr grob geschätzt» dürfte der Preis für die Übernahme zwischen 1,3 und 2,5 Milliarden Franken liegen.
Für Coop sieht der Analyst kaum Konsequenzen. «Wenn Denner Denner bleibt, sehe ich keine grosse Auswirkungen auf Coop», sagte Strittmatter. Durch die Übernahme werde Migros aber unangefochtene Nummer 1 im Schweizer Detailhandel.
Ein «brillanter Schachzug» stellt die Übernahme für den Detailhandels-Experten und Unternehmensberater Gotthard F. Wangler dar. Die Migros könne nun im Harddiscount-Bereich tätig sein und auch Alkohol und Zigaretten anbieten. Für Wangler ist aber klar, dass die Marke Denner eigenständig weitergeführt werden müsse. «Das ist vergleichbar mit Globus, dort nimmt der Konsument auch nicht wahr, dass Migros dahinter steckt.» Chancen sieht der Experte aber im Einkauf, da Migros und Denner bessere Konditionen haben werden.
Auch Wangler erwartet keine direkten Konsequenzen für Coop – auch wenn sich der Preisdruck erhöhen werde. Coop sei sehr gut positioniert und mit Prix Garantie auf Erfolgskurs. Auch für Aldi und Lidl werde sich nicht viel ändern. Alle Discounter werden die Marktführerschaft anstreben – «und der Markt wird entscheiden».
Für Patrick Hasenböhler von der Bank Sarasin hat Migros mit der Übernahme einen starken Fuss ins Alkohol- und Tabakgeschäft gesetzt. Durch die Abwehr eines ausländischen Mitbewerbers um Denner habe Migros Coop indirekt gar geholfen. Der Analyst glaubt, dass es durchaus Synergien zwischen den Firmen gibt, die es zu nutzen gelte. So könnten die Migros-Betriebe auch Produkte für Denner produzieren.
Der Kaufmännische Verband Schweiz begrüsst den Verkauf von Denner an die Migros. Er sieht darin eine Chance für die Mitarbeiter von Denner. Diese sollten nun demselben Landes-Gesamtarbeitsvertrag unterstellt werden wie die Migros-Angestellten. Zugleich zeigte sich KV Schweiz erleichtert, dass Denner nicht an einen ausländischen Discounter verkauft worden sei, da deren Arbeitsbedingungen schlechter seien.
Der Verein Sorgim, der für die Aufrechterhaltung der Gründer-Ideale der Migros kämpft, hat die Übernahme von Denner scharf kritisiert. Die Entscheidung des Migros-Genossenschafts-Bunds müsse vor das Genossenschaftsvolk, forderte der Verein. Nur die Eigentümer dürften einen solchen Kauf bewilligen. Die Genossenschafter hätten auch ein Anrecht, den Kaufpreis zu kennen. Vereinspräsident Pierre Rappazzo bezeichnete die Übernahme von Denner als wirtschaftlichen Blödsinn. Die Preise würden durch die Marktkonzentration nun weniger stark sinken. Rappazzo befürchtet zudem, dass die Migros einen viel zu hohen Preis bezahle. Es gehe sicher um eine Milliardensumme.